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06.06.2016

13:22 Uhr

Flughafen Hahn vor Verkauf

Die maue Bilanz der Chinesen-Airports

Der Flughafen Hahn geht an Chinesen. Die bisherige Bilanz von Investoren aus Fernost bei deutschen Flughäfen ist allerdings eher ernüchternd. Auch in Hahn fehlt es noch an einem tragfähigen Geschäftsmodell.

Der Eigner, die chinesische Link Global Logistics, sucht nach einem nachhaltigen Geschäftsmodell dpa

Flughafen Parchim

Der Eigner, die chinesische Link Global Logistics, sucht nach einem nachhaltigen Geschäftsmodell

HahnDer vor allem von der Billigfluglinie Ryanair genutzte Flughafen Frankfurt Hahn geht in chinesische Hände. Rheinland-Pfalz verkaufe seinen Airport-Anteil von 82,5 Prozent für einen niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag an die Firma Shanghai Yiqian Trading, teilte das Bundesland am Montag mit. Der Käufer sei in den Branchen Luftfahrt, Logistik und internationaler Handel tätig.

Die übrigen 17,5 Prozent an dem hoch defizitären Flughafen hält Hessen, das noch über den Verkauf seiner Anteile verhandelt, sich aber ebenfalls auf der Zielgeraden sieht. Dem Vernehmen nach geht es um denselben chinesischen Investor.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen

Putzmeister

Der Betonpumpen-Weltmarktführer Sany Heavy Industry übernimmt im Januar 2012 das schwäbische Unternehmen für gut 320 Millionen Euro.

Kiekert

Der Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernimmt 2012 den Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme aus Heiligenhaus (NRW).

Schwing

Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) wird im April 2012 Mehrheitseigener des westfälischen Betonpumpenherstellers. Der Verkaufspreis des Herner Unternehmens soll bei rund 300 Millionen Euro liegen.

Kion

2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

Solibro

Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells vereinbart im Juni 2012 den Verkauf seiner Tochterfirma mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen an die Pekinger Hanergy Holding Group.

Sunways

Der Konstanzer Photovoltaik-Konzern ging 2012 zum Schnäppchenpreis an den chinesischen Solarriesen LDK Solar. Doch 2013 und 2014 reichte Sunways jeweils einen Insolvenzantrag ein. Teile des Unternehmens wurden in der Folge an den chinesischen Solarkonzerns Shunfeng verkauft.

Tailored Blanks

Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Koki Technik Transmission Systems

Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Hilite

Avic übernimmt 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.

Krauss-Maffei

Im Januar 2016 verkauft Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

EEW

Die chinesische Holding Beijing Enterprises kauft im Februar 2016 den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt für 1,438 Milliarden Euro. Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. EEW hat nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Die 18 Anlagen der Gruppe können jährlich rund 4,7 Millionen Tonnen Abfall zu Energie machen und umweltschonend beseitigen. Die Fabriken erzeugen Prozessdampf für Industriebetriebe, Fernwärme für Wohngebiete und Strom für umgerechnet rund 700.000 Haushalte.

Manz

Die Shanghai Electric Group steigt im Frühjahr mit Anteilen von etwa 20 Prozent bei dem angeschlagenen Maschinenbauer ein.

Kuka

Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie. Der chinesische Midea-Konzern hat Kuka ein Übernahmeangebot im Umfang von 4,5 Milliarden Euro gemacht und mit dessen Hilfe knapp 95 Prozent der Kuka-Anteile übernommen.

Shanghai Yiqian Trading kündigte am Montag einen deutlichen Ausbau des Frachtgeschäfts an. Man sei im Gespräch mit der ebenfalls in China ansässigen Frachtfluggesellschaft Yangtze River Express, damit diese an den Airport zurückkehre, sagte der Generalbevollmächtigte Yu Tao Chou. Die Airline hatte den Flughafen im Hunsrück 2015 verlassen und damit einen massiven Einbruch im Frachtgeschäft verursacht. Außerdem wird laut Chou über mehr Flüge mit leicht verderblichen Waren wie Essen nachgedacht. Langfristig solle auch das Passagiergeschäft ausgebaut werden, etwa mit Angeboten für asiatische Touristen sowie in Gesprächen mit dem irischen Billigflieger und Hahn-Nutzer Ryanair. Chou meinte: „Ich habe mein Herz an den Flughafen Hahn verloren.“

Hahn ist einer der ehemaligen Militärflughäfen in Deutschland, die kein tragfähiges Geschäftsmodell gefunden haben. Eines der größten Probleme ist, dass Hauptnutzer Ryanair seit Jahren sein Angebot dort schrumpft und seine Flugzeuge lieber an großen Flughäfen wie Köln einsetzt. Voriges Jahre zählte Hahn nur noch 2,7 Millionen Passagiere, vor zehn Jahren waren es noch knapp vier Millionen. Für 2016 wird bisher ein Defizit von rund 16 Millionen Euro erwartet.

Der Flughafen Hahn ist nicht der erste Regional-Airport, der in chinesische Hände geht. Doch die bisherige Bilanz chinesischer Investoren im deutschen Flughafengeschäft ist eher ernüchternd. So hatte der Unternehmer Chen Yongqiang im Jahr 2014 mit seiner Firma Puren den Flughafen Lübeck übernommen – begleitet von großen Hoffnungen. Chen wollte unter anderem eine Flugschule in Lübeck etablieren sowie den Airport als Drehscheibe für den Medizintourismus ausbauen. Nichts von all dem wurde umgesetzt.

Im vergangenen Jahr zog sich Puren zurück, der Flughafen musste im September 2015 zum zweiten Mal Insolvenz anmelden. Seitdem sucht Insolvenzverwalter Klaus Pannen nach einem neuen Investor. Doch die Verhandlungen mit potentiellen Interessen ziehen sich. Nach wie vor ist die Zukunft des Flughafens ungewiss, zumal sich im April mit der Wizz Air die letzte Airline dort zurückgezogen hat und es keinen Linienflugbetrieb mehr in Lübeck gibt.

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