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01.11.2012

19:15 Uhr

Flughafendebakel in Berlin

Eröffnung muss nicht erneut verschoben werden

Allen Spekulationen um eine Entlassung zum Trotz darf der Berliner Flughafenchef weiter im Amt bleiben. Konsequenzen wird es trotzdem geben. Indes liege man für den neuen Eröffnungstermin im Zeitplan, heißt es.

Der Ministerpräsident Matthias Platzeck, Bürgermeister Klaus Wowereit, der Staatssekretär Rainer Bomba, und Flughafenchef Rainer Schwarz (v.l.). dapd

Der Ministerpräsident Matthias Platzeck, Bürgermeister Klaus Wowereit, der Staatssekretär Rainer Bomba, und Flughafenchef Rainer Schwarz (v.l.).

Berlin/SchönefeldDer Eröffnungstermin 27. Oktober 2013 für den künftigen Berliner Großflughafen muss nach Aussage des Aufsichtsrates nicht erneut verschoben werden. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte am Donnerstag nach einer Sitzung des Aufsichtsrats: „Wir sind im Zeitplan.“ Zudem bleibt der umstrittene Flughafenchef Rainer Schwarz trotz des Airportdebakels im Amt.

Der Aufsichtsrat der Berliner Flughafengesellschaft unter dem Vorsitzenden Wowereit beschloss jedoch, die Rolle von Schwarz bei dem Termindebakel aufklären zu lassen. Dazu sollen eine Anwaltskanzlei und eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft die Haftungsfragen klären, sagte Wowereit. Die Ergebnisse sollen bis zum ersten Quartal 2013 vorliegen. Die Prüfung der Haftung beziehe sich auf die gesamte Geschäftsführung und auch auf den Aufsichtsrat, ergänzte ein Flughafensprecher.

Der steinige Weg zum Hauptstadtflughafen

1990er Jahre

Januar 1992: Beginn der Planungen für den Flughafen mit dem Projektnamen Berlin Brandenburg International, BBI.
Juni 1996: Der Ausbau des Flughafens Schönefeld sowie die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof werden beschlossen.

2004-2005

August 2004: Das Genehmigungsverfahren für den BBI wird mit dem Planfeststellungsbeschluss abgeschlossen.
April 2005: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhängt im Eilverfahren einen weitgehenden Baustopp.

2006-2008

März 2006: Das Gericht genehmigt in letzter Instanz den Bau des BBI unter verschärften Lärmschutzauflagen.
Juli 2008: Erster Spatenstich für das Flughafen-Terminal.
Oktober 2008: Nach 85 Jahren schließt der Flughafen Tempelhof.

2010-2011

Juni 2010: Unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma wird die Eröffnung von Ende Oktober 2011 auf 3. Juni 2012 verschoben.
Oktober 2011: Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in Stunden am späten Abend und am frühen Morgen.

Januar 2012

Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung legt die umstrittenen künftigen Flugrouten fest.

Mai 2012

Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen mit der Brandschutzanlage die Eröffnung des Flughafens erneut abgesagt. Später wird Chefplaner Manfred Körtgen entlassen.

August 2012

Der Aufsichtsrat lässt - anders als geplant - weiter offen, ob der BER wirklich am 17. März 2013 eröffnet werden kann, und verschiebt die Entscheidung. Eine Finanzspritze soll den Flughafen vor der Zahlungsunfähigkeit retten.

September 2012

Auf Vorschlag des neuen Technikchefs Horst Amann wird die Eröffnung noch einmal verschoben und auf den 27. Oktober 2013 terminiert. Die Gesellschafter beschließen, 1,2 Milliarden Euro für Mehrkosten nachzuschießen.

Januar 2013

6. Januar: Es wird bekannt, dass der 27. Oktober als Eröffnungstermin nicht zu halten ist.
16. Januar: Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz von Berlins Regierungschef Klaus Wowereit (beide SPD). Der Aufsichtsrat entlässt Flughafenchef Rainer Schwarz. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll Technikchef Amann die Betreibergesellschaft führen.

Februar 2013

13. Februar: Der frühere Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, soll Chefberater für die Geschäftsführung werden, kündigt Platzeck an. Bender war zunächst als neuer Flughafenchef im Gespräch.
19. Februar: Rot-Rot in Brandenburg will ein Volksbegehren für ein strengeres Nachtflugverbot mittragen und löst heftigen Streit mit Berlin aus.

März 2013

4. März: Bender wird nicht Chefberater des Flughafens. Er sagt nach Querelen hinter den Kulissen ab.
7. März: Die Idee, Technikchef Amann einen Berater zur Seite zu stellen, ist nach Angaben von Platzeck vorerst vom Tisch. Es solle zügig ein neuer Flughafenchef gefunden werden.
8. März: Der frühere Chef von Deutscher Bahn und Air Berlin, Hartmut Mehdorn, wird neuer Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, teilt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) mit.

Sonderermittler aus dem Bundesverkehrsministerium hatten Schwarz vorgeworfen, den Aufsichtsrat im Frühjahr zu spät über die unvermeidliche Absage der Flughafeneröffnung informiert zu haben. In den vergangenen Wochen gab es daher Spekulationen um eine mögliche Entlassung von Schwarz. Die Landesregierungen von Berlin und Brandenburg hatten zuletzt aber signalisiert, Schwarz zu halten. Gesellschafter des Flughafens sind der Bund, Berlin und Brandenburg.

Der Eröffnungstermin wurde bereits dreimal verschoben. Als problematisch erweist sich nach wie vor die Brandschutzanlage, an der bereits der Eröffnungstermin 3. Juni gescheitert war.

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Der seit drei Monaten amtierende Technikchef Horst Amann sagte nun, bei der Fertigstellung der Entrauchungsanlage im Terminal sei man „im grünen Bereich“. Es gehe nur um einen „geringfügigen Umbau“. Mitte November werde es mit den Bauarbeiten wieder „richtig losgehen“. Nach dem Zeitplan müssen die Bauarbeiten bis Ende Mai abgeschlossen sein, damit dann ein fünfmonatiger Probebetrieb beginnen kann.

Amann sagte, auch die Neuvergabe von Aufträgen für die Bauüberwachung werde „den Zeitplan nicht in Verzug bringen“. Die Fristen für entsprechenden Ausschreibungen seien kurz. Es gehe vor allem um eine Verstärkung der Überwachungsteams.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

01.11.2012, 16:44 Uhr

Die Flughafengesellschaft hat die Berliner in der Flugroutenfrage hinters Licht geführt. Bei den betroffenen Berlinern im Süden, Osten und Westen der Stadt haben der Chef der Flughafengesellschaft und deren Aufsichtsratsvorsitzender Wowereit deshalb jegliches Vertrauen verspielt.

Peter

01.11.2012, 17:00 Uhr

Ich prognostiziere hier schon mal das späteste Verfallsdatum von Matthias Platzeck als Brandenburger MP: Es ist der 28. Oktober 2013.

denk.mal

01.11.2012, 17:12 Uhr

Der Flughafenbau war zu jedem Zeitpunkt im Plan. Das Problem war, dass der Plan nicht nah genug an den Notwendigkeiten eines solchesn Pojekts war.

Jetzt gibt es einen neuen Plan, der ein paar blinde Flecken ausmerzt und andere weiterhin offen lässt. Der Termin ist einfach nur so gewählt, dass man das bis dahin prinzipiell in den Griff bekommen können müsste. Eine echte Projektplanung findet doch gar nicht statt.

Insofern braucht der Aufsichtsrat erst gar nicht zu tagen. Das abgegebene Statement ist komplett beliebig. Lediglich die Wahrscheinlichkeit, dass das Ding mit anderthalb Jahren Verspätung fertig wird, ist größer als die, dass es pünktlich hätte fertig werden können.

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