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14.05.2015

12:11 Uhr

Flüchtlinge

Das Container-Geschäft blüht

Für die steigende Zahl von Flüchtlingen, die nach Deutschland kommen, werden verstärkt Unterkünfte aus Containern errichtet. Die Nachfrage ist so groß, dass es mitunter zu Lieferengpässen kommt. Aber es gibt auch Kritik.

Aus Mangel an Unterkünften werden zur Beherbergung von Flüchtlingen häufig Container-Siedlungen errichtet – wie hier in Berlin-Köpenick. dpa

Flüchtlingsunterkunft aus Containern

Aus Mangel an Unterkünften werden zur Beherbergung von Flüchtlingen häufig Container-Siedlungen errichtet – wie hier in Berlin-Köpenick.

Berlin„Wir schaffen Raum für Architektur auf Zeit.“ Das ist eine der Werbebotschaften des Unternehmens Algeco. Der Modulbauer mit Sitz in Kehl am Rhein errichtet Büros und Unterkünfte für Industrieanlagen und Baustellen, Messe-Pavillons, Sparkassen-Filialen, Schulen und Kindergärten. Zentraler Baustein bei all den Projekten ist der Container. Und der ist zurzeit besonders gefragt – für die provisorische Unterbringung von Flüchtlingen.

Deren Zahl ist zuletzt stark gestiegen. Das Bundesamt für Migration erwartet in diesem Jahr 300.000 Asylbewerber in Deutschland. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund rechnet sogar mit mindestens 450.000. Das bringt die Kommunen, auf die die Flüchtlinge verteilt werden, in arge Bedrängnis. In ihrer Not entscheiden sie sich zunehmend auch für die Errichtung von Containersiedlungen.

Für die Hersteller ist das ein einträgliches Geschäft. In Berlin etwa entstehen bis August vier Containerdörfer, zwei andere sind schon fertig. Die sechs Behelfsunterkünfte kosten zusammen 42,7 Millionen Euro und bieten Platz für 2186 Flüchtlinge. Das sind knapp 20.000 Euro pro Platz. Und weil das absehbar bei weitem nicht reichen wird, will der Berliner Senat in den nächsten beiden Jahren 36 große Heime aus Fertighäusern für 7200 Flüchtlinge hinzufügen. Kostenpunkt: mehr als 160 Millionen Euro.

Die Verteilung von Asylbewerbern auf die Bundesländer

„Königsteiner Schlüssel“

Asylbewerber, die in Deutschland Zuflucht suchen, werden nach dem „Königsteiner Schlüssel“ auf die Bundesländer verteilt und dort untergebracht. Der Verteilerschlüssel richtet sich nach Steuereinnahmen und Bevölkerungszahl der Länder. Das Steueraufkommen wird mit zwei Dritteln, die Bevölkerungszahl mit einem Drittel gewichtet. Der Schlüssel wird von der Gemeinsamen Wirtschaftskonferenz jedes Jahr neu berechnet.

Die meisten Asylbewerber...

...müssen Nordrhein-Westfalen (2014: 21,2 Prozent) und Bayern (15,2 Prozent) aufnehmen. Baden-Württemberg liegt an dritter Stelle (12,9 Prozent). Am niedrigsten sind die Anteile für das Saarland (1,2 Prozent) und Bremen (0,9 Prozent).

Seit 1949

Den „Königsteiner Schlüssel“ an sich gibt es seit 1949: Die Bundesländer einigten sich damals im hessischen Königstein auf einen Schlüssel zur Finanzierung von Forschungseinrichtungen außerhalb der Universitäten. Das Instrument wird inzwischen aber auch für andere Fragen rund um die Lastenverteilung unter den Ländern genutzt.

Seit 2005

Seit Anfang 2005 dient der Schlüssel als Grundlage für Verteilung von Asylbewerbern. Damals zählten die Behörden rund 29.000 Asylanträge in Deutschland, 2014 waren es rund 173.000.

Es gibt nicht viele Hersteller, die Containerdörfer in der gewünschten Qualität mit Gemeinschaftsbädern und -küchen schnell liefern können. Weil gleichzeitig so viele Städte und Gemeinden Container wollen, kommt es mitunter zu Lieferengpässen. In Bremen verzögerte sich deshalb die Eröffnung einer Mobilbau-Anlage um zehn Wochen. In Köln mussten zwei Projekte verschoben werden.

Für die sechs Containerdörfer in Berlin wurden die Firmen ProContain in Coswig bei Dresden, CHB Bonitz in Berlin und Algeco beauftragt. Seit zwei Jahren sei die Nachfrage nach bewohnbaren Containern stark gestiegen, berichtet Algelco-Sprecherin Catherine Thiebaut. Zunächst sei sie vom Ausbau der Kindertagesstätten in Deutschland angetrieben worden. Nun kämen von den Kommunen immer häufiger Aufträge für Flüchtlingsunterkünfte in Container-Bauweise.

Der Vorteil: Sie lassen sich in wenigen Wochen errichten und lindern so die ärgste Platznot schnell. Aber auch wenn sie oft in bunten Farben daherkommen, sind sie in gewachsenen Wohnvierteln ein Fremdkörper. In den Stahlblechhüllen herrsche trotz guter Wärmeisolierung auch nicht das behaglichste Raumklima, bemerkt Michael Heide, Geschäftsführer beim Zentralverband Deutsches Baugewerbe. Die Fußböden seien schlicht: meist Spanplatten, bedeckt mit Linoleum.

Georg Classen vom Flüchtlingsrat Berlin hält die Unterbringung von Flüchtlingen in Containern aus mehreren Gründen für hochproblematisch. „Die Containersiedlungen genügen zwar formalen Standards. Sie bieten aber im Koch- und Sanitärbereich keine Privatsphäre“, kritisiert er.

Die isolierten Bauten – meist in Randlage – signalisierten zudem: „Ihr gehört nicht zu uns.“ So sei es wohl kein Zufall, dass sich rechtsradikale Proteste dort kulminiert hätten, sagt Classen und verweist auf die vor kurzem eröffnete Containersiedlung in Berlin-Buch. Dort gab es Demonstrationen von Neonazis, Wachleute wurden angegriffen. Trotz dieser Einwände werden die Hersteller weiterhin volle Auftragsbücher haben. Gerade hat das Land Sachsen-Anhalt beschlossen, seine zentrale Aufnahmestelle in Halberstadt mit Wohncontainern um 500 Plätze zu erweitern.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Herr Thomas Melber

15.05.2015, 09:05 Uhr

Kann man das nicht auch für Studenten organisieren, oder muß man dazu "Flüchtling" sein?

Herr Peter Spiegel

15.05.2015, 09:15 Uhr

Genau auch Rentner, Arbeitslosen u.s.w. eröffnen sich Chancen auf eine eigene Wohnung,
gut gelegen im Park.

Herr Hans Mayer

15.05.2015, 09:23 Uhr

Also ich war in so einem Container,eigentlich gar nicht schlecht, wenn doch Bauarbeiter darin wohnen können, wieso hat man bei Flüchtlingen bedenken.
Mein Vater hat erzählt das sie während und nach dem Krieg mit 3 Familien (20 Personen) in einer Scheune überwintern haben. Und selbst ich als ehemaliger Wehrdienstleistender habe schlechtere Kasernengebäude gesehen, die hat man auch noch selbst geputzt und den Müll entsorgt, für uns war das keine Zumutung.
Wer ja angeblich Angst um sein Leben hat wird damit schon zurechtkommen, es dauert halt bis überall moderne Häuser für die Facharbeiter gebaut wurden, obwohl das Geld ja locker sitzt.

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