Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.10.2013

16:50 Uhr

Flughafengebühren

Spanien subventioniert Ryanair und Co.

Die spanische Regierung will die Billigflieger locken. Flughafengebühren werden gesenkt, für neue Strecken fallen gar keine Gebühren mehr an. Die Ankündigung steht im krassen Widerspruch zu Plänen der EU.

Ryanair-Chef Michael O'Leary am Flughafen El Prat in Barcelona: Der Billigflieger kann sich freuen, Spanien senkt die Flughafengebühren. dpa

Ryanair-Chef Michael O'Leary am Flughafen El Prat in Barcelona: Der Billigflieger kann sich freuen, Spanien senkt die Flughafengebühren.

MadridSpanien will mit der Senkung der Flughafengebühren den Luftverkehr wieder ankurbeln. In einigen Fällen würden die Abgaben sogar gänzlich gestrichen, teilte die Regierung am Montag mit. In den vergangenen zwei Jahren hatten sich die Tarife allein an Spaniens zwei größten Flughäfen Madrid und Barcelona verdoppelt. Billigflieger Easyjet schloss daraufhin seinen Madrider Standort und Konkurrent Ryanair kappte die Zahl der Flüge und Routen.

Nun also folgt die Kehrtwende. Zum 1. Januar würden die Gebühren für Routen, auf denen sich das Passagieraufkommen erhöhe, um 75 Prozent gesenkt. Für neue Strecken fielen gar keine Gebühren mehr an. Durch diese Maßnahmen könnte sich das Passagieraufkommen an den 46 Flughäfen des Landes um rund zwei Prozent erhöhen, sagte Verkehrsministerin Ana Pastor. In den ersten neun Monaten waren die Passagierzahlen um 4,9 Prozent gesunken.

Die indirekte Subventionierung der Billigairlines durch Spanien steht im Widerspruch zu Plänen der EU, dass Regionalflughäfen in Europa künftig weniger Geld vom Steuerzahler bekommen sollen – auch wenn bei der Streichung von Flughafengebühren natürlich nicht direkt Steuergeld fließt. Den betroffenen Flughäfen werden dadurch aber Einnahmen genommen, die dann oft der Staat ausgleichen muss.

Die größten europäischen Billigflieger

Platz 10

Wizz Air: 42 Flugzeuge

Die ungarische Fluglinie Wizz Air hat ihr Streckennetz vor allem in Osteuropa. In Deutschland fliegt sie mit ihren 42 Airbus A320 die Flughäfen in Dortmund, Frankfurt-Hahn, Köln/Bonn, Lübeck und Memmingen an.

Quelle: DLR Low-Cost-Monitor 1/2014 (Stand: Frühjahr 2014). Es wurden ausschließlich in Deutschland operierende Airlines in das Ranking aufgenommen.

Platz 9

Jet 2: 49 Flugzeuge

Die britische Billig-Airline Jet 2 gibt es erst seit dem Jahr 2002, trotzdem hat sie mit 49 Flugzeugen eine der größten Flotten unter den europäischen Billig-Airlines. Mit ihren 38 Boeing 737-Maschinen und elf Boeing 757 fliegt die Airline viele Urlaubsziele im Mittelmeer und außerdem New York City an.

Platz 8

Germanwings: 55 Flugzeuge

Die Lufthansa-Tochter bleibt in den Top Ten der europäischen Billigflieger. Germanwings kommt der Aufstellung zufolge auf 55 Flugzeuge in der Flotte. Weil die Lufthansa allerdings noch weitere Flugverbindungen und Maschinen an die Tochter abgibt, wird die Zahl der Flieger noch zunehmen.

Platz 7

Flybe: 59 Flugzeuge

Die britische Airline Flybe betreibt mit 37 Maschinen die größte Flotte an Bombardier Dash Q8-400 Maschinen weltweit. Dazu kommen 22 Flieger von Embraer. Flybe hat seinen Sitz in Southampton und fliegt in Deutschland die Flughäfen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Stuttgart an.

Platz 6

Vueling: 72 Flugzeuge

Die spanische Fluggesellschaft Vueling startete im Jahr 2004. Die Flotte der Billig-Airline besteht aus Flugzeugen der Typen Airbus A320 und A319. Der Billigflieger gehört mittlerweile zur International Airline Group (IAG), der Mutter von British Airways und Iberia. Die Flotte wächst weiter – auch dank der Übernahme von Iberia-Verbindungen.

Platz 5

Air Berlin: 88 Flugzeuge

Die Netzwerk-Airline Air Berlin ist ebenfalls im Ranking vertreten – mit Strecken, die als Low-Cost-Flüge gelten (siehe Hinweis). Die Fluggesellschaft hat 41 Airbus A319, A320 und A321, 46 Boeing 737 und eine ATR in der Flotte.
Hinweis: Das DLR spricht bei Air Berlin von einer „Grauzone“, in der mehrere Geschäftsmodelle Anwendung finden. In das Ranking wurden nur die bisherigen Low-Cost-Strecken der in Air Berlin aufgegangenen Fluggesellschaften aufgenommen. Bei der Flotte verhält es sich offenbar ähnlich. Die komplette Flotte von Air Berlin finden Sie hier.

Platz 4

Norwegian: 91 Flugzeuge

Zu Norwegian gehören 87 Boeing 737 und vier 787, viele davon sind mit Portraits berühmter skandinavischer Persönlichkeiten geschmückt. Norwegian gehört damit mittlerweile zu den großen im europäischen Luftraum.

Platz 3

HOP!: 102 Flugzeuge

Die Fluggesellschaft ist neu im Ranking – und schießt gleich auf Rang drei vor. Das hat einen einfachen Grund: Der Zusammenschluss mehrerer ehemaliger französischer Regionalflieger unter dem Dach der Air France bedient erst seit kurzem den deutschen Markt.

Platz 2

Easyjet: 197 Flugzeuge

Die britische Fluglinie Easyjet ist die Nummer zwei der Billigflieger in Europa. Zu der wachsenden Flotte gehören 138 Airbus A319 und 59 Airbus A320.

Platz 1

Ryanair: 297 Flugzeuge

Mit einer Flotte von mehr als knapp 300 Flugzeugen ist Ryanair unumstritten die größte Billig-Airline in Europa. Und die Flotte wird noch größer: Bei Boeing haben die Iren zuletzt 175 neue Flugzeuge bestellt.

„Wir wollen keine Geisterflughäfen mehr“, hatte EU-Regionalkommissar Johannes Hahn im August der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ gesagt. Die EU wolle künftig von jeder Regierung ein Konzept für die Verkehrsplanung des ganzen Landes verlangen. „Damit man eben nicht an jeder Ecke einen Regionalflughafen hochzieht, wenn gleichzeitig neue Schnellbahnen den Luftverkehr überflüssig machen.“

In Deutschland ist vor allem der neue Flughafen Kassel-Calden umstritten. Der 271 Millionen Euro teure Flughafen war im April eröffnet worden. Kritiker bemängeln die Baukosten und eine mangelnde Auslastung.

Bei kleinen Flughäfen in Europa gibt es einen Subventionswettlauf, davon profitieren vor allem Billigflieger. Anfang Juli hatte die EU Pläne vorgestellt, wonach künftig Betriebsbeihilfen maximal zehn Jahre lang möglich sein sollen. Danach müssen sich Flughäfen selber tragen.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

pendler

14.10.2013, 16:59 Uhr

Wir fliegen selbst gerne mit Ryanair, weil es dort einfach schnell und reibungslos abgewickelt wird. Und die 10 kg Gepäck reichen auch vollkommen aus. Mehr muss nicht sein, zumal man notfalls überall nachkaufen kann, falls die mitgenommene Zahnpasta nicht reicht. Und wenn jetzt die Spanier daran gehen, die Wahn der europäischen Zentralisierung zu durchbrechen, so werde ich in Zukunft wieder häufiger dieses schöner Land der Orangen und Sangria besuchen.

Glückwunsch an Spaniern, ihr habt es verstanden.

Airliner

14.10.2013, 17:22 Uhr

Was soll so eine dämliche Überschrift?
Es ist allgemein bekannt, das Ryanair nur dort landet, wo die Flughafengebühren entweder erlassen werden oder drastisch unter den offiziellen Tarife gesenkt werden. Zahlen dürfen die Steuerzahler der Kommunen, die sich Eigentümer schimpfen.
Dies ist seit Jahren in Deutschland so und hat bisher nicht zu einer derartig effekthaschenden Überschrift bzw. zu einem solch einseitigen Artikel geführt! Beleuchten Sie doch mal, wieviel die deutschen Steuerzahler für solche Eskapaden zahlen dürfen.

hohutte

14.10.2013, 17:28 Uhr

Ich bin zwei mal mit Ryanair geflogen. Nie wieder! Das Geschäftsmodell ist an Abzocke kaum zu übertreffen. Selber Schuld, wer sich so abzocken lässt.
Selten so einen schwachsinnigen Plan gelesen.
Das was Spanien plant, ist ökonomischer Wahnsinn. Keine Flughafengebühren? Ach, und woher soll das Geld für die Begleichung der Kosten kommen? Genau STEUERGELD! Und das wahrscheinlich auch noch aus dem "Strukturmittelfonds" der EU. Jackput für Spanien und Ryanair, die auf Kosten der europäischen Bürger richtig abkassieren werden. Solche Ideen können nur von Politikern kommen, die kein wirtschaftliches Verständnis haben. Mein Beileid an alle Europäer: Die Spanier haben es - schon wieder - nicht verstanden!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×