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05.09.2012

07:57 Uhr

Flugbegleiter-Streik

Auch heute fallen Lufthansa-Flüge aus

Die Flugbegleiter der Lufthansa streiken am Freitag in ganz Deutschland von 0 bis 24 Uhr. Das teilte ihre Gewerkschaft Ufo mit. Die Airline muss sich auf einen der größten Arbeitskämpfe ihrer Geschichte vorbereiten.

Ufo kündigt umfassenden Streik an

Video: Ufo kündigt umfassenden Streik an

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MünchenLufthansa-Passagiere müssen nach den Streiks der Flugbegleiter auch am Mittwoch noch mit Flugausfällen rechnen. Heute dürften rund 20 innerdeutsche und europäische Flüge ausfallen, sagte Unternehmenssprecher Michael Lamberty am Morgen. Am Donnerstag seien streikbedingte Flugausfälle "nahezu auszuschließen". Wegen des Ausstands mussten nach Angaben des Sprechers 75 Reisende die Nacht auf Mittwoch auf dem Frankfurter Flughafen verbringen. Da sie in Frankfurt lediglich umsteigen wollten, besaßen sie kein Visum für die Einreise nach Deutschland. Rund 1500 Fluggäste verbrachten die Nacht in Hotels.

Die Flugbegleiter hatten am Dienstag in Berlin und Frankfurt für je acht Stunden ihre Arbeit niedergelegt, in München streikten sie elf Stunden lang bis Mitternacht. Hunderte Flüge wurden gestrichen, mehr als 40.000 Passagiere waren betroffen. Da sich dennoch in dem Tarifkonflikt keine Bewegung abzeichnet, rief die Gewerkschaft UFO für Freitag zum ersten Mal zu Streiks an allen Lufthansa-Flughäfen in Deutschland von 00.00 bis 24.00 Uhr auf. Die Fluggesellschaft muss sich damit auf einen der größten Arbeitskämpfe in ihrer Geschichte gefasst machen.
Gestern hatten die Flugbegleiter der Lufthansa den Tarifstreit deutlich verschärft: Für Freitag kündigte die Gewerkschaft Ufo bundesweite Streiks des Kabinenpersonals für 24 Stunden an. Betroffen seien davon die Flughäfen Frankfurt am Main, Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Stuttgart und München, sagte der Chef der Gewerkschaft UFO , Nicoley Baublies. Grund für die Ausweitung des Arbeitskampfs sei die starre Haltung der Lufthansa. Die Fluggesellschaft habe bislang kein neues Angebot vorgelegt, sagte er.

Das Wichtigste zum Lufthansa Streik

Wie erfahre ich, ob mein Flug ausfällt?

Ob, und welche Flüge konkret betroffen sind, können Kunden auf der Lufthansa Website prüfen. Das Lufthansa Service Center steht bei Flugunregelmäßigkeiten kostenlos auch telefonisch zur Verfügung:

0800 / 8 50 60 70

Worum geht es eigentlich?

Offiziell streiken die Flugbegleiter lediglich für mehr Geld. Sie verlangen nach drei Jahren Nullrunde ein Einkommensplus von fünf Prozent sowie höhere Gewinnbeteiligungen. Im Hintergrund geht es um die Zukunft des Lufthansa-Konzerns. Das Management will eine Billigeinheit für Direktflüge mit zunächst rund 90 Flugzeugen und 2000 Beschäftigten gründen, für die deutlich niedrigere Tarife gelten sollen. Bei allen übrigen sollen Gehaltsstufen abgeflacht werden, neue Kräfte nicht mehr so schnell aufsteigen können. Weil Ufo dabei nicht mitmachen wollte, hat Lufthansa zudem Leiharbeiter eingesetzt.

Die UFO-Taktik

Die Gewerkschaft UFO will eine Nadelstichtaktik führen. Um der Lufthansa möglichst wenig Zeit zur Vorbereitung zu lassen, veröffentlicht sie die bestreikten Flughäfen erst wenige Stunden vor Beginn der Arbeitsniederlegung. Als nächste Stufe des Arbeitskampfes wird ein flächendeckender Streik vorbereitet, sagt Ufo-Chef Nicoley Baublies. Damit erhofft sich die Gewerkschaft ein Einlenken der Lufthansa auf ihre Forderungen.

Wie reagiert die Lufthansa?

Man habe mehrere Szenarien in der Schublade und werde möglichst viele Flüge stattfinden lassen, sagt Sprecher Thomas Jachnow. Vorrang haben die Interkontinentalverbindungen, während innerdeutsche Flüge am einfachsten auf die Bahn verlagert werden können. Auch Umbuchungen auf andere Airlines sind möglich

Wie hoch ist die Kampfbereitschaft der Stewards und Stewardessen?

Das ist die spannende Frage in diesem Tarifkonflikt. Im Gegensatz zu den weit besser verdienenden Piloten oder den Fluglotsen bei der Deutschen Flugsicherung haben die Flugbegleiter bislang noch nie einen richtigen Arbeitskampf durchstehen müssen. Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer hat sich vor wenigen Tagen noch sicher gezeigt, dass es zu großen, flächendeckenden Streiks nicht kommen werde. Sicher ist aber, dass es in der einstmals geschlossenen und stolzen Lufthansa-Belegschaft wegen der umfassenden Sparpläne gärt.

Wie lange hält die Gewerkschaft einen Arbeitskampf durch?

An mangelnden Mitteln aus der Streikkasse werde der Arbeitskampf nicht scheitern, sagt Baublies. Die langsame Eskalation schont zumindest am Anfang auch das Ufo-Vermögen. Eine Strategie könnte es sein, nur wenige Streikende pro Flug zu organisieren, weil die Flieger mit Mindestbesatzungen starten müssen. Vor allem bei den eng besetzten Europaflügen ist eigentlich kein Puffer drin, so dass bereits der Ausfall eines Flugbegleiters den Start verhindern kann. Das sehen gesetzliche Vorschriften vor.

Kann die Lufthansa nicht einfach Ersatzleute anheuern?

Das wird schwierig, wenngleich der zuständige Personalchef Peter Gerber sich das durchaus vorbehalten hat. Doch der Arbeitsmarkt ist nicht gerade üppig besetzt. Die Grundausbildung ist zwar mit zwölf Wochen relativ kurz, aber es kann nicht jeder Flugbegleiter auf jedem Jet eingesetzt werden. Aus Sicherheitsgründen sind die Leute jeweils nur auf bestimmte Flugzeugtypen zugelassen. Zudem sind Leiharbeiter nicht verpflichtet, sich als Streikbrecher zu betätigen.

Wann erfahre ich, ob mein Flug ausfällt?

Sechs Stunden vor Beginn der Streikmaßnahmen will die UFO bekannt geben, an welchen Flughäfen sie streikt. Gewerkschaftschef Nicoley Baublies verspricht, bereits am Vorabend zu warnen, wenn ein Streik früh am nächsten Morgen beginnt.

Die Lufthansa könne den Ausstand noch abwenden, wenn sie ein Schlichtungsverfahren einleite, sagte UFO-Chef Nicoley Baublies dem Bayerischen Rundfunk. Der Konzern bleibt jedoch hart. "Wir sehen keinen Grund für eine Schlichtung, weil die Offerte schon auf dem Tisch liegt und sie eine gute Basis für weitere Verhandlungen ist", sagte ein Lufthansa-Sprecher.

Baublies verteidigt die Arbeitskampftaktik seiner Organisation. Die Lufthansa rufe zwar zu Gesprächen auf, habe sich aber seit Beginn der Streiks von Stewardessen und Stewards nicht gerührt, sagte Baublies am Dienstagabend im ZDF-"heute Journal". Die Fluggesellschaft wolle die Gehälter des Kabinenpersonals um 20 bis 30 Prozent kürzen.

Der UFO-Chef sagte, seine Gewerkschaft habe eine Senkung der Personalkosten angeboten. Die Lufthansa wolle aber sowohl Einbußen für die Flugbegleiter als auch die Gründung einer Billigfluglinie. Nachdem 13 Monate Verhandlungen zu keinem Ergebnis geführt hätten, müsse auch für eine kleine Gewerkschaft wie UFO der Streik eine Option sein. Die Ankündigung eines bundesweiten Streiks für Freitag lasse Lufthansa und Passagieren zweieinhalb Tage Zeit für die Vorbereitung. Die bisherigen Streiks hatte die Gewerkschaft jeweils nur sechs Stunden vor Beginn angekündigt.

Vom jüngsten Ausstand der Flugbegleiter an den Flughäfen Frankfurt, Berlin und München waren am Dienstag mindestens 43.000 Fluggäste betroffen . Diese Zahl nannte ein Sprecher des Unternehmens am Dienstagnachmittag in einer ersten Bilanz. Am Freitag, dem ersten Streiktag, waren es 26.000 Passagiere.

Tarifstreit: Flugbegleiter setzen Lufthansa letztes Ultimatum

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Die Gewerkschaft droht nun auch einen flächendeckenden Arbeitskampf an.

Am Berliner Flughafen Tegel hatte die Arbeitsniederlegung am Dienstag gegen 5.00 Uhr begonnen. Eine Stunde später folgte das Kabinenpersonal in Frankfurt am Main, wie Ufo-Sprecher Alexander Behrens am Dienstagmorgen bestätigte. An beiden Standorten dauerte der Ausstand jeweils acht Stunden.

Auf ihrer Internetseite teilte die Lufthansa am Dienstag mit, dass rund die Hälfte aller Kurz- und Mittelstreckenverbindungen entfalle, zudem auch einige Langstreckenflüge. Insgesamt standen bei der Lufthansa für den Streikzeitraum von 6 Uhr bis 14 Uhr 370 Flüge im Frankfurter Flugplan. In Berlin entfielen „einige“ Flüge, hieß es.

Nach Berlin und Frankfurt bestreikten die Flugbegleiter am Nachmittag noch den Flughafen in München. Der Ausstand soll von 13.00 Uhr bis Mitternacht dauern.

Kommentare (17)

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JPBoehm

04.09.2012, 18:55 Uhr

Das ist nichts anderes als eiskalte Erpressung. So machen die Spartengewerkschaften unsere Wirtschaft und unseren Wohlstand kaputt. Ohne jegliche Vernunft.

Account gelöscht!

04.09.2012, 19:03 Uhr


Zig-Tausende von Flugreisenden können nicht vom Job nach Hause ins Wochenende, während sich die faule Bande vom Bordpersonal auf ein verlängertes Wochenende einrichtet.

JAJA

04.09.2012, 19:48 Uhr

Tja, so ist das halt,wenn ständig dereguliert wird.
Die machen das schon ganz richtig so.
Jeder ist sich selbst der Nächste. Machtposition ausnutzen mal anderes herum.
Es ist völlig gleichgültig, wer das Unternehmen zugrunde richtet.
Habt Ihr im Ernst geglaubt, das ihr "euren Wohlstand" einfach so genießen könnt?
Holt euch euren Kaffee doch selber. :)

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