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07.02.2014

13:58 Uhr

Fleischindustrie

Tönnies verteidigt Werkverträge

Schlechte Löhne, miese Unterkünfte - über osteuropäische Arbeiter in deutschen Fleischbetrieben ist viel Negatives berichtet worden. Jetzt geht Marktführer Clemens Tönnies in die Offensive.

Clemens Tönnies erklärte, er habe kein Problem mit dem Mindestlohn, auf den sich die Fleischbranche nach zähem Ringen mit der Gewerkschaft geeinigt habe. dpa

Clemens Tönnies erklärte, er habe kein Problem mit dem Mindestlohn, auf den sich die Fleischbranche nach zähem Ringen mit der Gewerkschaft geeinigt habe.

DüsseldorfDeutschlands größter Schweinefleischverarbeiter Tönnies hat die breite Nutzung von Werkverträgen in der Branche verteidigt. „Das System Werkverträge zu verteufeln, würde uns das Genick brechen“, sagte der Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Tönnies Lebensmittel, Clemens Tönnies, am Donnerstagabend vor Journalisten in Düsseldorf. „Dann könnten wir unsere Werke nur ins Ausland verlagern.“

Von bis zu 6000 Beschäftigten am Standort Rheda-Wiedenbrück seien rund 2700 fest angestellt, berichtete Tönnies. Subunternehmer bringen über Werkverträge viele Arbeiter aus Polen, Rumänien und Bulgarien in die Schlachtbetriebe. „In Deutschland finden wir für die schwere Arbeit keine Mitarbeiter in der Güte und Masse“, sagte Tönnies. Der Markt sei leer gefegt. „Ich würde jeden, der will, morgen festeinstellen.“ Die meisten über Werkverträge Beschäftigten wollten aber auf begrenzte Zeit so viel wie möglich in Deutschland verdienen, um sich anschließend in der Heimat eine Existenz aufzubauen.

Tönnies war im vergangenen Jahr nach Sonderkontrollen des staatlichen Arbeitsschutzes in der Fleischindustrie ins Visier geraten. In etlichen Großbetrieben seien ausufernde Arbeitszeiten, undurchsichtige Werkverträge mit Billigkräften aus dem Ausland und mangelhafte Gesundheitsvorsorge aufgedeckt worden, hatte NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) berichtet. Es gebe keine Großbetriebe, in denen nichts gefunden worden sei. Verschiedene Medien hatten über osteuropäische „Lohn-Sklaven“ in der Branche berichtet.

„Wo 6000 Leute beschäftigt sind, hört man zwei bis dreimal in der Woche den Krankenwagen“, sagte Tönnies. Das Unternehmen habe aber nachweislich weit unterdurchschnittliche Unfallraten und habe mit der Gewerbeaufsicht auch das Thema Arbeitszeitüberschreitungen klären können.

Kommentare (3)

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MartinH

07.02.2014, 15:14 Uhr

Der Markt soll leergefeckt sein? Das glaubt doch der Herr Tönnies selber nicht. Wer möchte schon eine 40h Woche für weniger als 7€ die stunde arbeiten. Wenn man pech hat noch unbezahlte überstunden.
Der Ausgehandelt Tarifvertrag der Fleischindustrie ist ein Witz.
Die Zeitarbeitsfirmen(igz) müssen ab diesen Jahr, min. 7,86€ die Stunde bezahlen und das ist der Ost-stundensatz. Im Westbereich sind 8,50€ fällig.
2016 werden im übrigen schon min. 9€ im Westbereich vergütet.

HBW

07.02.2014, 16:28 Uhr

Fleisch essen ohnehin nur mehr Steinzeit-Affen!

Pauleaw

13.02.2014, 10:11 Uhr

Bin immer wieder erstaunt,was an undurchdachten Kommentaren im Netz stehen. Stammtischparolen sind zwar nett. Aber realitätsfern. Bin kein Freund v Herrn Tönnies. Aber solange der Staat nicht mitzieht und der Kunde nur eins kennt" Geiz ist geil" wird sich da auch nichts ändern.

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