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13.01.2010

16:16 Uhr

Fluggesellschaften

Blue Wings wieder am Boden

Die Fluglinie Blue Wings muss erneut wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten ihren Betrieb einstellen. Seit gestern Mittag bleiben alle Maschinen am Boden. Das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) erteilte der in Bocholt ansässigen Gesellschaft kurz darauf auch ein vorübergehendes Startverbot.

Bluw Wings hat wieder arge finanzielle Sorgen. dpa

Bluw Wings hat wieder arge finanzielle Sorgen.

MOSKAU. Blue Wings habe nicht wie gefordert seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nachweisen können, begründete das LBA den Schritt. Das LBA hatte der Airline, die vom russischen Multimillionär Alexander Lebedew kontrolliert wird, bereits vor einem Jahr für mehrere Wochen die Lizenz entzogen – nach Aussage von Lebedew hatte sich das Unternehmen, das 2008 rund 1,1 Mio. Passagiere beförderte, davon wirtschaftlich nicht mehr erholt.

Bereits Ende vergangenen Jahres war die Airline erneut in Finanznot geraten und hatte den Beschäftigten im November nur noch die Hälfte der Gehälter überwiesen und im Dezember die Zahlungen komplett ausgesetzt. Auf der Homepage hieß es, „die Entwicklungen der vergangenen Wochen und die angespannte gesamtwirtschaftliche Lage in der Luftfahrt“ seien Grund für die Einstellung des Flugbetriebs.

Ob dies nun das endgültige „Aus“ für Blue Wings bedeutet, ist noch offen. Hauptaktionär Lebedew war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Anfang des Monats hatte ein Sprecher des Unternehmens die Finanzklemme als Folge von Gerangel zwischen den Eigentümern erklärt. Neben Lebedew halten Vorstandschef und Firmengründer Jörn Hellwig sowie der zypriotische Anwalt Christodoulos Vassiliades jeweils 26 Prozent.

Lebedew hatte im Interview mit dem Handelsblatt kürzlich angekündigt, sich von seinem Anteil trennen zu wollen, um den Einstieg der staatlichen russischen Fluglinie Aeroflot vorzubereiten, deren größter privater Aktionär er noch ist. Bis Jahresende hatte er auf eine Einigung gehofft.

Der Einstieg von Aeroflot hätte aber gegen EU-Auflagen verstoßen – um diese zu umgehen hatte der russische Unternehmer geplant, einen Teil seiner Aktien der in London ansässigen Raissa-Gorbatschow-Stiftung zu schenken. Aeroflot hätte dann Bluewings nur über eine Aktionärsvereinbarung mit der Stiftung kontrollieren können.

Die russische Airline hat derzeit aber ganz andere Baustellen: Sie soll Zeitungsberichten zu Folge die Kontrolle über Rosavia unternehmen. In der russischen Staatsholding sind eine Reihe von gestrandeten regionalen Fluglinien gelandet. Aeroflot hat zudem erhebliche Probleme mit dem neuen Terminal am Moskauer Flughafen Scheremetjewo.

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