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03.09.2012

03:44 Uhr

Flugbegleiter

Neuer Lufthansa-Streik am Dienstag

Im Tarifstreik mit der Lufthansa holen die Flugbegleiter zum zweiten Schlag aus: Wo geht der Streik weiter? Wo müssen Passagiere bangen? Heute sollen die für Dienstag angekündigten Streiks vorbereitet werden.

Tarifkonflikt

Verschärfung des Arbeitskampfes angekündigt

Tarifkonflikt: Verschärfung des Arbeitskampfes angekündigt

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Frankfurt/BerlinVor dem erneuten Streik der Flugbegleiter im Tarifkonflikt mit der Lufthansa berät die Gewerkschaft am heutigen Montag ihr weiteres Vorgehen. „Wir werden dies genau besprechen“, sagte ein Sprecher der Kabinengewerkschaft Ufo der Nachrichtenagentur dpa. Ufo hatte am Sonntagabend angekündigt, dass die Streiks an diesem Dienstag fortgesetzt und eine Ausweitung „im Bezug auf Orte und Zeiten“ beinhalten werden. Näheres werde sechs Stunden vor Streikbeginn bekannt gegeben. Die Lufthansa erklärte, man werde sich - so gut es gehe - auf den geplanten Ausstand vorbereiten. Allerdings sei eine Vorlaufzeit von sechs Stunden, was den genauen Ort angehe, sehr knapp, betonte ein Sprecher.

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Lufthansa

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„Eigentlich ist es Usus, dass man das 24 Stunden vorher bekannt gibt, damit wir die Gäste rechtzeitig informieren können.“ Die Airline werde den Passagieren detaillierte Informationen über ihre Flüge bereitstellen, sobald Genaueres bekannt sei. Laut „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ gelten Düsseldorf, München und Berlin in Gewerkschafterkreisen als favorisierte Streikstandorte für Dienstag. Zunächst bestätigte die Gewerkschaft dies nicht. Klar sei aber: „Wir sind in der Lage, innerhalb kürzester Zeit sogar in ganz Deutschland loszulegen“, sagte der Ufo-Sprecher.

Am vergangenen Freitag hatte Ufo die Lufthansa zum ersten Mal für acht Stunden bestreikt - am Frankfurter Flughafen, dem größten Drehkreuz in Deutschland. Europaweit waren Hunderte Flüge ausgefallen, Tausende Passagiere strandeten. Für die Lufthansa entstand nach eigener Darstellung ein Schaden in Millionenhöhe. Erst am Samstag hatte sich die Lage allmählich entspannt.

Das Wichtigste zum Lufthansa Streik

Wie erfahre ich, ob mein Flug ausfällt?

Ob, und welche Flüge konkret betroffen sind, können Kunden auf der Lufthansa Website prüfen. Das Lufthansa Service Center steht bei Flugunregelmäßigkeiten kostenlos auch telefonisch zur Verfügung:

0800 / 8 50 60 70

Worum geht es eigentlich?

Offiziell streiken die Flugbegleiter lediglich für mehr Geld. Sie verlangen nach drei Jahren Nullrunde ein Einkommensplus von fünf Prozent sowie höhere Gewinnbeteiligungen. Im Hintergrund geht es um die Zukunft des Lufthansa-Konzerns. Das Management will eine Billigeinheit für Direktflüge mit zunächst rund 90 Flugzeugen und 2000 Beschäftigten gründen, für die deutlich niedrigere Tarife gelten sollen. Bei allen übrigen sollen Gehaltsstufen abgeflacht werden, neue Kräfte nicht mehr so schnell aufsteigen können. Weil Ufo dabei nicht mitmachen wollte, hat Lufthansa zudem Leiharbeiter eingesetzt.

Die UFO-Taktik

Die Gewerkschaft UFO will eine Nadelstichtaktik führen. Um der Lufthansa möglichst wenig Zeit zur Vorbereitung zu lassen, veröffentlicht sie die bestreikten Flughäfen erst wenige Stunden vor Beginn der Arbeitsniederlegung. Als nächste Stufe des Arbeitskampfes wird ein flächendeckender Streik vorbereitet, sagt Ufo-Chef Nicoley Baublies. Damit erhofft sich die Gewerkschaft ein Einlenken der Lufthansa auf ihre Forderungen.

Wie reagiert die Lufthansa?

Man habe mehrere Szenarien in der Schublade und werde möglichst viele Flüge stattfinden lassen, sagt Sprecher Thomas Jachnow. Vorrang haben die Interkontinentalverbindungen, während innerdeutsche Flüge am einfachsten auf die Bahn verlagert werden können. Auch Umbuchungen auf andere Airlines sind möglich

Wie hoch ist die Kampfbereitschaft der Stewards und Stewardessen?

Das ist die spannende Frage in diesem Tarifkonflikt. Im Gegensatz zu den weit besser verdienenden Piloten oder den Fluglotsen bei der Deutschen Flugsicherung haben die Flugbegleiter bislang noch nie einen richtigen Arbeitskampf durchstehen müssen. Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer hat sich vor wenigen Tagen noch sicher gezeigt, dass es zu großen, flächendeckenden Streiks nicht kommen werde. Sicher ist aber, dass es in der einstmals geschlossenen und stolzen Lufthansa-Belegschaft wegen der umfassenden Sparpläne gärt.

Wie lange hält die Gewerkschaft einen Arbeitskampf durch?

An mangelnden Mitteln aus der Streikkasse werde der Arbeitskampf nicht scheitern, sagt Baublies. Die langsame Eskalation schont zumindest am Anfang auch das Ufo-Vermögen. Eine Strategie könnte es sein, nur wenige Streikende pro Flug zu organisieren, weil die Flieger mit Mindestbesatzungen starten müssen. Vor allem bei den eng besetzten Europaflügen ist eigentlich kein Puffer drin, so dass bereits der Ausfall eines Flugbegleiters den Start verhindern kann. Das sehen gesetzliche Vorschriften vor.

Kann die Lufthansa nicht einfach Ersatzleute anheuern?

Das wird schwierig, wenngleich der zuständige Personalchef Peter Gerber sich das durchaus vorbehalten hat. Doch der Arbeitsmarkt ist nicht gerade üppig besetzt. Die Grundausbildung ist zwar mit zwölf Wochen relativ kurz, aber es kann nicht jeder Flugbegleiter auf jedem Jet eingesetzt werden. Aus Sicherheitsgründen sind die Leute jeweils nur auf bestimmte Flugzeugtypen zugelassen. Zudem sind Leiharbeiter nicht verpflichtet, sich als Streikbrecher zu betätigen.

Wann erfahre ich, ob mein Flug ausfällt?

Sechs Stunden vor Beginn der Streikmaßnahmen will die UFO bekannt geben, an welchen Flughäfen sie streikt. Gewerkschaftschef Nicoley Baublies verspricht, bereits am Vorabend zu warnen, wenn ein Streik früh am nächsten Morgen beginnt.

Der Ufo-Sprecher machte deutlich: „Wir werden so lange kämpfen, bis die Lufthansa zu fairen, akzeptablen Verhandlungen zurückkehrt.“ Dagegen sieht der Branchenriese bislang keine Veranlassung, das Angebot nachzubessern. Die Airline bedauerte es, dass der Tarifkonflikt mit der weiteren Streikandrohung verschärft werde.

Die Gewerkschaft Ufo hat in den seit 13 Monaten andauernden Verhandlungen nach drei Jahren Nullrunden neben fünf Prozent höheren Entgelten unter anderem das Ende der Leiharbeit und Schutz gegen die Auslagerung von Jobs verlangt. Lufthansa plant hingegen mittelfristige Einsparungen bei den Personalkosten und will dafür unter anderem die Beförderungsstufen strecken. Das Unternehmen bietet bisher 3,5 Prozent mehr Gehalt und den Verzicht auf Leiharbeit und betriebsbedingte Kündigungen.

Die Flugbegleiter der Lufthansa

Wer kann Flugbegleiter werden?

Voraussetzungen für den Berufseinstieg sind unter anderem eine abgeschlossene Schulausbildung, fließend Deutsch und Englisch, eine Mindestgröße von 1,60 Meter und ein „angemessenes Körpergewicht“, wie die Lufthansa in ihren Bewerbungsunterlagen schreibt. (Quelle: dpa)

Einstiegsgehalt

Bei der Lufthansa betreuen rund 19 000 Flugbegleiter die Passagiere. Das Einstiegsgehalt beträgt nach einer zwölfwöchigen Ausbildung 1533,23 Euro zuzüglich einer 16-prozentigen Schichtzulage, schreibt die dpa.

Grundgehälter

Auf bis zu 4000 Euro steigen die Grundgehälter im Laufe eines Berufslebens nach einer vielstufigen Tariftabelle.

Spitzenverdienst

Purser, die für das leibliche Wohl der Passagiere zuständig sind und zusätzlich Sicherheitsverantwortung während des Flugs übernehmen, verdienen in der Endstufe bis zu 7000 Euro.

Leiharbeiter

Für verschiedene Lufthansa-Tochtergesellschaften wie Swiss, Austrian Airlines oder Germanwings gelten andere Tarifbedingungen. Einige Flugbegleiter im Berlin-Verkehr sind auch bei der Leiharbeitsfirma Aviation Power angestellt.

Schon beim ersten Streik hatte ein Ufo-Sprecher von einem „Riesenerfolg“ gesprochen und „sehr bald weitere Streikmaßnahmen“ angekündigt. Parallel zu der Auseinandersetzung mit Ufo laufen auch Tarifverhandlungen der Lufthansa mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC). Falls auch diese scheitern, so fürchten Beobachter, könnten sich die Piloten mit den Flugbegleitern verbünden und gemeinsam in den Ausstand treten.

Expertengespräch

"Streik kostet Lufthansa eine Million Euro pro Tag"

Expertengespräch: "Streik kostet Lufthansa eine Million Euro pro Tag"

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Von

dpa

Kommentare (21)

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Fluggast

02.09.2012, 21:01 Uhr

Diese UFO-Bande von Besserverdienern von Jobprivilegierten wird es schaffen, ihre Luxus-Problemchen wieder auf die Fluggäste und ihren Arbeitgeber zu verlagern. Dort wird es zum richtigen Problem, letztlich aber auch auf die Aktivisten selbst zurückfallen.

In der Konsequenz, und um nicht das Schicksal der Alitalia zu teilen, die in den 90ern in Grund und Boden gestreikt wurde, werden die Leiarbeitstrategen und Kostensenker im Management eher bestärkt werden.

deerhunter

02.09.2012, 21:18 Uhr

Liebe Ufo - Ihr habt nichts verstanden - Ihr habt einen Gewerkschaftsbeamten an der Spitze, der sich damit brüstet, die LH kaputtstreiken zu wollen und froh darüber ist, den Schaden zu maximieren. Ichf liege Mittwoch nach Indien mit der LH - zum letzen Mal. Es gibt auch andere Airlines. Ich hänge von zuverlässien Verbindungen ab, damit ich arbeiten kann - und mir sind Eure Fehden herzlich egal. Dann eben wieder mit Emirates et al. So werden dann eben die Überkapazitäten am Boden des Luftverkehrs bleiben - diesem Gewerkschaftsbeamten sei Dank!

Account gelöscht!

02.09.2012, 22:18 Uhr

Erstaunlich was hoch bezahlte Hilfsarbeiter doch für eine Macht haben.

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