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27.11.2013

06:44 Uhr

Flughafen Frankfurt

Lufthansa-Chef warnt mögliche Hessen-Koalition

ExklusivDie Hessen-CDU kann sich offenbar Einschränkungen beim Betrieb des Frankfurter Flughafens vorstellen. Lufthansa-Chef Christoph Franz warnt eine mögliche schwarz-grüne Koalition – und erhält unerwartete Schützenhilfe.

Der scheidende Lufthansa-Chef Christoph Franz warnt die hessische CDU: „Wir sind der größte Arbeitgeber in Hessen und wollen dies auch bleiben“. dpa

Der scheidende Lufthansa-Chef Christoph Franz warnt die hessische CDU: „Wir sind der größte Arbeitgeber in Hessen und wollen dies auch bleiben“.

FrankfurtLufthansa-Vorstandschef Christoph Franz hat die CDU in Hessen vor Zugeständnissen an die Grünen beim Lärmschutz und Ausbau des Frankfurter Flughafens gewarnt. „Das ist die zentrale Drehscheibe unseres Konzerns in Frankfurt. Ich kann nur hoffen, dass uns das Leben hier nicht noch schwerer gemacht wird“, sagte Franz im Interview mit dem Handelsblatt (Interview im Kaufhaus der Weltwirtschaft).

Eine Ausweitung des Nachtflugverbots würde das komplexe Drehkreuz-System in Frankfurt in der heutigen Form in Frage stellen und das Geschäft der Lufthansa gravierend beeinträchtigen.

CDU und Grüne in Hessen sind mit Tempo in ihre Koalitionsverhandlungen gestartet. Die Grünen waren mit der Forderung nach weniger Fluglärm in den Wahlkampf gezogen. Sie wollen das Nachtflugverbot abends und morgens um je eine Stunde verlängern, so dass zwischen 22 und 6 Uhr keine Flieger starten oder landen dürften. Auch die Baupläne für ein drittes Terminal lehnen sie ab.

Die CDU, die im Flughafen den entscheidenden Wirtschafts- und Jobmotor Hessens sieht, hat ihnen inzwischen Zugeständnisse gemacht. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hatte vor Beginn der Verhandlungen am Montag dem Sender „HR-Info“ gesagt: „Der Betreiber Fraport muss prüfen, ob bei veränderten Flugbewegungen diese hohe Investition wirklich Sinn hat.“

Die Grenzen der Nacht am Frankfurter Flughafen

Kein generelles Verbot

Das Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen umfasst die sechs Stunden zwischen 23 und 5 Uhr. Die Nacht am Airport ist somit zwei Stunden kürzer als die gesetzliche Nacht (22-6 Uhr). In den beiden Randstunden (22-23 und 5-6 Uhr) ist ein eingeschränkter Flugverkehr von zusammen 133 Flugbewegungen zugelassen. Ein generelles Nachtflugverbot gibt es rund um den größten deutschen Flughafen nicht, sondern lediglich Beschränkungen der Starts und Landungen. Die Planfeststellung sieht folgende (Ausnahme-) Regeln vor:

Verspätete Landungen

...sind in der Zeit zwischen 23 und 24 Uhr zulässig, wenn die Landung für die Stunde zuvor geplant war und die Verspätung nicht von vornherein zu erwarten war.

Spätere Starts

...zwischen 23 und 24 Uhr können im Einzelfall vom Land Hessen genehmigt werden, wenn die Gründe für die Verspätung nicht im Einfluss der Airline stehen. Hierunter fallen beispielsweise unmittelbare Wettereinflüsse.

Nach Mitternacht

...bis 5 Uhr darf es nur noch Ausnahmen aus Sicherheitsgründen sowie für Flugzeuge in Katastrophen- und medizinischen Hilfseinsätzen geben. Auch Vermessungsflüge der Flugsicherung sind in der Kernnacht möglich.

Neue Landebahn

Die neue, im Oktober 2011 eröffnete Landebahn Nordwest ist zwischen 23 und 5 Uhr gesperrt.

Die Fluglärmgegner aus der Rhein-Main-Region hatten trotz der Zugeständnisse der CDU weitere Proteste angekündigt. Die Vorhaben blieben hinter dem Notwendigen zurück, erklärte das Bündnis der Bürgerinitiativen am Montag.

Die angedachten Entscheidungen hätten laut Franz weitreichende Folgen. „Wenn sich Schwarz-Grün für mehr Lärmschutz ausspricht und das Terminal Drei auf Eis legen will, dann wäre Wachstum nur in anderen Drehscheiben der Lufthansa-Gruppe möglich. Das wäre für Hessen nicht gut“, sagte Franz. Lufthansa investiere Milliarden in den Lärmschutz und leisere Flugzeuge. „Das Geld müssen wir auch verdienen können. Wir sind der größte Arbeitgeber in Hessen und wollen dies auch bleiben“, sagte Franz.

In seltener Einigkeit mit der Lufthansa kritisieren auch die Piloten eine mögliche Ausweitung des Nachtflugverbots. Der Wirtschaftsmotor Frankfurter Flughafen stottere schon jetzt, sagte Ilja Schulz, Präsident der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, am Montag. „Weitere Einschränkungen belasten die deutschen Fluggesellschaften zusätzlich und bedrohen erneut auch Arbeitsplätze von deutschen Piloten.“ Schulz warf Bouffier vor, zur Beschaffung einer Regierungsmehrheit die Stärkung des Luftverkehrs „leichtfertig zur Disposition zu stellen“.

Die Vereinigung Cockpit und das Lufthansa-Management waren im laufenden Jahr des Öfteren in Konflikte verwickelt. Zuletzt gerieten die Gewerkschaft und der Arbeitgeber aneinander, als die Lufthansa im September angekündigte, die Betriebsrenten zu kappen.

Kommentare (17)

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27.11.2013, 08:07 Uhr

Ah, da kommen sie wieder aus den Löchern, die Lobbyisten. Sind das nicht diejenigen die Piloten entgegen allen wissenschaftlichen Erkenntnissen 11 Stunden ununterbrochen fliegen lassen wollen?

Account gelöscht!

27.11.2013, 08:50 Uhr

Fehlt ja nur noch, dass die das Monstrum als zartes und zerbrechliches Pflänzchen bezeichnen.

Unerwartete Schützenhilfe!?

Ich hab mich schon gefragt, wo die wohl bleiben.

Account gelöscht!

27.11.2013, 08:57 Uhr

Eins muss ich doch noch loswerden:

Die 3. Landebahn wurde entgegen einem großen Protest und unter Auflagen des Nachtflugverbots gebaut. Die Auflagen wurden von der Fraport selbst gebrochen. Es ist nicht etwa so, dass die Probleme nicht schon vorher bekannt waren. Wenn sich das Ding nicht lohnt, dann haben die Manager ganz einfach falsch kalkuliert und Mist gebaut!

Es fehlen immer noch die versprochenen Lärmschutzfenster, ist nun zwei Jahre her, das ganze. Warum kann man sich mit den Bürgern der Region nicht an einen Tisch setzen und dann auch mal Grenzen einfach akzeptieren? Gleich das Geflenne, dass der Flughafen in die roten Zahlen kommt und sowas. Selbst schuld, bitte an die eigene Nase fassen, die Probleme waren vorprogrammiert. Ziemilich ignorante Haltung!

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