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01.12.2015

09:37 Uhr

Fluggesellschaften und Ölpreis

Wenn Airlines gegen die Zukunft wetten – und verlieren

Mit Hedging-Geschäften wollen sich Fluggesellschaften vor steigenden Preisen beim Kerosin schützen. Doch der Ölpreis ist abgestürzt, das hat viel Geld gekostet. Immer mehr Airlines gehen nun ein größeres Risiko ein.

US-Airlines machten mit Hedging-Geschäften millionenschwere Verluste. AFP

American Airlines

US-Airlines machten mit Hedging-Geschäften millionenschwere Verluste.

Erst haben sie hunderte Millionen Dollar mit Absicherungsgeschäften gegen den steigenden Ölpreis verloren, jetzt schließen zwei der weltgrößten Fluggesellschaften Wetten gegen eine drohende Öl-Rally ab: United Continental und Delta Air Lines. Entsprechend haben sie ihre sogenannten Flugbenzin-Hedges gekappt. Und das in einer Zeit, in der der Ölpreis auf einem Sechs-Jahres-Tief dümpelt.

Die beiden Airlines nehmen sich daher ein Beispiel an ihrem Konkurrenten American Airlines. Die weltgrößte Fluggesellschaft hatte ihr letztes Absicherungsgeschäft schon 2014 beendet. „Der Ansatz von American war letztlich der klügere“, sagt Bob Mann, Präsident der Airline-Beratungsfirma R.W. Mann, „die Programme haben die Erwartungen nicht erfüllt. Die Kosten sind sehr hoch, die Ergebnisse unterdurchschnittlich.“

Das sind die größten Airlines der Welt

Platz 10

Air China ist die zweitgrößte Fluggesellschaft der Volksrepublik – und die einzige zivile Linie, der es erlaubt ist, die chinesische Nationalflagge auf ihren Flugzeugen anzubringen.
Passagiere 2014: 54,58 Millionen

Platz 9

Die Lufthansa ist die größte deutsche Fluggesellschaft und befördert den Großteil ihrer Passagiere auf internationalen Flügen.
Passagiere 2014: 59,85 Millionen

Platz 8

Easyjet aus Großbritannien ist nach Ryanair die zweitgrößte Billigfluggesellschaft der Welt.
Passagiere 2014: 62,31 Millionen

Platz 7

China Eastern Airlines hat seine Basis in Shanghai, fliegt trotz des Namens nicht nur Ziele im Osten des Landes an, sondern ist sowohl in ganz China als auch internationale unterwegs.
Passagiere 2014: 66,17 Millionen

Platz 6

Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair liegt im weltweiten Ranking auf Platz 6, in Europa ist aber keine Airline größer als das Unternehmen aus Dublin. Interessant: Ryanair bietet ausschließlich internationale Flüge an.
Passagiere 2014: 86,37 Millionen

Platz 5

American Airlines mit Sitz in Texas ist eine der ältesten Fluglinien der Welt, sie wurde bereits 1930 gegründet.
Passagiere 2014: 87,83 Millionen

Platz 4

Noch ein wenig älter ist United Airlines, ebenfalls aus den USA. Die Unternehmensgeschichte geht bis ins Jahr 1926 zurück.
Passagiere 2014: 90,44 Millionen

Platz 3

China Southern Airlines ist die größte Fluggesellschaft Asiens. Den Großteil ihrer Passagiere befördert die Airline auf Flügen innerhalb Chinas.
Passagiere 2014: 100,68 Millionen

Platz 2

Southwest Airlines aus den USA ist eine Billigfluggesellschaft mit Sitz in Dallas. 1967 gegründet, ist das Unternehmen Pionier des Billigflugsegments. Sie bietet fast ausschließlich Flüge innerhalb der USA an.
Passagiere 2014: 129,09 Millionen

Platz 1

Delta Air Lines gehört zu den drei verbliebenen traditionsreichen Linienfluggesellschaften in den USA. Ganz knapp verweist das Unternehmen die Southwest Airlines auf Rang zwei.
Passagiere 2014: 129,43 Millionen

Quelle: IATA

Diese Fehlentscheidung hat die Airlines viel Geld gekostet. Allein bei der drittgrößten Airline der Welt Delta summieren sich die Verluste der letzten drei Quartale aus den Hedging-Geschäften auf 1,95 Milliarden Dollar. Beim Branchenzweiten United liegen sie bei 650 Millionen Dollar, bei der Southwest Airline bei 326 Millionen Dollar.

Was den Fluggesellschaften zum Verhängnis geworden ist: Bevor der Ölpreis dramatisch einbrach, hatten die Airlines schon ihre Benzinkosten für die Zukunft festgeschrieben. Delta etwa hatte für das Jahr 2015 30 bis 40 Prozent seiner Kerosinkosten abgesichert. Für das kommende Jahr wurde das Hedging nun auf nur noch fünf Prozent heruntergefahren. Bei United sind derzeit 17 Prozent der Treibstoffkosten für 2016 abgesichert, teilt Finanzchef Gerald Laderman mit. Für das laufende Jahr lagen die Absicherungen dagegen noch bei 35 Prozent.

Obwohl sich Airlines mit solchen Hedging-Geschäften vor in der Zukunft gelegenen Preissteigerungen schützen können, kostet diese Absicherung einen hohen Preis. So zahlte Alaska Air nach eigenen Angaben im Schnitt drei Dollar je Barrel für Call-Optionen. Letztgenannte erlaubten den Airlines, im ersten Quartal Öl für 76 Dollar je Barrel zu kaufen. „Wenn man sich anschaut, wie viel unsere Wettbewerber in diesem Jahr mit sogenannten sicheren Versicherungs-Policen verloren haben, erkennt man, es gibt nichts umsonst“, sagt Scott Kirby von American Airlines. „Man kann nicht losziehen, sich gegen Verluste absichern und dabei so tun, als würde das nicht jede Menge Geld kosten.“

Die Preise für Flugbenzin sind im vergangenen Jahr um 43 Prozent gesunken – auf rund 1,40 Dollar je Gallone. Im selben Zeitraum ist der WTI-Rohöl-Preis der größten Warenterminbörse – der New York Mercantile Exchange (Nymex) – um 43 Prozent auf etwa 42 Dollar je Barrel gefallen. „Wir sehen unser Hedging-Programm als eine Art Katastrophen-Versicherung“, sagt Southwest-Sprecher Chris Mainz. „Wir werden unsere Hedging-Positionen weiterhin aktiv verwalten, um uns vor den Folgen steigender Treibstoffpreise zu schützen.“

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