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23.10.2015

18:27 Uhr

Flüge mit Etihad

Bundesregierung gibt Air Berlin Aufschub

Bei den Verhandlungen über Luftverkehrsrechte mit den Emiraten gibt eine Übergangslösung. Air Berlin und Etihad dürfen bis Mitte Januar ihre umstrittenen Codeshare-Flüge anbieten. Danach könnte es für Air Berlin eng werden.

Etihad beantragte die einstweilige Verfügung, um die Gemeinschaftsflüge zu schützen. dpa

Air Berlin

Etihad beantragte die einstweilige Verfügung, um die Gemeinschaftsflüge zu schützen.

Abu Dhabi/BerlinIm Streit um Gemeinschaftsflüge von Air Berlin und Etihad können die Fluggesellschaften erst einmal durchatmen. Die Bundesregierung hat die umstrittenen gemeinsam vermarkteten Flüge bis Mitte Januar genehmigt. Die 31 strittigen Strecken „werden Etihad Airways letztmalig und befristet bis zum 15.01.2016 ermöglicht“, teilte eine Sprecher am Freitagabend mit. Zur Begründung hieß es, es sollten keine Nachteile für Passagiere entstehen, die bereits Tickets gekauft haben. Die Fluggesellschaften hätten nun Zeit, eine organisatorische Lösung zu finden. Die Verbindungen sind aus Sicht des Ministeriums nicht durch das Luftverkehrsabkommen Deutschlands mit den Vereinigten Arabischen Emiraten gedeckt.

Die Gemeinschaftsflüge, sogenannte Codeshare-Flüge, sind grundsätzlich in einem Vertrag zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten geregelt. Passagiere können die Strecken bei beiden Unternehmen unter einer eigenen Nummer (Code) buchen, aber nur eine Airline bedient die Strecke auch. Bei Air Berlin sind vor allem Strecken ab Berlin umstritten. Für die deutsche Hauptstadt hat Etihad keine Verkehrsrechte.

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Die Verhandlungen über die Luftverkehrsrechte mit den Emiraten drohen zu scheitern: Der Bundesverkehrsminister will strittige Flüge streichen. Doch das wäre das Aus für Air Berlin. Das Bundeskanzleramt ist alarmiert.

Branchenkenner hatten damit gerechnet, dass Etihad, sollte es zu keiner politischen Lösung kommen, die Gerichte anrufen würde. Zwar wäre noch bis Samstag Zeit für Verhandlungen. Ab Sonntag gilt dann der Flugplan, in dem die umstrittenen Codeshare-Flüge enthalten sind. Doch zuletzt hatten sich die Fronten zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und dem Bundesverkehrsministerium verhärtet. Zwar ist das Ministerium zu weiteren Gesprächen bereit. Aber dazu, so ist in Berlin zu hören, müssten die VAE mit eigenen Vorschlägen kommen. Das ist offensichtlich bis Freitag nicht geschehen.

Auf Seiten von Air Berlin und Etihad hat man sich rechtlich gewappnet. Deren Rechtsberater, so ist aus dem Umfeld der Unternehmen zu hören, sind der Auffassung, dass der deutsche Minister durchaus Ermessensspielraum besitzt. In der deutschen Vorschrift zur Genehmigung von Verkehrsrechten stehe, die völkerrechtlichen Abkommen sollten berücksichtigt werden. Es sei keine Muss-Vorschrift, wird argumentiert.

Air Berlin – schneller Aufstieg, jahrelange Turbulenzen

Die Anfänge

Vor 37 Jahren hob der erste Air-Berlin-Flieger ab. Alles begann mit alliierten Sonderrechten zur Landung im geteilten Berlin. Gegründet wurde Air Berlin als Chartergesellschaft durch den Ex-Pan-Am-Pilot Kim Lundgren. Der Erstflug ging am 28. April 1979 von Tegel nach Mallorca. Die Flotte umfasste zunächst zwei Maschinen. Nach der Wende wuchs Air Berlin zur Nummer Zwei am Himmel über Deutschland heran, doch inzwischen steckt die Fluglinie seit Jahren in der Krise.

1990er-Jahre

1991: Im April kauft der LTU-Manager Joachim Hunold die Mehrheit der Anteile. Es gibt kurz darauf 15 Flüge pro Tag. Air Berlin expandiert und stationiert zunehmend auch Flugzeuge auf Regionalflughäfen.

1998: Mit dem Mallorca Shuttle Einstieg ins Linienfluggeschäft.

2004-2007

2004: Einstieg bei der Fluggesellschaft Niki des früheren Rennfahrers Niki Lauda

2006: Börsengang und Kauf der Fluggesellschaft dba

2007: Kauf des Ferienfliegers LTU, damit auch Interkontinentalflüge

2008

2008: Air Berlin rutscht in die roten Zahlen, legt das erste Sparprogramm auf: Strecken fallen weg, Flugzeuge werden ausgemustert. Die Übernahme des Ferienfliegers Condor scheitert.

2010

Air Berlin kündigt für 2012 den Eintritt in das Luftfahrtbündnis Oneworld an.

2011

Hunold wirft das Handtuch, Hartmut Mehdorn übernimmt. Ein weiteres Sparprogramm soll das operative Ergebnis um 200 Millionen Euro verbessern. 18 der 170 Maschinen werden verkauft.

2012

Die arabische Staatsairline Etihad erhöht ihren Anteil von knapp 3 auf 29,2 Prozent und stützt die Airline mit einem 255-Millionen-Dollar-Kredit. Ein neues Sparprogramm beginnt. Der Verkauf des Vielfliegerprogramms an Großaktionär Etihad bringt nur vorübergehend wieder schwarze Zahlen.

2013

Wolfgang Prock-Schauer wird Vorstandschef und verschärft das von Mehdorn im Vorjahr aufgelegte neue Sparprogramm. Jeder zehnte Arbeitsplatz fällt weg, die Flotte schrumpft auf 142 Maschinen. 400 Millionen Euro sollen bis Ende 2014 eingespart werden.

2015

Im Februar löst Stefan Pichler den glücklosen Prock-Schauer ab. Air Berlin macht 447 Millionen Euro Verlust - so viel wie nie.

2016

Nach einem juristischen Tauziehen kann Air Berlin den größten Teil der wichtigen Gemeinschaftsflüge mit Etihad weiter anbieten. Die Zahlen bessern sich nicht. Gespräche mit Lufthansa über einen Verkauf von Geschäftsteilen beginnen. Mit einem tiefgreifenden Umbau und der Streichung von bis zu 1200 Arbeitsplätzen will Air Berlin seine Krise überwinden.

2017

Air Berlin bekommt einen neuen Chef. Der Lufthansa-Manager und früheren Germanwings-Chef Thomas Winkelmann wird Vorstandschef. Air Berlin führt ihren Flugbetrieb in zwei getrennten Geschäftsfeldern weiter: Langstreckenflüge und Städteverbindungen in Europa werden zusammengefasst, Urlaubsflüge unter der Marke Niki geführt. Lufthansa erklärt sich bereit, Air Berlin zu übernehmen, wenn der Großaktionär Etihad zuvor die Schulden übernähme.

15. August 2017

Air Berlin meldet Insolvenz an. Zuvor hatte Etihad seine finanzielle Unterstützung eingestellt. Ein 150-Millionen-Euro-Kredit des Bundes soll den Flugbetrieb zunächst sichern.

Insgesamt gibt es nach Angaben von Air Berlin 65 dieser Verbindungen mit Etihad - 31 davon sind nicht durch das Abkommen gedeckt. Für diese Flüge gab es eine Ausnahmegenehmigung, und zwar für den Winterflugplan 2014/2015 und für den Sommerflugplan.

Etihad beantragte die einstweilige Verfügung, „um die Codeshare-Flüge mit Air Berlin zu schützen“, wie die Fluggesellschaft mitteilte. Etihad könne nicht länger warten, bis die deutsche Regierung eine Entscheidung fällt, ob sie die Codeshare-Flüge bestätigt. Passagiere beider Airlines hätten bereits über 82.000 Reisen auf den Routen gebucht.

Für die Passagiere dürfte ein Verbot zunächst keine Auswirkungen haben. Air Berlin fliegt die Strecken sowieso, ob mit Codeshare oder ohne. Allerdings dürfte Etihad wohl ab sofort für die umstritten Flüge keine Tickets mehr verkaufen. Aber alle bislang verkauften Tickets dürften ihre Gültigkeit behalten.

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