Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.02.2016

10:09 Uhr

Flüchtlinge bei Lufthansa und Air Berlin

Wie Airlines mit Abschiebungen umgehen

VonJens Koenen

Die Bundesregierung will abgelehnte Asylbewerber konsequenter abschieben – unter anderem per Flugzeug. Die Airlines bereiten sich schon darauf vor. Müssen Fluggäste künftig mit unschönen Szenen an Bord rechnen?

„Rückführungen geschehen meist problemlos ohne irgendein Aufsehen zu erregen.“ picture alliance / Robert Schles

Flugzeug startet in Berlin-Tegel

„Rückführungen geschehen meist problemlos ohne irgendein Aufsehen zu erregen.“

FrankfurtDie Vorstellung ist unangenehm. Da hat man es sich im Flugzeug nach dem „Boarding“ bequem gemacht und dann nehmen ein Vollzugsbeamter und ein abgeschobener Flüchtling nebenan Platz. Ein Bild, an das wir uns künftig besser gewöhnen sollten?

Eher nicht. Zwar will die Bundesregierung künftig Flüchtlinge ohne Aussicht auf ein Bleiberecht zügiger und konsequenter in ihre Heimat „rückführen“, wie es so schön heißt. Auch wird das sicherlich häufig mit dem Flugzeug geschehen. Doch die Erfahrungen der zurückliegenden Monate zeigen: Die Abschiebungen laufen in der Regel reibungslos, finden üblicherweise sogar völlig unbemerkt von den anderen Passagieren statt. „In der weit überwiegenden Zahl der Fälle – über 90 Prozent – geschieht eine solche Rückführung unbegleitet und problemlos, ohne irgendein Aufsehen zu erregen“, heißt es bei der Lufthansa.

Von welchen Flughäfen die Menschen abgeschoben werden

2747

2747 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Frankfurt abgeschoben.

Quelle: Antwort der Bundesregierung auf Kleine Anfrage der Linken (16. Februar 2015)

1711

1711 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Düsseldorf abgeschoben.

1130

1130 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Berlin-Tegel abgeschoben.

817

817 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen München abgeschoben.

638

638 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Hamburg abgeschoben.

509

509 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Berlin-Schönefeld abgeschoben.

348

348 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Baden-Baden abgeschoben.

260

260 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Hannover abgeschoben.

227

227 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Stuttgart abgeschoben.

135

135 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Leipzig abgeschoben.

26

26 Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Köln/Bonn abgeschoben.

8

Acht Menschen wurden im Jahr 2014 über den Flughafen Bremen abgeschoben.

1

Eine Person wurde im Jahr 2014 über den Flughafen Dresden abgeschoben.

Nach Medienberichten wurden im vergangenen Jahr fast 21.000 Menschen aus Deutschland abgeschoben. Das sind fast doppelt so viele wie im Jahr 2014. Angaben, wie viele davon per Flugzeug in ihre Heimat zurückreisten, gibt es bislang nicht. 2014 wurden 8557 Abschiebungen per Flugzeug vorgenommen – also die große Mehrheit der insgesamt 10.844 Rückführungen.

Populisten auf dem Vormarsch: Die Stunde der Verführer

Populisten auf dem Vormarsch

Premium Die Stunde der Verführer

Immer mehr westliche Demokratien erliegen der populistischen Versuchung – nun womöglich auch Deutschland. Politiker von Frauke Petry bis Donald Trump setzen auf Abschottung und gefährden damit unseren Wohlstand.

Für die Fluggesellschaften bedeutet das zwar zusätzliche Passagiere und damit auch Einnahmen. Aber zumindest bei Abschiebungen per Linienflug verdienen sie damit keine Extra-Prämie. „Für alle Passagiere, die im Rahmen einer Personenrückführung mit uns fliegen, gilt der reguläre Ticketpreis“, erklärt ein Sprecher von Lufthansa.

Anders sieht es bei speziell von der öffentlichen Hand für Abschiebungen gecharterten Flügen aus. Lufthansa bietet solche Flüge nicht an, wohl aber Air Berlin. Wie teuer ein solcher Sammeltransport ist, ist zwar nicht bekannt. Aber man darf davon ausgehen, dass sich die Fluggesellschaften eine solche Dienstleistung angemessen vergüten lassen.

Grundsätzlich wird eine Airline darüber informiert, ob sich unter den Passagieren abgeschobene Flüchtlinge befinden. Doch reisen Asylsuchende vor einer Abschiebung freiwillig zurück, ist das nicht zwingend der Fall. Denn die Airline weiß in der Regel nichts über die Gründe eines Passagiers für seinen Trip. Deshalb können Lufthansa und Air Berlin auch keine detaillierten Angaben darüber machen, wie viele Flüchtlinge sie in den zurückliegenden Monaten befördert haben.

Kommentare (25)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Marc Otto

05.02.2016, 10:19 Uhr

Mit anderen Worten: "bisher wurden abgeschobene Eindringlinge nicht in ihre Heimat zurück gebracht"?

Account gelöscht!

05.02.2016, 10:26 Uhr

Normalerweise gehört bei der Abschiebung die Bundeswehr mit ihrer Transall eingesetzt. Aber bei dem Zustand der Bundeswehr kann einen ganz anders werden.

Die Abschiebungen werden damit nicht vollzogen werden können. Man kann so eine "Hochexposive" emotionale Sache der Abschiebung nicht der Privaten Luftfahrt übertragen. Außer es gibt einen Privatanbieter, der sich darauf spezialisiert hat.

Herr Gerald Gantz

05.02.2016, 10:28 Uhr

So ist`s recht und folgerichtig. Erst sich Probleme ohne Bewußtsein freiwillig an den Hals hängen, dann versuchen diese zu verwalten und dann versuchen, diese wieder aus der Welt zu schaffen, wobei es beim kläglichen Versuch bleibt. So sieht erfolglose und gutbezahlte Regierungsarbeit aus.
(...)
Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×