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08.08.2011

15:27 Uhr

Fluglotsen

Wie Fluggesellschaften auf den Streik reagieren

Die Fluggesellschaften rüsten sich für den für morgen anberaumten Streik der Fluglotsen. Wie es gelingen soll, dass der Ausstand so wenige Flüge wie möglich betrifft.

Gericht urteilt erneut zu Fluglotsenstreik

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Frankfurt/BerlinWegen des möglichen Streiks der Fluglotsen haben mehrere Airlines ihre Flüge auf die frühen Morgenstunden des Dienstags vorgezogen. Bei der Lufthansa sollen am Dienstag einige Maschinen nach Frankfurt, München und Düsseldorf früher starten, sagte ein Lufthansa-Sprecher am Montagmittag auf Anfrage.

Air Berlin hatte bereits am Mittag 21 Flüge auf 5.15 Uhr vorverlegt. „Es könnten noch weitere folgen“, sagte eine Air-Berlin-Sprecherin. Reisende sollten sich auf den Internetseiten und über die Telefonhotlines über ihre Flugzeiten informieren.

Was tun, wenn der Flug ausfällt?

Wer hilft, wenn mein Flug vom Streik betroffen sein könnte?

Erster Ansprechpartner für Flugreisende ist immer die Fluggesellschaft, bei Pauschalreisen der Reiseveranstalter. Auch die Flughäfen bieten auf ihren Internetseiten meist ausführliche Informationen über die aktuellen Flug- und Ankunftszeiten. Bei Informationen aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg zu haben.

Was kann ich tun, wenn mein Flug ausfällt?

Wird ein Flug wegen eines Streiks gestrichen, kann man ihn entweder stornieren oder umbuchen. Bei einer Stornierung bekommt man das Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will und den Flug umbucht, hat Anspruch auf einen späteren Flug - das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist.

Was ist, wenn sich mein Flug verspätet?

Bei Flügen über eine Strecke von bis zu 1500 Kilometern haben Fluggäste laut EU-Verordnung ab einer Wartezeit von zwei Stunden Anspruch auf Betreuungsleistungen. Dazu gehören Telefonate, Getränke, Mahlzeiten und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel.

Welche Wartezeiten gelten bei Langstreckenflügen?

Bei Langstreckenflügen müssen Passagiere länger warten, bis ihnen die sogenannten Betreuungsleistungen zustehen: Auf einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden, ab 3500 Kilometern Strecke nach vier Stunden.

Muss ich trotzdem pünktlich am Flughafen sein?

Ja, auch bei einer absehbaren Verspätung sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugszeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann - und der Reisende ihn dann verpasst.

Bekomme ich eine Entschädigung, wenn mein Flug wegen des Streiks ausfällt?

Nein, bei Streiks gibt es keine Entschädigung. Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro - aber nur, wenn kein „außergewöhnlicher“ Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks aber wie miserables Wetter als außergewöhnlichen Umstand - und zahlen deshalb nichts.

Welche Regeln gelten bei Pauschalreisen?

„Reisende können bei einem Fluglotsenstreik keinen Schadenersatz für entgangene Urlaubsfreuden einklagen“, sagt der Hannoveraner Rechtsanwalt und Reisespezialist Paul Degott. Allerdings haben Urlauber Anspruch auf Rückzahlung des Reisepreises für nicht erbrachte Leistungen. Beginnt der Urlaub also wegen des Fluglotsenstreiks erst drei Tage später, muss der Veranstalter beispielsweise auch die Kosten für die entgangenen Hotelübernachtungen zurückerstatten.

Kann ich komplett von einer Pauschalreise zurücktreten?

Reisende können komplett von einem Pauschalurlaub zurücktreten, wenn der Abflug durch den Fluglotsenstreik erheblich verzögert wird: „Wenn der Wert der Reise um 30 bis 50 Prozent, also erheblich gemindert ist, können Reisende nach Vorankündigung von der Reise zurücktreten. Sie bekommen den Reisepreis komplett zurückbezahlt“, sagt Reiserechts-Experte Degott.

Was passiert, wenn ich Hotel und Mietwagen selbst gebucht habe?

Wer Hotel oder Mietwagen selbst gebucht hat und wegen des Fluglotsenstreiks zu spät in den Urlaub startet, bleibt auf den Kosten sitzen: Beim Hotel oder der Mietwagenfirma kann man keine Leistungsminderung wegen des verspäteten Fluges geltend machen.

Die Maschinen sollen nach den Plänen der Airlines noch vor Streikbeginn abheben. „Wir befinden uns noch in Planungen“, sagte die Sprecherin von Air Berlin. Um dem drohenden sechsstündigen Streik ab 6 Uhr am Dienstag auszuweichen, können auch Maschinen nach 12 Uhr verlegt werden. „Wenn es keinen Streik gibt, fliegen wir wahrscheinlich wieder zu den normalen Zeiten“, sagte die Sprecherin.

Um stärker in die Nacht ausweichen, verhandeln die betroffenen Flughäfen und -gesellschaften derzeit bundesweit mit den jeweiligen Landesaufsichtsbehörden, wie der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbands ADV, Ralph Beisel, der Nachrichtenagentur dpa am Montag sagte. Es gehe nicht um eine generelle Aufhebung der bestehenden Nachtflugverbote. In der Regel würden Ausnahmen nach Einzelfallprüfung genehmigt. Derzeit tue sich aber insbesondere Nordrhein-Westfalen noch schwer mit den Genehmigungen.

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Der größte deutsche Flughafen in Frankfurt bereitet sich auch auf einen möglichen Fluglotsenstreik vor. „Die Feldbetten haben wir aber nicht rausgeholt“, sagte ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport. Bei einem Ausstand am Dienstag könnten die Reisenden davon ausgehen, noch am selben Tag weiterzukommen. Zusätzliches Personal und Versorgungsmaterial seien für den Notfall eingeplant. „Wir können schnell reagieren“, sagte der Sprecher. Nach Angaben der Fraport könnten in Frankfurt 500 bis 600 Flüge betroffen sein.

Von

dpa

Kommentare (1)

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AndreAdrian

09.08.2011, 00:15 Uhr

Eine Schlichtung wäre das beste

Die Gewerkschaft hofft auf eine Schlichtung, der Arbeitgeber hofft auf ein Streikverbot durch die zweite Instanz. Das ist doch eine verrückte Welt in welcher der Arbeitgeber einen Streik riskiert und die Gewerkschaft eigentlich keinen Streik will. Der Arbeitgeber muss viel Angst vor der Schlichtung haben wenn er einen Streik als das kleinere Übel ansieht.

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