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31.08.2012

11:47 Uhr

Flugbegleiter-Ausstand

„Ich weiß noch nichts, aber wird schon klappen“

Bis zum Mittag streiken die Flugbegleiter der Lufthansa. Im Terminal am Frankfurter Flughafen werden die Warteschlangen länger und länger. Und auf dem Rollfeld werden mittlerweile die Parkpositionen knapp.

Streik bei der Lufthansa

Video: Streik bei der Lufthansa

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FrankfurtNoch ist die Stimmung bei den beiden Eheleuten gut. Es ist halb neun am Morgen. Voller Zuversicht wuchten sie ihre Koffer in die S-Bahn zum Flughafen Frankfurt. Es geht nach Rom übers Wochenende. „Noch in der Nacht wurden wir umgebucht. Jetzt fliegen wir zwar drei Stunden später, aber das ist noch okay. Die Umbuchung ging reibungslos, da kann man nichts sagen“, lobt der der Ehemann.

Gleich nebenan ist die Stimmung schon etwas gereizter. Ein junger Mann will nach Paris. „Ich weiß noch nichts, aber wird schon klappen“, sagt er nur und wendet sich ab, um den aktuellen Stand mit seinem Smartphone zu checken.

Vor allem Kurzstreckenflüge hat die Lufthansa gestrichen. Als der Mann wenige Minuten später das Terminalgebäude betritt, ist auch der Rest der guten Laune dahin. Eben hat er erfahren, dass sein Flug ausfällt.

Das Wichtigste zum Lufthansa Streik

Wie erfahre ich, ob mein Flug ausfällt?

Ob, und welche Flüge konkret betroffen sind, können Kunden auf der Lufthansa Website prüfen. Das Lufthansa Service Center steht bei Flugunregelmäßigkeiten kostenlos auch telefonisch zur Verfügung:

0800 / 8 50 60 70

Worum geht es eigentlich?

Offiziell streiken die Flugbegleiter lediglich für mehr Geld. Sie verlangen nach drei Jahren Nullrunde ein Einkommensplus von fünf Prozent sowie höhere Gewinnbeteiligungen. Im Hintergrund geht es um die Zukunft des Lufthansa-Konzerns. Das Management will eine Billigeinheit für Direktflüge mit zunächst rund 90 Flugzeugen und 2000 Beschäftigten gründen, für die deutlich niedrigere Tarife gelten sollen. Bei allen übrigen sollen Gehaltsstufen abgeflacht werden, neue Kräfte nicht mehr so schnell aufsteigen können. Weil Ufo dabei nicht mitmachen wollte, hat Lufthansa zudem Leiharbeiter eingesetzt.

Die UFO-Taktik

Die Gewerkschaft UFO will eine Nadelstichtaktik führen. Um der Lufthansa möglichst wenig Zeit zur Vorbereitung zu lassen, veröffentlicht sie die bestreikten Flughäfen erst wenige Stunden vor Beginn der Arbeitsniederlegung. Als nächste Stufe des Arbeitskampfes wird ein flächendeckender Streik vorbereitet, sagt Ufo-Chef Nicoley Baublies. Damit erhofft sich die Gewerkschaft ein Einlenken der Lufthansa auf ihre Forderungen.

Wie reagiert die Lufthansa?

Man habe mehrere Szenarien in der Schublade und werde möglichst viele Flüge stattfinden lassen, sagt Sprecher Thomas Jachnow. Vorrang haben die Interkontinentalverbindungen, während innerdeutsche Flüge am einfachsten auf die Bahn verlagert werden können. Auch Umbuchungen auf andere Airlines sind möglich

Wie hoch ist die Kampfbereitschaft der Stewards und Stewardessen?

Das ist die spannende Frage in diesem Tarifkonflikt. Im Gegensatz zu den weit besser verdienenden Piloten oder den Fluglotsen bei der Deutschen Flugsicherung haben die Flugbegleiter bislang noch nie einen richtigen Arbeitskampf durchstehen müssen. Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer hat sich vor wenigen Tagen noch sicher gezeigt, dass es zu großen, flächendeckenden Streiks nicht kommen werde. Sicher ist aber, dass es in der einstmals geschlossenen und stolzen Lufthansa-Belegschaft wegen der umfassenden Sparpläne gärt.

Wie lange hält die Gewerkschaft einen Arbeitskampf durch?

An mangelnden Mitteln aus der Streikkasse werde der Arbeitskampf nicht scheitern, sagt Baublies. Die langsame Eskalation schont zumindest am Anfang auch das Ufo-Vermögen. Eine Strategie könnte es sein, nur wenige Streikende pro Flug zu organisieren, weil die Flieger mit Mindestbesatzungen starten müssen. Vor allem bei den eng besetzten Europaflügen ist eigentlich kein Puffer drin, so dass bereits der Ausfall eines Flugbegleiters den Start verhindern kann. Das sehen gesetzliche Vorschriften vor.

Kann die Lufthansa nicht einfach Ersatzleute anheuern?

Das wird schwierig, wenngleich der zuständige Personalchef Peter Gerber sich das durchaus vorbehalten hat. Doch der Arbeitsmarkt ist nicht gerade üppig besetzt. Die Grundausbildung ist zwar mit zwölf Wochen relativ kurz, aber es kann nicht jeder Flugbegleiter auf jedem Jet eingesetzt werden. Aus Sicherheitsgründen sind die Leute jeweils nur auf bestimmte Flugzeugtypen zugelassen. Zudem sind Leiharbeiter nicht verpflichtet, sich als Streikbrecher zu betätigen.

Wann erfahre ich, ob mein Flug ausfällt?

Sechs Stunden vor Beginn der Streikmaßnahmen will die UFO bekannt geben, an welchen Flughäfen sie streikt. Gewerkschaftschef Nicoley Baublies verspricht, bereits am Vorabend zu warnen, wenn ein Streik früh am nächsten Morgen beginnt.

Nun heißt es Schlangestehen. Die wendet sich aber Meter um Meter durch die riesige Halle. Wo das Ende ist, wo sie hinführt – keiner weiß es so genau. Es ist nicht wirklich Chaos, es ist nur einfach frustrierend voll. Und es geht nur langsam voran. „Ich stehe hier schon über eine Stunde“, erzählt ein Mann einem Kamerateam von der Agentur Reuters.

Das Lufthansa-Personal bemüht sich nach Kräften. Überall laufen sie herum, helfen bei Fragen, an den überlasteten Check-in-Automaten. Doch morgens ist Hauptreisezeit am Frankfurter Flughafen, die Schlangen werden immer länger statt kürzer. Auch am benachbarten ICE-Bahnhof. Viele Passagiere wollen umsteigen auf die Bahn. Doch auch hier heißt es erst einmal warten.

Die Bahn setzt wegen des Streiks am Freitagvormittag mehr Züge als sonst ein. Die Bahn habe mit der Lufthansa ein entsprechendes Kooperationsangebot „Good for Train“ abgeschlossen, teilte die Deutsche Bahn in Berlin mit. Auf den Bahnhöfen soll zusätzliches Personal Fahrgäste informieren. Passagiere des innerdeutschen Flugverkehrs könnten ihr elektronisches Ticket in einen Reisegutschein für die Deutsche Bahn umwandeln lassen.

Die Flugbegleiter der Lufthansa

Wer kann Flugbegleiter werden?

Voraussetzungen für den Berufseinstieg sind unter anderem eine abgeschlossene Schulausbildung, fließend Deutsch und Englisch, eine Mindestgröße von 1,60 Meter und ein „angemessenes Körpergewicht“, wie die Lufthansa in ihren Bewerbungsunterlagen schreibt. (Quelle: dpa)

Einstiegsgehalt

Bei der Lufthansa betreuen rund 19 000 Flugbegleiter die Passagiere. Das Einstiegsgehalt beträgt nach einer zwölfwöchigen Ausbildung 1533,23 Euro zuzüglich einer 16-prozentigen Schichtzulage, schreibt die dpa.

Grundgehälter

Auf bis zu 4000 Euro steigen die Grundgehälter im Laufe eines Berufslebens nach einer vielstufigen Tariftabelle.

Spitzenverdienst

Purser, die für das leibliche Wohl der Passagiere zuständig sind und zusätzlich Sicherheitsverantwortung während des Flugs übernehmen, verdienen in der Endstufe bis zu 7000 Euro.

Leiharbeiter

Für verschiedene Lufthansa-Tochtergesellschaften wie Swiss, Austrian Airlines oder Germanwings gelten andere Tarifbedingungen. Einige Flugbegleiter im Berlin-Verkehr sind auch bei der Leiharbeitsfirma Aviation Power angestellt.

Der Streik der Lufthansa-Flugbegleiter zeigt Wirkung. Mittlerweile können in Frankfurt kaum mehr Flugzeuge landen. Grund sei, dass die Parkpositionen knapp würden, sagte ein Sprecher von Deutschlands größtem Flughafen. Der Airport habe deshalb die Anweisung erteilt, dass europaweit keine Flüge mehr nach Frankfurt starten sollten.

Ein Großteil der 360 geplanten Flüge im Streikzeitraum von 5 bis 13 Uhr werde ausfallen, sagte eine Lufthansa-Sprecherin am Freitag. Betroffen seien Flüge von und nach Frankfurt, der Heimatbasis von Deutschlands größter Fluggesellschaft. Auch die wirtschaftlich besonders lukrativen Langstrecken-Destinationen fielen vereinzelt aus, vor allem aber Kurz- und Mittelstrecken.

Kommentare (6)

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AirBerliner

31.08.2012, 11:28 Uhr

Die Lufthansa-Leute streiken schon auf sehr hohem Niveau.

Wenn ich eine Geschäftsreise mache, und die Edel-Stewardess, die mir mein Wassergläschen bringt, mehr verdient als ich, stimmt mich das irgendwie unzufrieden.

Wenn ich's vermeiden kann, fliege ich deswegen nie Lufthansa.

hindukuschistweitweg

31.08.2012, 11:39 Uhr

... dann würde ich mir an Ihrer Stelle einen besser bezhaltne Job suchen, aber dann könnte ja sein, dass Sie auch das höhere Gehalt des LH-Piloten irgendwann trübsinnig macht. RyanAir freut sich sicher über Sie.

Milchmaedchenrechnung

31.08.2012, 12:09 Uhr

Vielleicht schneiden sie sich damit ins eigene Fleisch. LH ist vergleichsweise unrentabel und teure Lohnabschlüsse holen sich die Eigner wieder über Kosteneinsparungen in Form von Headcounts rein. Dann verdienen eben weniger Leute mehr Geld und andere "fliegen".

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