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01.07.2016

14:03 Uhr

Flughafen Hahn

Airport- Käufer will ausstehende Zahlung leisten

Eine kaum bekannte chinesische Firma kauft den Flughafen Hahn. Die rheinland-pfälzische Landesregierung stoppt aber den Verkaufsprozess, weil ein Geldtransfer für Grundstücke ausbleibt. Nun geht der Käufer in die Offensive.

Der chinesische Käufer des Airports verspricht, die ausstehenden Zahlungen zu leisten. Reuters

Flughafen Hahn

Der chinesische Käufer des Airports verspricht, die ausstehenden Zahlungen zu leisten.

FrankfurtDer chinesische Käufer des Flughafens Hahn will Zweifel an seiner Bonität ausräumen. Nach Angaben eines Anwalts plant die Shanghai Yiqian Trading (SYT), die ausstehende Zahlung für Grundstücke schon bald zu leisten. „Der Kaufpreis wurde noch nicht hinterlegt auf einem Treuhandkonto, was aber kurzfristig erfolgt“, sagte Gunther Weiss von der Anwaltskanzlei Greenfort in Frankfurt am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. „Das ist für nächste Woche geplant.“ Die rheinland-pfälzische Landesregierung hatte den Verkaufsprozess wegen der fehlenden Teilzahlung vorerst gestoppt und damit politischen Wirbel ausgelöst.

Der verschuldete Hunsrück-Flughafen, der 120 Kilometer von Frankfurt entfernt liegt, gehört zu 82,5 Prozent Rheinland-Pfalz und zu 17,5 Prozent Hessen. Zwischen Rheinland-Pfalz und der SYT ist für den Airport ein Kaufpreis von 13,5 Millionen Euro vereinbart. Daneben existiert ein Vertrag über Grundstücke an dem früheren US-Militärflugplatz in Höhe von 3,4 Millionen Euro. „Das sind zwei völlig separate Verträge“, sagte der Anwalt. „Der Käufer ist 100 Prozent vertragstreu beim Flughafen-Deal.“

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen

Putzmeister

Der Betonpumpen-Weltmarktführer Sany Heavy Industry übernimmt im Januar 2012 das schwäbische Unternehmen für gut 320 Millionen Euro.

Kiekert

Der Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernimmt 2012 den Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme aus Heiligenhaus (NRW).

Schwing

Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) wird im April 2012 Mehrheitseigener des westfälischen Betonpumpenherstellers. Der Verkaufspreis des Herner Unternehmens soll bei rund 300 Millionen Euro liegen.

Kion

2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

Solibro

Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells vereinbart im Juni 2012 den Verkauf seiner Tochterfirma mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen an die Pekinger Hanergy Holding Group.

Sunways

Der Konstanzer Photovoltaik-Konzern ging 2012 zum Schnäppchenpreis an den chinesischen Solarriesen LDK Solar. Doch 2013 und 2014 reichte Sunways jeweils einen Insolvenzantrag ein. Teile des Unternehmens wurden in der Folge an den chinesischen Solarkonzerns Shunfeng verkauft.

Tailored Blanks

Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Koki Technik Transmission Systems

Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Hilite

Avic übernimmt 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.

Krauss-Maffei

Im Januar 2016 verkauft Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

EEW

Die chinesische Holding Beijing Enterprises kauft im Februar 2016 den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt für 1,438 Milliarden Euro. Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. EEW hat nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Die 18 Anlagen der Gruppe können jährlich rund 4,7 Millionen Tonnen Abfall zu Energie machen und umweltschonend beseitigen. Die Fabriken erzeugen Prozessdampf für Industriebetriebe, Fernwärme für Wohngebiete und Strom für umgerechnet rund 700.000 Haushalte.

Manz

Die Shanghai Electric Group steigt im Frühjahr mit Anteilen von etwa 20 Prozent bei dem angeschlagenen Maschinenbauer ein.

Kuka

Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie. Der chinesische Midea-Konzern hat Kuka ein Übernahmeangebot im Umfang von 4,5 Milliarden Euro gemacht und mit dessen Hilfe knapp 95 Prozent der Kuka-Anteile übernommen.

Obwohl der Vertrag über Grundstücke erst mit dem Vollzug des Flughafen-Verkaufes wirksam wird, wollte SYT die Summe früher zahlen. Das Unternehmen ließ laut Innenminister Roger Lewentz (SPD) im Juni aber eine Frist verstreichen, weil die Genehmigung chinesischer Behörden für den Geldtransfer noch nicht vorgelegen habe.

Der Käufer will nach Angaben seines Anwalts den Kaufpreis für den Flughafen vorzeitig zahlen. „Um alle Zweifel auszuräumen und den politischen Prozess zu befördern, arbeiten wir an einer Lösung, einen größeren Betrag, der den Kaufpreis übersteigt, bereits vor Fälligkeit auf einem notariellen Konto zu hinterlegen“, sagte Weiss. Der Zeitpunkt sei offen. Lewentz hatte am Mittwoch von dem Plan einer vorfristigen Zahlung des Kaufpreises gesprochen.

Flughafen Hahn und die Chinesen: Bruchlandung auf dem Hunsrück-Airport

Flughafen Hahn und die Chinesen

Bruchlandung auf dem Hunsrück-Airport

Der Verkauf an chinesische Investoren steht vor dem Aus – KPMG muss sich peinlichen Fragen stellen.

Der rheinland-pfälzische Grünen-Landtagsfraktionschef Bernhard Braun sieht Defizite bei der Prüfung des Käufers. „Die Bonität ist zwar nachgewiesen, aber wir hätten uns das etwas deutlicher gewünscht“, sagte Braun der dpa. „Das ist schlecht gelaufen, das ist eindeutig.“ Er betonte aber, es gehe nicht um Kritik an der Landesregierung.

Braun bezog sich auf die Kontrolle durch die Wirtschaftsprüfer der KPMG. Er hält am Verkauf fest und sprach vom „richtigen Weg“. Die KPMG hatte die Bonität des Käufers geprüft. Der Vertrag mit Rheinland-Pfalz ist unterschrieben, der Landtag muss aber noch zustimmen. Dieser Prozess war am Mittwoch auf Eis gelegt worden.

Von

dpa

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