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04.11.2014

14:37 Uhr

Flugbegleiter reagieren auf Tarifeinheits-Pläne

Neuer Gewerkschaftsriese über den Wolken?

Der Flugbegleiter-Gewerkschaft reagiert auf die Pläne der Regierung zur Tarifeinheit: Ufo will sich mit anderen Klein-Gewerkschaften zusammenschließen. Damit attackiert sie Verdi – und bringt die Lufthansa ins Schwitzen.

Lufthansa-Angestellter bei einem Ufo-Streik 2012: Mit einer neuen Großgewerkschaft gegen Verdi? dapd

Lufthansa-Angestellter bei einem Ufo-Streik 2012: Mit einer neuen Großgewerkschaft gegen Verdi?

FrankfurtIm streikgeplagten deutschen Luftverkehr könnte es nach Vorstellungen der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo demnächst eine neue gewerkschaftliche Kraft geben: Ufo will einen neuen Gewerkschaftsriesen für die Luftfahrtbranche aus dem Boden stampfen. Ufo sei mit dem Vorschlag zur Gründung einer Industriegewerkschaft Luftfahrt (IGL) an die anderen Verbände und Gewerkschaften der Branche herangetreten, teilte die Arbeitnehmervertretung am Dienstag mit. Gespräche mit der Pilotenvereinigung Cockpit und der Fluglotsen-Gewerkschaft haben bereits begonnen.

Der Schritt ist klar gegen die DGB-Gewerkschaft Verdi gerichtet, die sich bislang noch als stärkste Gewerkschaft im Lufthansa-Konzern sieht und dort im Aufsichtsrat die stellvertretende Vorsitzende stellt. Verdi vertritt vor allem viele Lufthansa-Techniker.

Kleine Gewerkschaften mit großer Macht

Vereinigung Cockpit (VC)

Der „Verband der Verkehrsflugzeugführer und Flugingenieure in Deutschland“ setzt sich für die Interessen von rund 9300 Cockpit-Besatzungsmitgliedern aus allen deutschen Airlines und von Verkehrshubschrauberführern ein.


Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF)

Zu den etwa 3900 Mitgliedern gehören Lotsen in den Towern, bei der militärischen Flugsicherung und bei den Vorfeldkontrollen.

Unabhängige Flugbegleiter Organisation (Ufo)

Nach eigenen Angaben ist sie die einzige deutsche Gewerkschaft, die sich ausschließlich für das fliegende Kabinenpersonal einsetzt. Die Ufo hat gut 10 000 Mitglieder.

Arbeitnehmergewerkschaft im Luftverkehr (AGiL)

Die erst Ende 2012 gegründete Gruppierung gilt als neuer Machtfaktor im Lufthansa-Konzern. Nach eigenen Angaben vertritt sie alle Beschäftigten von Fluggesellschaften, Airportbetreibergesellschaften und Dienstleistungsunternehmen mit Bezug zur Luftfahrtbranche.

Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL)

Sie hat rund 34.000 Mitglieder und ist Tarifpartner der Deutschen Bahn und mehrerer Privatbahnen. Nach eigenen Angaben organisiert sie mehr als 80 Prozent der Lokomotivführer und zahlreiche Zugbegleiter.

Marburger Bund (MB)

Die nach eigenen Angaben einzige tariffähige Ärztegewerkschaft in Deutschland kämpft unter anderem für bessere Arbeitsbedingungen ihrer rund 115 000 Mitglieder in Kliniken.

„Die Idee ist, dass die Fachbereiche der neuen Gewerkschaft aus den bisherigen Berufsgewerkschaften bestehen“, sagte Ufo-Chef Nicoley Baublies. Tarifverhandlungen für die einzelnen Berufe sollen weiter von Vertretern der jeweiligen Berufsstände ausgehandelt werden. Daneben solle auch mit Verbänden wie der Techniker-Gewerkschaft oder der Bodenpersonal-Vertretung Agil gesprochen werden – beide sind derzeit nicht schlagkräftig genug, um eigene Tarifverträge auszuhandeln.

Arbeitgeber wie die Lufthansa hätten durch die IGL den Vorteil, bei Tarifverhandlungen nur noch einen Ansprechpartner zu haben, sagte Baublies. Falls die Lufthansa sich auf branchenweite Tarifverträge einlasse, könnte die neue Gewerkschaft bereit sein, über andere Punkte zu reden wie etwa die Angleichung der Laufzeiten der Tarifverträge in einem Unternehmen.

Auslöser des Vorstoßes ist unter anderem das geplante Tarifeinheits-Gesetz der Regierung zur Einschränkung der Macht von Berufsgewerkschaften. Grundprinzip: Wenn sich zwei Gewerkschaften in einem Betrieb um die Zuständigkeit für dieselbe Beschäftigtengruppe streiten, soll laut Gesetzesentwurf am Ende der Tarifvertrag der Gewerkschaft mit den meisten Mitgliedern in dem Betrieb gelten.

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