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30.04.2015

22:49 Uhr

Fleischfabrikant

Rügenwalder Teewurst wegen Kolibakterien zurückgerufen

Ein Produkt-Rückruf tue ihm „so weh, als wenn einer meinen Hund schlägt“, hat Fleischproduzent Christian Rauffus einmal dem Handelsblatt gesagt. Jetzt ist es mal wieder so weit: In Rügenwalder Teewurst sind Kolibakterien entdeckt worden.

Foto der zurückgerufenen „Rügenwalder Grobe Teewurst“. Lebensmittelwarnung.de

Teewurst

Foto der zurückgerufenen „Rügenwalder Grobe Teewurst“.

Der Fleischproduzent Rügenwalder Mühle ruft Teewurst wegen eines Bakterienfunds zurück. Die Warnung wurde über das behördliche Informationsportal lebensmittelwarnung.de am späten Donnerstagabend veröffentlicht. Demnach sind in einer Charge Teewurst Kolibakterien gefunden worden. Als Grund der Warnung wird offiziell der Nachweis von „Verotoxin-bildenden Escherichia coli (VTEC)“ und des „Toxin-Gens stx1“ genannt.

Diese Erreger können Magen-Darm-Entzündungen mit Erbrechen und Durchfall auslösen. Die Toxine „können blutige Durchfälle und das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) verursachen, eine ernste Komplikation, die tödlich verlaufen kann“, heißt es auf der Homepage der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit.

Betroffen ist Teewurst, die Rügenwalder an Metzgerei-Theken etwa in Supermärkten liefert und die dort in Stücken von Bedienpersonal an Kunden verkauft wird. Der Rückruf erfolge durch Aushang „im Einzelhandel an der Fleischtheke“, heißt es in der Warnung. Zurückgerufen werden Teewürste mit einem Gewicht von 625 Gramm und dem Mindesthaltbarkeitsdatum 13. Mai 2015.

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Im Kühlregal ist die Rügenwalder Mühle eine Größe. Doch der schrumpfende Fleischmarkt bringt den Chef auf andere Gedanken: Christian Rauffus denkt an Soja-Schnitzel und kann fleischfreien Kantinentagen etwas abgewinnen.

In einem Interview mit dem Handelsblatt hatte Rügenwalder-Chef Christian Rauffus im Jahr 2013 über Produktrückrufe gesprochen. „Das ist für ein Unternehmen natürlich eine schwierige Situation, aber es gibt hier keinen Ermessensspielraum“, sagte er damals. „Wir haben Grundsätze und Regeln - und wenn Gefahr im Verzug ist, dann wird zurückgerufen. Persönlich tut es mir allerdings so weh, als wenn einer meinen Hund schlägt“, so der passionierte Jäger.

Die jetzt vom Rückruf betroffene Teewurst ist zwischen dem 2. und 30. April verkauft worden, heißt es in einem Aushang, der Einzelhändlern zur Verfügung gestellt wird. „Vom Verzehr der Produkte wird abgeraten“, heißt es darin weiter. Ein Service-Telefon ist unter der Nummer 04403-66-345 eingerichtet. Eine Mitarbeiterin am Service-Telefon konnte am Abend keine Auskunft zu dem Vorfall geben, wollte sich aber um eine Antwort bemühen. Auch bei Facebook und Twitter gab es zunächst keine offizielle Information des Unternehmens am Donnerstagabend.

Fakten zur Rügenwalder Mühle

Gründungsjahr

1834 in Rügenwalde, dem heutigen Darłowo im polnischen Westpommern.

Geschichte

Die Familie wurde zum Ende des Zweiten Weltkriegs vertrieben und siedelte um ins Ammerland nahe Oldenburg. Aus der Metzgerei wurde eine Wurstfabrik mit Ladenlokalen, später gab das Unternehmen die Filialen auf und konzentrierte sich auf die Produktion. Ein Urteil des Bundesgerichtshof sicherte aus Pommern vertriebenen Unternehmern in den 1950er-Jahren zu, weiter „Rügenwalder Wurst“ zu produzieren.

Eigner und Führung

Geschäftsführer in der sechsten Generation ist Christian Rauffus. Die Firma befindet sich zu 100 Prozent in Familienbesitz, darunter die beiden Schwestern Rauffus' und sein einziges Kind, Gunnar Rauffus. Die Übergabe an die nächste Generation ist in Vorbereitung.

Produkte

Zu den bekanntesten Produkten zählt die Teewurst. In ihr ist kein Tee verarbeitet, die Streichwurst aus Schweinefleisch trägt den Namen, da sie historisch gerne zu Tee gegessen wurde. „Lachsschinken hat auch nichts mit Fisch zu tun“, sagt Rügenwalder-Chef Christian Rauffus. Auch Leberwurst ist eines der klassischen Produkte, in den vergangenen Jahren sind Kochschinken, Wiener Würstchen und Frikadellen hinzugekommen. In Zukunft könnten auch fleischlose Produkte zum Sortiment hinzukommen.

Geschäftsentwicklung

Das Unternehmen verkauft fast ausschließlich in Deutschland. Ein Grund: Teewurst ist jenseits der Landesgrenzen schlicht unbekannt. Mit Hilfe moderner Verpackungen, offensiver Werbung und regelmäßigen Produktneuerungen wächst das Unternehmen langsam aber stetig. Im Jahr 2007 hatte der Umsatz 146 Millionen Euro betragen, im Jahr 2012 waren es 174 Millionen Euro (plus ein Prozent gegenüber 2011).

Beschäftigte und Standorte

Die Rügenwalder Mühle hat etwa 400 Mitarbeiter, die ausschließlich am Standort der Zentrale in Bad Zwischenahn nahe Oldenburg arbeiten. Ein Vorteil des Standorts sei die relative Nähe zu großen Schweinefleisch-Produzenten in Niedersachsen.

Das sagt der Bürgermeister

Die Rügenwalder Mühle ist der größte Arbeitgeber im Ammerland und damit von großer Bedeutung für die Region. „Das Unternehmen spendet regelmäßig für öffentliche und soziale Zwecke“, sagt der Bad Zwischenahner Bürgermeister Arno Schilling (SPD). „Die Familie ist der Gemeinde eng verbunden, aber sie drängt sich nicht in den Vordergrund.“

Die aktuelle Warnung betrifft die Bundesländer Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Thüringen.

Im Juni 2013 hatte Rügenwalder Teewurst-Becher, die im Einzelhandel verkauft werden, zurückrufen müssen. Damals waren Salmonellen gefunden worden.

Von

mdo

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