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26.03.2014

15:59 Uhr

Flughafen-Streik

Lufthansa streicht ab Donnerstag 600 Flüge

Am Donnerstag streiken die Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes an vielen Flughäfen. Die Lufthansa wird an ihren Drehkreuzen massiv getroffen. Annullierungen sind die Folge, teilweise fallen Verbindungen bis Montag aus.

Streik legt Lufthansa lahm

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FrankfurtWegen des Verdi-Flughafenstreiks an diesem Donnerstag streicht die Lufthansa fast 600 Flüge. Einzelne Verbindungen fallen bis zum 31. März aus, wie aus einer am Mittwoch im Internet veröffentlichten Liste hervorgeht. Das habe aber nichts mit dem Verdi-Warnstreik zu tun, erklärte ein Sprecher.

Die Gewerkschaft Verdi ruft die Beschäftigten der beiden Lufthansa-Drehkreuze Frankfurt und München sowie der Airports in Köln-Bonn, Düsseldorf, Hamburg, Hannover und Stuttgart am Donnerstag dazu auf, die Arbeit niederzulegen. Der Ausstand soll von den frühen Morgenstunden bis etwas 14.00 Uhr dauern.

In Mitleidenschaft gezogen werden etwa die Abfertigung, Gepäckförderanlagen oder die Wartung der Airports. Nach Aussagen von Verdi vom Dienstag dürften allein in Frankfurt 1200 Flughafen-Beschäftigte an dem Streik teilnehmen. Die Lufthansa sprach am Mittwoch von bis zu 6000 Mitarbeitern im Ausstand.

Die Rechte der Fluggäste bei Streiks

Stornierung und Umbuchung

Einen wegen Streiks gestrichenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist - und auch länger, da ein Rückstau entstehen könnte.

Verspätung

Bei Flügen bis zu 1500 Kilometern haben Fluggäste ab zwei Stunden Verspätung Anspruch auf Betreuungsleistungen - also Telefonate, Getränke, Mahlzeiten und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel. Bei einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden, ab 3500 Kilometern Strecke nach vier Stunden. Ab einer Wartezeit von fünf Stunden können Passagiere eine Erstattung des Flugpreises verlangen.

Pünktlichkeit

Auch bei einer großen absehbaren Verspätung sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann - und der Reisende ihn dann verpasst.

Entschädigung

Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro - aber nur, wenn kein „außergewöhnlicher“ Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks aber wie miserables Wetter als außergewöhnlichen Umstand - und zahlen eine Entschädigung dann nicht. Zu Recht, wie der Bundesgerichtshof (BGH) nun entschied: Streiks auch der eigenen Piloten sind „außergewöhnliche Umstände“, die von Airlines „nicht beherrscht“ werden können, heißt es in dem Urteil.

In Frankfurt und München werden nahezu alle innerdeutschen Flüge und Europaverbindungen der Lufthansa bis 14 Uhr annulliert. Ausgenommen davon seien Flüge der Tochter Germanwings und die der Regionaltöchter von und nach München. Diese Flüge könnten voraussichtlich durchgeführt werden, teilte die Lufthansa mit. Betroffen seien auch die Langstreckenverbindungen von und nach Frankfurt und München.

Fluggäste werden gebeten, sich auf der Website des Unternehmens zu informieren. Für innerdeutsche Tickets ist ein Umtausch in Bahnfahrkarten vorgesehen. Umbuchungen seien kostenfrei möglich.

Als unverantwortlich bezeichnete der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Joachim Pfeiffer (CDU), die von Verdi geplanten Warnstreiks. Grundsätzlich seien Streiks ein legitimes Mittel der Tarifautonomie. „Allerdings müssen Mittel und Zweck in einem angemessenen Verhältnis stehen“, sagte Pfeiffer Handelsblatt Online. „Im Flugsektor sind bei einem weitflächigen Streik Millionen unbeteiligte Bürger und tausende Unternehmen negativ betroffen, obwohl sie nichts für die Tarifauseinandersetzung können.“ 

Pfeiffer rief vor diesem Hintergrund beide Verhandlungsseiten auf, vor einem Arbeitskampf alle Verhandlungsmöglichkeiten auszuschöpfen. „Angesichts dessen halte ich die Streikaufforderung von Verdi zum jetzigen Zeitpunkt für unverantwortlich“, fügte der CDU-Politiker hinzu. „Statt mit ihren Streikwellen unbeteiligte Dritte zu schädigen, ist Verdi aufgefordert, den Konflikt am Verhandlungstisch beizulegen.“

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