Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.01.2014

14:15 Uhr

Fluggesellschaft

Französische Justiz ermittelt gegen Lufthansa

Eine Mitarbeiter-Liste bringt Lufthansa in die Bredouille: Wegen herabwürdigender Kommentare und Angaben zu Privatem ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft bei Paris gegen die deutsche Fluggesellschaft.

Eine Stewardess kontrolliert die Gepäckklappen: Als „nicht so schlau“, „schusselig“ oder „unbrauchbar“ werden die Mitarbeiter der Lufthansa in dem Papier bezeichnet. imago stock&peopleimago

Eine Stewardess kontrolliert die Gepäckklappen: Als „nicht so schlau“, „schusselig“ oder „unbrauchbar“ werden die Mitarbeiter der Lufthansa in dem Papier bezeichnet.

BobignyWegen einer Mitarbeiter-Liste mit herabwürdigenden Kommentaren hat die französische Justiz Ermittlungen gegen die Lufthansa aufgenommen. Die Staatsanwaltschaft von Bobigny bei Paris leitete bereits Ende Dezember Vorermittlungen gegen die deutsche Fluggesellschaft ein, wie am Donnerstag aus Justizkreisen verlautete. Es geht um den Vorwurf, ein Dokument mit privaten Daten von Mitarbeitern angefertigt und aufbewahrt sowie die Daten ohne die Zustimmung der Betroffenen genutzt zu haben.

Die Gewerkschaft Unsa Transport und ein Gewerkschaftsvertreter hatten Anfang November Klage wegen „Angriffs auf das Persönlichkeitsrecht“ eingereicht. Im Sommer 2013 war durch Zufall auf dem Schreibtisch eines Lufthansa-Verantwortlichen auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle eine handgeschriebene Liste mit den Namen von rund 50 Mitarbeitern und wertenden, meist negativen Kommentaren gefunden worden.

Das deutschsprachige, mehrseitige Dokument, das der Nachrichtenagentur AFP vorliegt, enthält Kommentare wie „nicht so schlau“, „schusselig“ oder „unbrauchbar“. Neben den Namen von Gewerkschaftsvertretern stehen Klassifizierungen wie „Feldwebel“ oder „Ewiggestriger“ oder der Kommentar „hat Streik angezettelt“. Auch Angaben über eine angebliche HIV-Infektion eines Mitarbeiters, das Aussehen und das Privatleben tauchen auf der Liste auf, die für einen anderen Lufthansa-Verantwortlichen bestimmt war.

Das sind die neuen Flieger der Lufthansa

Spritsparende Modelle

Die Lufthansa hat im Herbst 2013 für 14 Milliarden Euro die neuesten Langstrecken-Jets von Boeing und Airbus bestellt. Die Airline deckt sich mit zweistrahligen Langstrecken-Jets ein, die wesentlich weniger Sprit verbrauchen sollen als derzeitige Modelle. Das ist wichtig, da die Tankrechnung einer der größten Kostenposten der Airline ist. Mit 300 bis gut 400 Sitzen sind die neuen Flieger eine Nummer kleiner als das Lufthansa-Flaggschiff, der Airbus A380.

A350 – Leichtbauweise und neue Triebwerke

Der A350 ist das neueste Kind des europäischen Flugzeugbauers: Erstmals hob der Jet mit zwei Triebwerken im Juni ab. Das vollkommen neu konstruierte Flugzeug besteht zur Hälfte aus Verbundwerkstoffen, die das Gewicht senken. Die Leichtbauweise und neue Triebwerke sollen dafür sorgen, dass der Spritverbrauch im Vergleich zu heutigen Maschinen um ein Viertel sinkt.

A350 – Platz für bis zu 350 Passagiere

Im A350 haben je nach Variante 270 bis 350 Passagiere Platz. Der von der Lufthansa bestellte Typ A350-900 zählt 314 Sitze. Derzeit liegen 707 Bestellungen für den laut Listenpreis bis zu gut 320 Millionen Dollar teuren Prestigeflieger vor. Das erste Exemplar soll 2014 an Qatar Airways ausgeliefert werden.

777X – Lufthansa Erstkunde?

So weit wie Airbus ist Boeing mit seinem Nachfolger des Bestsellers 777 lange nicht. Offiziell ist der Bau der zweistrahligen Maschinen noch nicht beschlossen - der US-Hersteller sammelt derzeit noch Bestellungen ein. Die Lufthansa hat gute Chancen, Erstkunde für die sogenannte 777-9X zu werden. Auch Emirates spielt eine Großorder durch. Die Auslieferung der Jets dürfte erst Ende des Jahrzehnts starten.

777X – 20 Prozent weniger Kerosinverbrauch

Die von der Lufthansa favorisierte Variante zählt 414 Sitze. Nach der Pannenserie beim Dreamliner 787 setzten die Boeing-Ingenieure aber nicht ganz so viel neue Technologie ein. Nicht das ganze Flugzeuge, sondern lediglich die Flügel und die Triebwerke werden neu konstruiert. Damit soll der Kerosinverbrauch um 20 Prozent sinken. Das Flugzeug ist eine Fortentwicklung des Bestsellers 777, der seit den 90er Jahren fliegt.

Die Lufthansa hatte bereits im November die Existenz des Dokuments bestätigt und erklärt, eine derartige Liste widerspreche den Werten des Unternehmens. Es seien disziplinarische Maßnahmen eingeleitet und der Mitarbeiter versetzt worden. Am Donnerstag sagte ein Lufthansa-Sprecher zur Einleitung der Ermittlungen, das Unternehmen halte sich zur Verfügung der Ermittler, um deren Fragen zu beantworten.

Klägeranwalt Olivier Villevieille sagte AFP, er hoffe auf „rasche Fortschritte“ bei den Ermittlungen. Mehrere weitere Lufthansa-Mitarbeiter würden sich der Klage noch anschließen.

Das Verhältnis zwischen der Lufthansa und ihren Mitarbeitern in Paris ist derzeit ohnehin angespannt. Die Lufthansa will im Zuge von Sparbemühungen in Frankreich 199 Arbeitsplätze streichen, das entspricht 75 Prozent der Stellen der Fluggesellschaft in dem Land. Die Mitarbeiter haben bereits mehrfach gegen die Pläne gestreikt, was zu Behinderungen im Lufthansa-Flugverkehr führte.

Von

afp

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

orakel

23.01.2014, 15:22 Uhr

Toleranz und gegeseitigerRespekt sind extrem wichtige
Werte, und gehören zur Dekokratie wie das Wasser zum Fisch.

Null Toleranz zu herabwürdigenden Mitarbeiter-Beurteilungen.

Account gelöscht!

23.01.2014, 15:52 Uhr

Richtig.

Unfähige Mitarbeiter sollte man daher schnellstmöglich wieder auf die Straße setzen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×