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04.04.2015

15:24 Uhr

Flug 4U9525

Fortschritte bei Ermittlungen zu Germanwings-Absturz

Die Aufklärung der Germanwings-Katastrophe kommt Stück für Stück voran. Experten diskutieren über Konsequenzen aus dem Absturz. Am Wochenende beschäftigt unterdessen ein Zwischenfall in Stuttgart die Airline.

Ein Polizist vor dem Gedenkstein der Opfer des Germanwings-Absturzes: Die Katastrophe wird Stück für Stück aufgeklärt. AFP

Gedenkstein in Le Vernet

Ein Polizist vor dem Gedenkstein der Opfer des Germanwings-Absturzes: Die Katastrophe wird Stück für Stück aufgeklärt.

ParisIn den französischen Alpen gehen die Bergungsarbeiten nach dem Absturz der Germanwings-Maschine weiter. Einsatzkräfte suchten auch am Samstag an der schwer zugänglichen Stelle nach Flugzeugteilen und nach persönlichen Gegenständen der 150 Toten.

Mit Beginn des Osterwochenendes kamen wieder vermehrt Angehörige der Getöteten nach Seyne-les-Alpes in der Absturzregion, wie der französische Sender BFMTV berichtete. An der Gedenkstätte in Le Vernet nahe dem Absturzort waren Trauernde zu sehen. Angehörige wurden - wie immer seit dem Absturz am 24. März - von der Polizei abgeschirmt.

Ermittlungen verfestigen Stück für Stück den Verdacht gegen den Copiloten. In Paris ausgewertete Daten des zweiten Flugschreibers zeigen, dass der 27-Jährige die Maschine bei dem von ihm eingeleiteten Sinkflug sogar noch beschleunigte. Die französische Untersuchungsbehörde Bea kündigte weitere Analysen der Blackbox an.

Die wichtigsten Aussagen des Staatsanwalts zum Airbus-Absturz

Die Zeit nach dem Start in Barcelona

„In den ersten 20 Minuten sprechen die Piloten vollkommen normal miteinander, man könnte sagen heiter, höflich, wie normale Piloten während eines Flugs. Es passiert also nichts Ungewöhnliches. Dann hört man den Bordkommandanten die Instruktionen für die Landung in Düsseldorf vorbereiten. Die Antworten des Co-Piloten erscheinen lakonisch. (...) Die Antworten sind kurz, es gibt keinen wirklichen Austausch.“

Der Flugkapitän verlässt das Cockpit

„Dann hört man, wie der Bordkommandant den Co-Piloten bittet, das Kommando zu übernehmen. Man hört das Geräusch eines Sitzes, der nach hinten geschoben wird, und einer Tür, die sich schließt. Man kann legitimerweise davon ausgehen, dass er rausgeht, wahrscheinlich um seine natürlichen Bedürfnisse zu befriedigen.“

Der Co-Pilot leitet den Sinkflug ein

„In diesem Moment ist der Co-Pilot allein am Kommando. Während er allein ist, betätigt der Co-Pilot die Knöpfe des sogenannten Flight Monitoring Systems, um einen Sinkflug der Maschine einzuleiten. Die Aktion auf diesem Höhenregler kann nur gewollt gewesen sein.“

Der Flugkapitän gelangt nicht mehr ins Cockpit

„Man hört mehrere Rufe des Bordkommandanten, der Einlass in das Cockpit verlangt, über (...) eine Gegensprechanlage mit Video. Man kann also sagen, dass er sich gezeigt, identifiziert hat. Aber es gab keine Antwort des Co-Piloten. Er hat geklopft, um die Öffnung der Tür zu verlangen. Aber der Co-Pilot hat nicht geantwortet. (...) Er hat nicht ein einziges Wort gesagt, nachdem der Bordkommandant das Cockpit verlassen hatte.“

Die Kontaktversuche der Flugüberwachung

„Man hört anschließend die wiederholte Kontaktaufnahme des Kontrollturms von Marseille, aber keine Antwort des Co-Piloten. (...) Kein Notsignal, etwa Mayday-Mayday-Mayday, wurde von den Luftraumkontrolleuren empfangen. Und es gab keinerlei Antwort auf die zahlreichen Kontaktaufnahmen der Kontrolleure.“

Der Co-Pilot ist offenbar bei Bewusstsein

„Man hört zu diesem Zeitpunkt ein menschliches Atmen im Inneren des Cockpits, bis zum Aufprall. Das bedeutet, dass der Co-Pilot am Leben war. (...) Er hat anscheinend normal geatmet. Das ist nicht die Atmung von jemandem, der gerade einen Infarkt erleidet. (...) Man hat nicht das Gefühl, dass er Panik hatte.“

Die Sekunden vor dem Aufprall

„Die Alarmsignale gingen los, um der Besatzung die Nähe des Bodens anzuzeigen. Dann hört man heftige Schläge gegen die Tür wie um sie aufzubrechen. (...) Die Opfer haben es vermutlich erst im allerletzten Moment bemerkt. Schreie gibt es in den letzten Momenten vor dem Aufprall. (...) Der Tod trat sofort ein, denn diese Maschine, die mit 700 Stundenkilometern gegen den Berg prallte, ist im wahrsten Sinne des Wortes explodiert.“

Das Fazit der Ermittler

Die für uns plausibelste, die wahrscheinlichste Interpretation ist folgende: Der Co-Pilot hat sich absichtlich geweigert, dem Bordkommandanten die Tür zum Cockpit zu öffnen und hat den Knopf zum Absenken der Flughöhe gedrückt. Wir kennen heute nicht den Grund, aber das kann interpretiert werden als der Wille, dieses Flugzeug zu zerstören. (...) Es war eine willentliche Handlung“

Der Autopilot war laut Bea im Cockpit so eingestellt worden, dass die Maschine auf etwa 30 Meter hinuntergeht. Schon seit Auswertung der ersten Blackbox - des Sprachrekorders, den man noch am Unglückstag fand - wird der Copilot verdächtigt, den Piloten mit Absicht aus dem Cockpit ausgesperrt zu haben.

Die Düsseldorfer Ermittler hatten bereits am Donnerstag mitgeteilt, der Copilot habe sich kurz vor dem Todesflug mit seinem Computer über „Umsetzungsmöglichkeiten einer Selbsttötung“ sowie Sicherheitsvorkehrungen bei Cockpit-Türen informiert. Fachleute der Luftfahrtbranche wollen nach Ostern beraten, ob die Technik der Cockpit-Tür geändert werden soll.

Auch die Einführung einer Ausweispflicht an Flughäfen wird debattiert, weil die Passagierlisten derzeit nicht genau genug sind. Geprüft werden sollen auch medizinische und psychologische Checks, mit denen die Flugtauglichkeit von Piloten festgestellt wird.

Der Direktor der Leipziger Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Prof. Ulrich Hegerl, lehnte eine Ausweitung der psychiatrischen Untersuchungen für Piloten ab. „Einen Laborwert für Depression oder Suizidgefährdung gibt es leider bisher nicht“, sagte er dem Magazin „Der Spiegel“ (Samstag). Zwar gingen zahlreiche Suizide auf Depressionen zurück. „Völlig untypisch ist allerdings, dass ein depressiv Erkrankter eine große Zahl anderer Menschen mit in den Tod reißt.“

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