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18.12.2016

13:47 Uhr

Fleischkonsum

Veggie-Boom flaut ab

Die Deutschen haben immer weniger Appetit auf Fleischersatzprodukte. Dass vegetarische Kost nicht allen schmeckt, haben Marktforscher ermittelt. Schuld am fallenden Trend könnten auch die Warentests sein.

Der Trend zum Fleischersatz nimmt nach aktuellen Zahlen ab. dpa

Vegetarische Lebensmittel

Der Trend zum Fleischersatz nimmt nach aktuellen Zahlen ab.

DüsseldorfDie Begeisterung für vegane und vegetarische Ernährung hat in Deutschland in den vergangenen Monaten einen spürbaren Dämpfer bekommen. Nach aktuellen Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ist der über Jahre hinweg boomende Markt für Fleischersatzprodukte - wie vegetarische Fleischwurst oder Sojaschnitzel – seit dem Sommer auf Schrumpfkurs.

Die Entwicklung überrascht. Denn noch Ende vergangen Jahres konnten sich die Hersteller von Fleischersatzprodukten dank des wachsenden Umwelt- und Gesundheitsbewusstseins der Verbraucher und der Experimentierlust von Gelegenheits-Vegetariern über Zuwachsraten von mehr als 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr freuen. Doch in diesem Jahr schwächte sich das Wachstum überraschend schnell ab und kam dann zum Erliegen. „In den letzen zwei, drei Monaten sind die Verkäufe sogar rückläufig“, berichtet GfK-Experte Helmut Hübsch.

„Viele Verbraucher haben das mal ausprobiert. Aber ein großer Anteil davon hat es auch bei dem einmaligen Versuch belassen“, fasst Hübsch die Eindrücke der Marktforscher aus den letzten Monaten zusammen. Der Geschmack der Produkte hat offenbar nicht immer überzeugt. „Wir haben einen relativ hohen Anteil von Einmalkäufern.“

Die zehn größten Fleischwaren-Konzerne in Deutschland

Platz 10

Auf Platz 10 rangiert die Sprehe-Gruppe aus dem niedersächsischen Lorup. Der Konzern, der vor allem mit Geflügel sein Geld macht, verzeichnete 2014 einen Umsatz vom 800 Millionen Euro (2013: 780 Millionen Euro).
Quelle: fleischwirtschaft.de

Platz 9

Mit 825 Millionen Euro Umsatz in 2014 liegt die Zur-Mühlen-Gruppe auf Platz 9. Der Produzent der bekannten Böklunder Würstchen erreichte auch 2013 schon einen Umsatz in gleicher Höhe.

Platz 8

Kaufland Fleischwaren kommt mit einem Umsatz von 830 Millionen Euro 2014 auf den achten Rang (2013: keine Angabe). Die Fleischbetriebe sind Teil der Unternehmensgruppe Kaufland.

Platz 7

Die Müller Gruppe aus der Nähe von Pforzheim schlachtet hauptsächlich Rinder und Schweine und kam damit 2014 auf einen Umsatz von 885 Millionen Euro (2013: 883 Millionen Euro) – Platz 7.

Platz 6

2013 erwirtschaftete die Rothkötter Unternehmensgruppe erstmals einen Umsatz von einer Milliarde Euro. 2014 konnte das Unternehmen der Geflügelbranche diesen Umsatz bestätigen und landet damit auf Rang 6.

Platz 5

Die Heristo Aktiengesellschaft aus dem niedersächsischen Bad Rothenfelde steht auf dem fünften Platz im Ranking. Das schon seit 1913 bestehende Unternehmen erwirtschaftete 2014 einen Umsatz von 1,45 Milliarden Euro (2013: 1,48 Milliarden Euro).

Platz 4

Die PHW-Gruppe ist der größte deutsche Geflügelzüchter und -verarbeiter. Das Unternehmen mit der bekannten Marke Wiesenhof landet mit 2,27 Milliarden Euro Umsatz 2014 auf Rang 4 (2013: 2,21 Milliarden Euro).

Platz 3

Mit einem Umsatz von 2,51 Milliarden Euro in 2014 ist der Konzern Westfleisch aus Münster das drittgrößte fleischverarbeitende Unternehmen in Deutschland (2013: 2,51 Milliarden Euro).

Platz 2

Vion Food Germany ist der deutsche Ableger des niederländischen Nahrungsmittelkonzerns Vion N. V. Der Umsatz 2014 betrug 3,29 Milliarden Euro (2013: 3,7 Milliarden Euro), das bedeutet Rang 2.

Platz 1

Die Tönnies-Gruppe aus dem nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück ist Deutschlands größter Schlachtbetrieb für Schweine. Der Umsatz des Familienunternehmens lag 2014 bei 5,6 Milliarden Euro und damit auf dem gleichen Wert wie 2013. Damit liegt die Tönnies-Gruppe auf Platz 1 der Fleischproduzenten.

Mitverantwortlich für den Umschwung könnten allerdings auch Untersuchungen der Stiftung Warentest und von Öko-Test gewesen sein, die in den vergangene Monaten Schlagzeilen machten. Oko-Test untersuchte im Frühsommer 22 Fleischersatzprodukte auf Schadstoffe, Fett, Salz und Geschmack. Das ernüchternde Ergebnis: Nur ein Produkt bekam von den Testern die Note „gut“, bei knapp der Hälfte der Produkte lautete das Urteil am Ende „mangelhaft“ oder „ungenügend“.

Die Tester kritisierten die „überraschend hohe Belastung“ mit Mineralölbestandteilen bei einigen Produkten, aber auch Überwürzung und die Verwendung glutamathaltiger Zusätze, um den Produktgeschmack auf fleischähnlich zu trimmen. Außerdem bemängelten sie die allzu großzügige Verwendung von Salz bei etlichen Produkten und die „oftmals weiche bis breiige Konsistenz“ der Produkte.

Etwas besser, aber auch nicht wirklich gut, fiel ein Test von 20 Fleischersatzprodukten durch die Stiftung Warentest aus. Zwar bekamen hier immerhin sechs Produkte die Note „gut“. Doch warnten auch hier die Tester vor „hohen Mengen an Mineralölbestandteilen“ in fünf Bratwürsten und einem Veggie-Schnitzel.

Und darüber hinaus stellten sie fest: „Einige Veggie-Varianten schmeckten trocken, waren schwer zu kauen oder sehr salzig. Auch sind sie nicht per se kalorienärmer als die vergleichbaren Fleischprodukte. Wer Fett sparen will muss genau hinschauen, welches Produkt er auswählt.“

Für den Marketing-Experten Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU kommt der Rückschlag denn auch nicht völlig überraschend. „Vegetarische und vegane Produkte sind nach wie vor kleine Nischenmärkte,“ sagt er. „Natürlich essen auch Leute, die keine Hardcore-Vegetarier sind, mal Fleischersatzprodukte. Aber das schmeckt halt nicht so, wie man es gewohnt ist. Und es braucht Zeit, sich daran zu gewöhnen.“

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