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26.09.2016

17:29 Uhr

Flüchtlingsdebatte

Merkel nimmt Reisebranche in die Pflicht

VonChristoph Schlautmann

Wie soll Deutschland den Zustrom von Flüchtlingen bewältigen? Kanzlerin Angela Merkel fordert nun die heimische Urlaubsindustrie auf, ihr dabei zu helfen. Doch die Branche fühlt sich von der Regierung gegängelt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf dem Branchentreff in Berlin: „Wir wollen uns nicht mit der gesamten Reisebranche anlegen.“ dpa

Tourismusgipfel

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf dem Branchentreff in Berlin: „Wir wollen uns nicht mit der gesamten Reisebranche anlegen.“

BerlinVor fast genau einem Jahr löste Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit ihrem „Wir schaffen das“ den größten Zustrom von Flüchtlingen in die Bundesrepublik aus. Jetzt soll ihr die heimische Urlaubsindustrie dabei helfen, die Folgen in den Griff zu bekommen.

„Wir beobachten, dass überproportional viele Neuankömmlinge einen Arbeitsplatz in der Touristikbranche finden“, sagte sie am heutigen Montag beim Bundesverband der Deutschen Touristikwirtschaft (BTW) in Berlin. Mit dem soeben gestarteten „Arbeitsmarktprogramm 2020“, das 100.000 Flüchtlingen während der laufenden Asylverfahren Jobmöglichkeiten bieten soll, werde die Bundesregierung diese Bemühungen nun unterstützen.

„Das Programm erlaubt Orientierungspraktika ohne Mindestlohn“, machte Merkel der Branche die Einstellung von Flüchtlingen schmackhaft. „In den meisten Arbeitsamtbezirken haben wir außerdem die Vorrangprüfung abgeschafft.“ Bislang mussten Arbeitgeber zuvor mühsam und bürokratisch nachweisen, dass es für die ausgeschriebene Stelle keinen geeigneten Bewerber aus der Europäischen Union gab.

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Obwohl das Arbeitsmarktprogramm erst seit dem 1. August in Kraft ist, sind schon jetzt gut 1.000 Flüchtlinge in deutschen Hotels beschäftigt, wie eine Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) ergab. Zudem wurden rund 500 Ausbildungsverträge abgeschlossen. Die Zahl könnte sich noch deutlich erhöhen. Denn die Bundesregierung garantiert seit Kurzem während der Ausbildung ein Aufenthaltsrecht – plus zwei weiterer Jahre, falls es anschließend zu einer festen Beschäftigung kommt.

„Wir müssen legale Wege finden, Menschen zu uns zu holen“, sagte Merkel. Gleichzeitig müsse es eine Möglichkeit geben, illegal mit Schleppern eingereiste Ausländer zurückzuschicken, verteidigte die Kanzlerin ihre Flüchtlingspakt mit der Türkei.

Auch bei der Ursache der Flüchtlingsproblematik will Merkel die Reisebranche in die Pflicht nehmen. „Sie sind Entwicklungshelfer“, erinnerte sie die Touristikveranstalter an deren Verantwortung. „Die Zunahme von Tourismus beinhaltet eine Vielzahl von Chancen“, sagte sie in Berlin.

Der Ausbau der Kapazitäten in den Reiseländern müsse jedoch nachhaltig geschehen – und Rücksicht nehmen auf soziale und ökologische Erfordernisse. „Im Tourismus sollten die Veranstalter auf lokale Produkte und lokale Dienstleistungen setzen“, ermunterte die Kanzlerin die nach Berlin angereisten Manager. Nur so komme die Reiselust der Deutschen auch den nationalen Wirtschaften der Entwicklungsländer zugute.

„15 Urlauber pro Jahr reichen schon aus, um in manchen Ländern einen zusätzlichen Arbeitsplatz zu schaffen“, rechnete Verbandpräsident Michael Frenzel vor. Im Gegenzug rief er die Bundesregierung aber dazu auf, die Branche „gesund und arbeitsfähig“ zu halten.

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