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13.04.2013

13:32 Uhr

Fleischskandal

Niederländischer Händler verarbeitete tausende Pferde

Der Fleischskandal weitet sich aus. Die niederländischen Behörden gehen davon aus, das der betroffene Händler tausende Pferde verarbeitet und als Rindfleisch deklariert hat. Die Lieferungen gingen auch nach Deutschland.

Ein Fleischhändler hat vermutlich mehr als tausend Pferde verarbeitet. dpa

Ein Fleischhändler hat vermutlich mehr als tausend Pferde verarbeitet.

AmsterdamDer Hauptverdächtige im niederländischen Fleischskandal hat möglicherweise das Fleisch von tausenden Pferden mit Rindfleisch vermischt. In 20 Prozent der untersuchten Proben aus dem Fleischgroßhandel Willy Selten sei Pferdefleisch gefunden worden, sagte der Generalinspektor der niederländischen Kontrollbehörde für Lebensmittel, Harry Paul, am Freitagabend im niederländischen Fernsehen. „Wir schließen nicht aus, dass es um tausende Pferde geht.“

Bei den nun zurückgerufenen 50 000 Tonnen Fleisch sei unbekannt, ob es kontrolliert worden sei, Reste von Medikamenten enthalte oder von kranken Tieren stamme, sagte der Generalinspektor. Da der Unternehmer die Herkunft seiner Ware seit 2011 nicht nachweisen konnte, hatte die Behörde die gesamte Produktion von zwei Jahren aus insgesamt 16 europäischen Ländern zurückgerufen, darunter auch aus Deutschland. Bundesweit sind nach Angaben des Verbraucherministeriums vom Samstag bislang 124 betroffene Betriebe bekannt.

Wer alles Pferd gefunden hat

Aldi Nord

In „Tiefkühl Penne Bolognese 750 g“ und „Gulasch 540 g Dose, Sorte Rind“ hat Aldi Nord Anteile von Pferdefleisch nachgewiesen. Das Gulasch des Lieferanten Omnimax sei nur in den Regionalgesellschaften im Raum Magdeburg, im Raum Süd-Ost-Berlin, in Süd-Ost-Brandenburg und in Hoyerswerda vertrieben worden. Die „Tiefkühl Penne Bolognese“ eines anderen Lieferanten sei in allen deutschen Filialen von Aldi Nord verkauft worden.

Ende Februar nahm Aldi Nord zudem Zigeuner Hacksteaks des Lieferanten Wingert Foods aus dem Sortiment.

Aldi Süd

Aldi Süd nahm Dosen-Ravioli und -Gulasch aus den Regalen. Bei Analysen wurden bei den Produkten nach Angaben des Discounters "Anteile von Pferdefleisch" nachgewiesen. Es handelt sich demnach um "Ravioli, 800 g Dose (Sorte Bolognese)" der Eigenmarke "Cucina" vom Lieferanten BLM sowie um "Gulasch, 450 g Dose (Sorte Rind)" des Lieferanten Omnimax, das ausschließlich in Nordrhein-Westfalen verkauft wurde.

Edeka

Edeka stellte in Stichproben von Lasagne der Eigenmarke "Gut & Günstig" nach eigenen Angaben "geringe Pferdefleisch-Anteile" fest. Der Verkauf des Tiefkühlprodukts wurde gestoppt. Deutschlands größte Supermarktkette prüft weitere Artikel. Bei anderen Produkten liegen demnach aber bislang "keine Hinweise auf vergleichbare Probleme" vor. Laut Verbraucherzentrale Hamburg wurden auch Filialen der regionalen Supermarktkette Konsum Leipzig in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit der Edeka-Lasagne beliefert.

Eismann

Eismann stellte in zwei Lasagne-Produkten Pferdefleisch fest. Den Verkauf der betroffenen Ware stoppte der Tiefkühl-Heimservice nach einem ersten Verdacht. Verbraucher können die Ware Eismann-Verkäufern zurückgeben und bekommen das Geld zurück. Weitere Produkte neben der Lasagne sind laut Eismann nicht betroffen.

Ikea

Tschechische Behörden haben Ende Februar in gefrorenen Hackbällchen („Köttbullar“) Pferde-DNA nachgewiesen.

Kaiser's Tengelmann

Kaiser's Tengelmann nahm Lasagne der Eigenmarke A&P aus dem Verkauf. Die Supermarktkette rechnet inzwischen fest damit, dass das Tiefkühl-Produkt neben Rindfleisch auch Pferdefleisch enthält. Kaiser's Tengelmann wurde eigenen Angaben zufolge vom französischen Hersteller Comigel offiziell informiert, dass die von ihm für seine Kunden hergestellten Fertiggerichte "durchgängig Anteile von Pferdefleisch enthalten". Kaiser's Tengelmann hat auch eigene Tests beantragt, deren Ergebnis noch nicht bekannt ist.

Lidl

Lidl stoppte in Deutschland den Verkauf von Rindfleisch-Tortelloni der Eigenmarke Combino, nachdem Kontrolleure in Österreich darin Anteile von Pferdefleisch gefunden hatten. Der Hersteller der Nudelprodukte, Hilcona aus dem Fürstentum Liechtenstein, erklärte, er verarbeite selbst kein Frischfleisch, sondern beziehe dieses von Lieferanten. Das mit Pferdefleisch durchsetzte Rindfleisch für die Tortelloni lieferte demnach die Firma Vossko aus Ostwestfalen. Sie wiederum prüft nun, welcher ihrer Lieferanten rohes Pferdefleisch als Rindfleisch verkaufte.

Real

Real rief "TiP Lasagne Bolognese, 400g, tiefgekühlt" zurück. Bei Laboruntersuchungen mit dem Produkt der Eigenmarke war in "einzelnen Stichproben" Pferdefleisch gefunden worden.

Rewe

Rewe nahm sowohl Produkte aus dem Sortiment, welche die Supermarktkette unter ihrem eigenen Namen verkaufte, als auch Produkte eines Markenherstellers. Betroffen sind "Rewe Chili con Carne" und "Rewe Spaghetti Bolognese", die laut Rewe vom Unternehmen SGS Geniesser Service hergestellt wurden, sowie "Mou Lasagne Bolognese" und "Mou Cannelloni Bolognese" der Marke Tulip. Bei den Produkten der Eigenmarke und des Markenherstellers konnten die Produzenten Rewe zufolge nicht ausschließen, dass diese Anteile von Pferdefleisch enthalten.

Nestlé

Bei Tests sei Pferde-DNA in zwei Nudel-Produkten nachgewiesen worden, für die ein deutsches Unternehmen Fleisch geliefert habe, teilte der Schweizer Konzern in einer Erklärung mit. Die in Italien und Spanien verkauften Sorten Buitoni-Rindfleischravioli und Rindfleisch-Tortellini seien daraufhin sofort freiwillig vom Markt genommen worden. In Deutschland würden diese Gerichte nicht vertrieben.

Der Anwalt des Fleischhändlers wies die Vorwürfe zurück. Es sei nur einmal versehentlich Pferd mit Rind vermischt worden. „Willy Selten hat einen tadellosen Ruf“, sagte der Anwalt Frank Peters dem TV-Sender NOS. Er hatte eine einstweilige Verfügung gegen die Rückrufaktion beantragt und fordert von der Kontrollbehörde Schadenersatz in Höhe von 5,8 Millionen Euro. Selten, der sich seit Februar nicht mehr öffentlich geäußert hat, ist nach den Worten seines Anwaltes psychisch schwer angeschlagen.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) forderte für Fleisch eine verbindliche Herkunftskennzeichnung. „Die haben wir bei Gemüse, nicht aber beim Fleisch. Wir brauchen dies auch auf verarbeiteten Produkten“, sagte BUND-Agrarexpertin Reinhild Benning im Deutschlandradio Kultur. Hier klaffe eine riesige Lücke.

Von

dpa

Kommentare (24)

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Karma

13.04.2013, 12:25 Uhr

Mensch nun kommt doch mal auf den Boden der Tatsachen zurück. Oder blockiert Fleisch Essen das Denken so schlimm.

Das Pferdefleisch war vollkommen in Ordnung.

Oder wollt ihr hier jeden nieder machen, der Gewinne macht?

Wiedereinduchblicker43

13.04.2013, 12:41 Uhr

Der arme Herr Selten, jetzt ist er auch noch spychisch krank
geworden. Ein ähnliches Verhalten legte Herr Berluskoni an den Tag. Erst tausende von Menschen betrügen um nicht besch..
zu sagen und dann auch noch krank zu werden!
Der arme Herr Selten soll froh sein, dass er nicht versehentlich in den Cutter fällt, in dem er Pferdefleisch
in Rindfleich verwandeln ließ!
Oder grenzt dieses Verhalten schon an seinen Glauben, er könne Wunder tun?

Aber eines kann man sagen, nicht alle Holländer sind inkorrekt!

Guten Apetit!

Wiedereindurchblicker

macky

13.04.2013, 13:31 Uhr

Zum kotzen ist das alle.
Diese Leute sollte man an die Wand stellen und erschießen. Die machen das eh weiter so, weil sie kaum was zu befürchten haben. Mich ekelt das nur an mit diesem widerlichen Pack.

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