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13.11.2015

15:29 Uhr

Flugbegleiter gegen Lufthansa

Die bittere Bilanz des UFO-Streiks

Der Rekordstreik der Lufthansa-Flugbegleiter geht zu Ende. Der Arbeitskampf hat eine Menge Porzellan zerschlagen, von einer Annäherung ist nichts zu spüren – im Gegenteil. Und es könnte noch schlimmer kommen.

Eine Lösung des Tarifkonflikts zwischen Lufthansa und UFO ist immer noch in weiter Ferne. dpa

Protest der Flugbegleiter am Freitag

Eine Lösung des Tarifkonflikts zwischen Lufthansa und UFO ist immer noch in weiter Ferne.

FrankfurtPfiffe und Buhrufe gellen Lufthansa-Personalverstand Bettina Volkens entgegen. Rund 1000 Demonstranten machen ihrem Unmut über den Kurs des Unternehmens auf einer Kundgebung am Freitag am Frankfurter Flughafen Luft - viele sind Flugbegleiter, die eine Woche lang gestreikt haben. Aber auch Piloten sind dabei. Der bislang längste und härteste Ausstand in der Geschichte der Lufthansa hat Wunden hinterlassen. Das Unternehmen muss nach 13 Pilotenstreiks weitere streikbedingte Millionenverluste verkraften und eventuell schon bald mit weiteren Aktionen rechnen. Eine Lösung des Tarifkonflikts scheint weiter entfernt denn je.

Enttäuschte Fluggäste

Noch nie hat die Lufthansa so viele Passagiere enttäuschen müssen. Mehr als eine halbe Million Gäste konnten nicht die von ihnen gebuchten Verbindungen nutzen, sondern wurden im besten Fall noch auf eine andere Gesellschaft umgebucht. Einige Unglückliche strandeten im Transitbereich des Frankfurter Flughafens und mussten auf Feldbetten übernachten, während sie auf ihren Weiterflug warteten. Zur persönlichen Enttäuschung Hunderttausender kommt noch der kaum kalkulierbare Imageverlust. Zuverlässigkeit und Sicherheit gehören zum Markenkern der Lufthansa.

Hoher Schaden

Lufthansa-Piloten und -Flugbegleiter: Himmlische Rente

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Lufthansa-Angestellte streiken wegen drohender Altersarmut. Dabei ist ihre Altersversorgung um ein Vielfaches so hoch wie die gesetzliche Rente. Was Piloten und Flugbegleiter im Ruhestand verdienen.

Die Lufthansa hat ihren finanziellen Schaden zwar noch nicht beziffert, in ersten Schätzungen gegenüber der „Bild-Zeitung“ sprach Personalchefin Volkens zwei Tage vor Streikende aber von einem „deutlich zweistelligen Millionenbetrag“. Es kann noch deutlich mehr werden, denn Analysten rechnen über den Daumen mit 20 Millionen Euro Schaden pro Streiktag. Macht bei sieben Tagen an die 150 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die 13 Streikrunden der Piloten mit einem dreitägigen Auftakt im April 2014 belasteten den operativen Gewinn des Konzerns nach Lufthansa-Angaben mit 350 Millionen Euro.

Für die Flugbegleitergewerkschaft UFO halten sich die finanziellen Folgen des Arbeitskampfes trotz einer hohen Beteiligungsquote in Grenzen, sagt ihr Chef Baublies. Erfahrungsgemäß beantrage nur ein kleiner Teil der Streikenden hinterher tatsächlich Streikgeld, das laut Satzung eigentlich erst ab dem dritten Tag gezahlt werden müsse. Dass UFO bereits ab dem ersten Tag die Streikenden und besonders auch Härtefälle unterstütze, belege die gute finanzielle Ausstattung der Gewerkschaft.

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Auch für kommende Arbeitskämpfe sei man gut gerüstet. Die Flugbegleiter hätten wie erhofft zusammengestanden, so dass 93 Prozent der bestreikbaren Flüge ausgefallen seien. Allerdings meldeten sich auch viele krank. Laut Lufthansa waren am ersten Streiktag allein in Frankfurt rekordverdächtige 1420 Flugbegleiter krank gemeldet, nur 108 hätten sich offiziell zum Streik bekannt.

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