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12.01.2010

11:41 Uhr

Fluggesellschaften

Japan Airlines setzt zur Notlandung an

VonFinn Mayer-Kuckuk

Das Schicksal der in der der Krise steckende japanische Gesellschaft Japan Airlines (JAL) hängt am seidenen Faden. Eine Insolvenz ist fast unabwendbar geworden. In letzter Minute hat die US-Fluggesellschaft American Airlines ihr Angebot einer Kapitalspritze für die japanische Fluglinie erhöht.

Mitarbeiterinnen von Japan Airlines: Die Fluggesellschaft steht vor einer ungewissen Zukunft. Quelle: ap

Mitarbeiterinnen von Japan Airlines: Die Fluggesellschaft steht vor einer ungewissen Zukunft.

TOKIO. Die japanische Regierung bereitet die Öffentlichkeit auf eine bevorstehende Insolvenz von Japan Airlines (JAL) vor. Die zuständige staatliche Auffanggesellschaft arbeite mit Hochdruck an einer Lösung für die Zahlungsprobleme der Fluglinie, sagte Premier Yukio Hatoyama gestern Abend in Tokio. Die endgültige Entscheidung für ein Insolvenzverfahren gab er zwar noch nicht bekannt. Doch der Regierungschef und sein Verkehrsminister verhielten sich bereits so, als sei diese Vorgehensweise bereits beschlossene Sache. Auch die staatliche Development Bank of Japan (DBJ) als zentrale Gläubigerin hat sich bereits klar für die Insolvenz ausgesprochen.

Das japanische Insolvenzrecht gleicht dem deutschen Vorgehen mehr als der US-Lösung nach „Chapter 11“, unter der die Regierung in Washington beispielsweise den Autokonzern GM wieder auferstehen ließ. Sobald die Regierung sich offiziell für die Eröffnung des Verfahrens entscheidet, kommt JAL unter die Obhut eines Insolvenzrichters. Der Richter entmachtet dann das alte Management und setzt einen Insolvenzverwalter kommt auf den Pilotensitz.

Im aktuellen Fall hat das Verkehrsministerium bereits bei dem Wirtschaftssenior Kazuo Inamori angefragt, ob er die Roll des Zwischenchefs übernehmen will. Der 77-jähige Inamori hatte nach dem Krieg den Hochtechnikkonzern Kyocera gegründet. Bei JAL käme ihm die Rolle zu, das Unternehmen so durch die Mangel zu drehen, dass es schon bald wieder schlank und stark seine Marktführerschaft in Asien verteidigen kann. Inamori kommt dabei mehr eine symbolische Bedeutung zu. Die Regie führen wirtschaftserfahrene Bürokraten der Etic. Nach einer Finanzkrise in den 90er-Jahren hatten sich mehrere japanische Unternehmen saniert und wieder an den freien Markt entlassen, darunter den Kosmetikhersteller Kanebo.

Die DBJ würde dann nach Darstellung eines Beteiligten zusätzliche Mittel in der Größenordnung zwischen einer und zwei Mrd. Euro locker machen, um an diesem kritischen Punkt die Finanzierung des Betriebs zu sichern. Denn sobald das Verfahren beginnt, dürften die Geschäftspartner der Fluglinie auf Vorauszahlung bestehen. Eines stellen jedoch alle Beteiligten immer wieder klar: Die Flugzeuge sollen auch während des Insolvenzverfahrens in der Luft bleiben. Sowohl für die Infrastruktur Japans als auch für das Kundenvertrauen in der Gesellschaft gilt das als zentraler Punkt. Es ist allerdings von der Streichung weiterer unprofitabler Strecken und der Entlassung von mehreren tausend Mitarbeitern die Rede.

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