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11.03.2013

19:28 Uhr

Flughafen Tegel

Mehdorn stiftet Verwirrung

Hartmut Mehdorn bleibt sich treu. Er bürstet gern gegen den Strich. Bei seinem ersten Auftritt als Berliner Flughafenchef regte er an, den alten Airport Tegel nicht zu schließen und stiftete damit Verwirrung.

Hartmut Mehdorn sorgt für Verwirrung. dpa

Hartmut Mehdorn sorgt für Verwirrung.

PotsdamDer neue Chef des Hauptstadtflughafens, Hartmut Mehdorn, will bei dem Neubau das Tempo erhöhen. „Wir müssen sehen: Welche Möglichkeiten gibt es zur Beschleunigung“, sagte Mehdorn am Montag vor einem Sonderausschuss im Potsdamer Landtag. „Ich bin der Meinung, dass es die gibt.“ Mehdorn brachte an seinem ersten Arbeitstag zudem überraschend die Offenhaltung des Flughafens Berlin-Tegel ins Gespräch. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) stellte klar, Tegel müsse gemäß der Planfeststellung ein halbes Jahr nach der Inbetriebnahme des Neubaus schließen. Tegel sei Geschichte, wenn der Flughafen Berlin Brandenburg geöffnet sei.

Mehdorn sagte vor den Abgeordneten: „Muss man Tegel wirklich schließen, oder kann man nicht die Last ein bisschen gleich auf die Stadt verteilen?“ Und: „Charterflüge in Tegel - was wäre so schlimm daran? Ist nicht so viel, die fliegen auch nicht nachts.“ Schlauer zu werden, sei nicht verboten. Wenig später korrigierte sich Mehdorn. Er habe gemeint, wenn die Nordbahn in Schönefeld wie geplant saniert werde, müsse man gegebenenfalls Flüge nach Tegel verlagern und Tegel dafür ein paar Monate länger offen halten.

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Bei der Fertigstellung des neuen Flughafens müsse man bereit sein, auch außerhalb der Norm zu denken, sagte Mehdorn. Er freue sich auf seine Aufgabe, den Flughafen ans Netz zu bringen. „Die ganze Welt sagt: Es geht gar nicht. Ich sage: Es müsste gehen, aber ich weiß auch noch nicht wie.“ Die Eröffnung des Flughafens Berlin Brandenburg war ursprünglich für Oktober 2011 vorgesehen. Nach der vierten Verschiebung im Januar gibt es noch keinen neuen Termin für die Inbetriebnahme. Technikchef Horst Amann hat bereits deutlich gemacht, dass mit einer Inbetriebnahme vor dem Herbst 2014 nicht zu rechnen ist. Nach wie vor haben die Ingenieure die Brandschutzanlage nicht im Griff.

Auch in der Frage der Nachtflüge wurden Differenzen zwischen Mehdorn und Platzeck deutlich. Mehdorn erneuerte seine Absage an ein strengeres Nachtflugverbot. „Als Flughafenchef kann ich nicht dafür sein.“ Platzeck will mehr Nachtruhe für die Anwohner erreichen und reagiert damit auf ein Volksbegehren, das der Landtag angenommen hat. „Es ist nicht so, dass ich eine tote Maus zurückschieben wollte“, sagte Mehdorn. Volksbegehren seien aber Sache der Politik. Er sagte, moderne Flugzeuge würden immer leiser. „Wenn der BER offen ist, wird es weniger laut als viele Leute glauben.“

Das Gehalt Mehdorns will sein Arbeitgeber erst im kommenden Jahr veröffentlichen. Die Betreibergesellschaft verwies auf den Geschäftsbericht für 2013, der im Frühjahr nächsten Jahres erscheint. Der frühere Bahn- und Air-Berlin-Chef hat einen Dreijahresvertrag. Laut „Bild“-Zeitung (Montag) erhält Mehdorn ein Grundgehalt von 600 000 Euro im Jahr, zudem sei ein leistungsabhängiger Bonus von 150 000 Euro vereinbart. Das Jahresgehalt seines Vorgängers Rainer Schwarz hatte bei 555 000 Euro gelegen.

Mehdorns Bezüge bei seinen vorigen Arbeitgebern lagen höher: Bei Air Berlin erhielt er laut Geschäftsbericht 2011 für vier Monate als Vorstandschef 335 000 Euro, das Jahressalär käme rechnerisch auf eine Million. In seinem letzten vollständigen Jahr als Bahnchef 2008 bekam er 1,944 Millionen Euro. 2009 verließ Mehdorn den Staatskonzern vorzeitig mit einer Abfindung von 4,99 Millionen Euro.

Von

dpa

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

11.03.2013, 20:25 Uhr

Ist nicht so schwer zu verstehen, Handelsblatt.
Mehdorn will sich halt Reserve-Flugkapazitäten sichern, was ist daran verwirrend? Nach all den unfassbaren Verzögerungen? Das Handelsblatt weiß natürlich, dass unsere Politclowns bereits unsinnige Milliardenausgaben in den Sand gesetzt haben, kann dieses aber offensichtlich nicht richtig einordnen.
Die Berlin-Brandenburger brauchen nicht weniger Fluglärm, sondern mehr, damit Sie mal ordentlich aufgeweckt werden.

Account gelöscht!

11.03.2013, 20:32 Uhr

Kleiner App: Verwirrend ist eher, dass Mehdorn in diesem neuen Job auf die fast vollzählige alte Versagergarde trifft. Ich beneide ihn nicht.

Account gelöscht!

11.03.2013, 20:58 Uhr

"Muss man Tegel wirklich schließen, oder kann man nicht die Last ein bisschen gleich auf die Stadt verteilen?"
Da hat Mehdorn mal etwas sehr Vernünftiges gesagt, und schon korrigiert er sich wieder.
Zu glauben, auf Dauer mit nur einem Flughafen in Berlin auskommen zu können, war überhaupt der Kardinalfehler bei der ganzen BER-Planung.
Möglicherweise wird man aber auch schon durch die weitere Entwicklung dazu gezwungen, Tegel zu erhalten (auch wenn der Brandenburger Platzeck was dagegen hat).

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