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05.10.2012

11:22 Uhr

Fluglinie

Lufthansa will bei Jobverlust Abfindungen zahlen

Um Mitarbeiter für den geplanten Stellenabbau zu gewinnen, will der Konzern Abfindungen zahlen. Schnellentschlossene sollen teils Extra-Prämien erhalten. Weitere Firmenübernahmen stehen bei Lufthansa nicht auf dem Plan.

Mitarbeiter der Lufthansa Cargo auf dem Gelände des Frachtzentrums am Flughafen in Frankfurt am Main. dpa

Mitarbeiter der Lufthansa Cargo auf dem Gelände des Frachtzentrums am Flughafen in Frankfurt am Main.

Frankfurt/MainDie Lufthansa lockt bei ihrem geplanten Stellenabbau mit erhöhten Abfindungen. Mit dem Betriebsrat am zentralen Standort Frankfurt hat das Unternehmen nach eigenen Angaben Vereinbarungen über drei Wege getroffen, auf denen Mitarbeiter vorzeitig ausscheiden können. Vorgesehen sind Zahlungen bei einem früheren Renteneintritt, bei der Nutzung von Altersteilzeit wie auch bei Aufhebungsverträgen, hieß es am Freitag in der Mitarbeiterzeitschrift „Lufthanseat“. Bei den beiden letztgenannten Möglichkeiten soll es bis zu bestimmten Fristen Extra-Prämien für Schnellentschlossene geben.

Voraussetzung für die Abfindungen aus dem neuen Programm sei die „doppelte Freiwilligkeit“ sowohl des Beschäftigten als auch des Arbeitgebers. Bislang gilt die Vereinbarung nur für Frankfurt, während an den anderen Standorten noch Verhandlungen laufen. Lufthansa hat im Rahmen ihres Sparprogramms „Score“ den Abbau von 3500 Verwaltungsstellen angekündigt, davon rund 2500 im Inland. Ob auch anderen Beschäftigten die Abfindungen angeboten werden sollen, blieb zunächst unklar.

Lufthansa-Chef Christoph Franz hat Spekulationen über die mögliche Übernahme weiterer Fluggesellschaften klar zurückgewiesen. „Unter unserem Dach ist derzeit kein Platz für zusätzliche Partner“, sagte der Manager laut einem Bericht der Mitarbeiterzeitschrift „Lufthanseat“ vor Führungskräften in Seeheim.

Europas größte Fluggesellschaft hatte zuletzt grundsätzliches Interesse an der portugiesischen Fluglinie TAP bekundet, verzichtete laut Medienberichten jedoch am Ende auf eine Offerte. Auch als möglicher Käufer der skandinavischen SAS wird die Lufthansa immer wieder ins Spiel gebracht.

Laut Franz steht statt Übernahmen jetzt der Umbau des bestehenden Geschäfts im Vordergrund. „Zwar erreichen wir bei Passagierzahlen und Erlösen historische Marken, aber wir müssen unser Haus für die Zukunft fit machen“ sagte er. „Dafür sind schnelle Veränderungsprozesse notwendig, selbst wenn wir in der Öffentlichkeit dafür keinen Applaus bekommen.“

Die Lufthansa versucht derzeit mit einem 1,5 Milliarden Euro schweren Sparprogramm mehr Luft für künftige Investitionen zu bekommen. Dazu sollen unter anderem die Direktverkehre in Deutschland und Europa mit der Billigtochter Germanwings zusammengelegt werden. Das Management will mit der Neuorganisation die Millionenverluste im Europaverkehr außerhalb der Drehkreuze Frankfurt und München eindämmen.

Von der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo kommt Gegenwind: Die Flugbegleiter von Germanwings verdienen laut Ufo bis zu 40 Prozent weniger als ihre Kollegen bei der Lufthansa. Die Gewerkschaft fürchtet, dass rund 1200 Lufthanseaten zu einem Wechsel gezwungen werden könnten und die billigeren Konditionen später auf weitere Unternehmensbereiche ausgeweitet werden könnten. Ufo und Lufthansa versuchen gerade, den Tarifkonflikt, der bereits zu Streiks der Flugbegleiter geführt hat, in einer Schlichtung zu lösen.

Von

dpa

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