Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.09.2013

18:19 Uhr

Flughafen BER

Aufsichtsrat fordert Ende des Machtkampfes

Im Machtkampf an der Spitze des Hauptstadtflughafens hat der Bürgermeister Wowereit ein Machtwort gesprochen – er fordert ein Ende der Querelen. Das Duell zwischen Mehdorn und Amann bleibt damit unentschieden.

Flughafen Berlin-Brandenburg: Zum Volumen des Auftrags und seiner Dauer wollte sich der Flughafen nicht äußern. dpa

Flughafen Berlin-Brandenburg: Zum Volumen des Auftrags und seiner Dauer wollte sich der Flughafen nicht äußern.

SchönNach heftigen Querelen an der Spitze des Hauptstadtflughafens fordert der Aufsichtsrat ein Ende der Grabenkämpfe. „Wir vom Aufsichtsrat erwarten, dass eine Geschäftsführung sich professionell verhält und dass man zusammenarbeitet“, sagte der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) nach einer Sondersitzung des Kontrollgremiums in Schönefeld. „Das ist die Anforderung, und da führt auch kein Weg dran vorbei.“ Der Machtkampf zwischen Flughafenchef Hartmut Mehdorn und seinem Technik-Geschäftsführer Horst Amann bleibt damit unentschieden.

Vor der Sondersitzung des Kontrollgremiums war spekuliert worden, der Aufsichtsrat könne Amman entlassen. Wowereit als amtierender Chef des Gremiums versicherte jedoch, es sei in der gut dreistündigen Sitzung keine Personalentscheidung gefallen.

Offiziell hatte sich der Aufsichtsrat außerordentlich getroffen, um Geld für den Ausbau des Datennetzes am neuen Hauptstadtflughafen freizugeben. Rund 11 Millionen Euro wurden laut Flughafen bewilligt – Mehdorn hatte seine Forderung zuvor auf 21 Millionen Euro aufgestockt.

Amann und Mehdorn streiten seit Monaten über die richtige Strategie, den Flughafen nach vier geplatzten Eröffnungsterminen ans Netz zu bringen. Amann will die Bau- und Technikprobleme in dem Milliardenbau sorgfältig abarbeiten, Mehdorn möglichst schnell die ersten Flieger abheben lassen.

Fragen und Antworten zum Hauptstadtflughafen

Warum ist es so schwer, den Flughafen in Betrieb zu nehmen?

Die größten Probleme sind ungelöst: Noch haben die Ingenieure die Brandschutzanlage im Hauptgebäude des Terminals nicht im Griff. Der größte Entrauchungsabschnitt soll nun geteilt werden - in der Hoffnung, das Ungetüm dann beherrschen zu können. Außerdem strömt die Frischluft im Brandfall noch nicht so nach, wie sie sollte, und verwirbelt mit dem Rauch. Hier wird umkonzipiert. Umbauen können die Techniker aber erst, wenn ein anderes Problem gelöst ist: die hoffnungslos überbelegten Kabeltrassen zu entwirren.
Eigentlich wollte Mehdorn schon in diesen Wochen einen Inbetriebnahme-Zeitplan für den gesamten Flughafen nennen, nun hofft er, den in zwei bis drei Monaten liefern zu können. „Das muss ein Termin sein, den wir risikofrei erreichen können“, sagt Mehdorn nach der Blamage um vier geplatzte Starttermine.

Was hat Mehdorn jetzt vor?

Im Nordflügel des Terminals gibt es einen Großteil der Probleme nicht. In dem für Billigflieger gedachten Trakt will Mehdorn im März oder April die ersten Passagiere einchecken lassen. Es wäre ein Start auf Regionalflughafen-Niveau, mit höchstens fünf Starts und fünf Landungen pro Tag - gerade mal ein Prozent der Kapazität des Flughafens.
Mehdorns Kalkül: Der Großteil der Abläufe am Flughafen kann so getestet werden, bevor alle Airlines von Tegel und Schönefeld-Alt zum Neubau umziehen. Für die Gesamteröffnung wird seit längerem das Jahr 2015 genannt. Aber niemand legt sich fest.

Platzeck geht – übernimmt jetzt Wowereit?

Ja. Brandenburgs Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) hört nach einem leichten Schlaganfall auf und gibt auch den Flughafen-Aufsichtsratsvorsitz ab. Als gewählter Stellvertreter war der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit erst einmal eingesprungen. Nun übernimmt er wieder die Spitze im Aufsichtsrat – es gab schließlich keine Konkurrenz.

Seit einem Jahr ist Technikchef Amann auf der Baustelle. Was hat er bewegt?

Der Hoffnungsträger vom Frankfurter Flughafen hat sich in Schönefeld eine Mammutaufgabe gestellt: Eine Bestandsaufnahme aller Mängel, um dann planvoll neu durchzustarten. Von der gebrochenen Fliese bis zur defekten Brandschutzklappe kamen Zehntausende Mängel zusammen - für Projekte dieser Größenordnung keine ungewöhnliche Dimension. Mit dieser Akribie bringt Horst Amann aber den ungeduldigen Mehdorn auf die Palme, der dem Ingenieur im Frühjahr vor die Nase gesetzt wurde. Mehdorn nennt die Amann-Zeit „Schockstarre“ und startete sein Beschleunigungsprogramm „Sprint“. Beide Manager sind heillos zerstritten. Am Freitag brachten sie konkurrierende Konzepte für die Teileröffnung in den Aufsichtsrat.

Wie viel wird der Flughafen am Ende kosten?

Das weiß heute niemand. Bislang gilt die fast ein Jahr alte Zahl von 4,3 Milliarden Euro, doch sie ist nicht zu halten. Denn damals dachten die Verantwortlichen noch, dass in diesem Oktober die ersten Passagiere einchecken. Jeder weitere Monat Verzögerung kostet 34 Millionen Euro. Hinzu kommen Mehrkosten für den Schallschutz. Die 5-Milliarden-Marke ist also in Sichtweite.

Das Verhältnis der beiden Manager gilt als zerrüttet. Mehdorn hatte Amann schon im Juni aufgefordert, seinen Hut zu nehmen, Mitarbeiter des Ingenieurs ersetzte er durch eigene Leute.

Mehdorn denunziere und diskriminiere ihn, schrieb Amann in der vergangenen Woche an die Vertreter der Flughafen-Eigentümer, neben Wowereit (SPD) für das Land Berlin die Staatssekretäre des Bundes und Brandenburgs, Rainer Bomba (CDU) und Rainer Bretschneider (SPD).

Amann wirft Mehdorn in dem Brief, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, „hektische Beschleunigungsaktivitäten“ und Verantwortungslosigkeit vor. Der im vergangenen Sommer als Hoffnungsträger zum Flughafen geholte Ingenieur forderte Rückendeckung durch den Aufsichtsrat – oder eine Abfindung.

Gestützt wird Amann vor allem vom Bund. Sollten Bomba und Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) in Folge der Bundestagswahl nicht im Amt bleiben, könnte sich eine neue Gefechtslage ergeben.

Mehdorn hatte jüngst selbst die Erwartungen gedrosselt und zugegeben, anfangs Probleme auf der Baustelle unterschätzt zu haben. Es ist unklar, wann er einen Starttermin festlegt. „Wir können uns keine weitere Blamage leisten, werden einen Eröffnungstermin erst dann nennen, wenn wir ganz sicher sind“, schreibt er in der Oktober-Ausgabe des Flughafen-Blatts „BER aktuell“.

Intern hatte Mehdorn laut Amann von einem Start im Juni 2015 gesprochen – dreieinhalb Jahre nach dem ersten Eröffnungstermin im Herbst 2011. Offen ist auch, wann Mehdorn im Nordflügel des Neubaus seinen Testbetrieb mit höchstens zehn Flügen am Tag beginnen kann. Der avisierte Start im März oder April 2014 schien zuletzt fraglich.

Von

dpa

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Projektingenieur

27.09.2013, 19:16 Uhr

Solange Leute wie Wowereit dort ihren Dilettantismus ungestraft ausleben dürfen - anstatt Party zu feiern, wovon er am meisten versteht -, wird sich an dieser Baustelle alles nur noch verschlimmern!

HAKforst

28.09.2013, 21:18 Uhr

in dem was "Projektingenieur" schreibt steckt wie immer ein Fünkchen Wahrheit. Als einer, der erfolgreich (bezogen auf Zeit und Kosten) schon Projektleiter bei der ersten Megachipfabrik in Europa und beim größten zivilen Rechenzentum generell (AMADEUS) war, hatte ich meine Beteilifung an DEM Flughafenprojekt abgelehnt, weil der (korruptive) Einfluss der Politik nie zu einem vernünftigen Projekt führen kann. Jetzt nachdem Herr Amann seine guten - aber oft schon verrenteten - Spezis vom Flughafen Frankfurt reaktivierte, habe ich aus meinen früheren, erfolgreichen Bauteams auch einige gute Leute motiviert, dort mit zu machen. Was die mir über die Vergangenheit der Planung am BBI berichten, geht auf keine Kuhhaut. Dilletantismus hoch 3, aber durch Vitamin B (wie Bolitik) eingesetzt. Ein Baumensch, der eigentlich Rückgrad haben sollte, muss bei solchen Projekten schon so ein dickes Fell haben, dass er ohne selbiges stehen kann.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×