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13.04.2016

15:20 Uhr

Flugsicherung und Brüssel

Deutsche Fluglotsen wettern gegen die EU-Kommission

VonJens Koenen

Seit Jahren schon bastelt die EU-Kommission an einem einheitlichen Luftraum – ohne Fortschritt. Klaus-Dieter Scheurle, Chef der Deutschen Flugsicherung, glaubt nicht mehr an einen Erfolg und arbeitet an Alternativen.

Der einheitliche europäische Luftraum kommt bisher kaum voran. Reuters

Flughafen-Tower

Der einheitliche europäische Luftraum kommt bisher kaum voran.

LangenBevor er antwortet, lehnt sich Klaus-Dieter Scheurle zurück und schweigt einige Zeit. Dann folgen wenige aber um so klarere Worte. „So, wie die EU an das Thema herangeht, kann ich mir nicht mehr vorstellen, dass es vorangehen kann“, sagt der Chef der Deutschen Flugsicherung (DFS).

Es geht um den so genannten Single European Sky, den einheitlichen europäischen Luftraum. Der ist bislang zerklüftet, dominiert von nationalen Flugsicherungen, häufig mit eigener und untereinander nicht kompatibler Technologie. Die Folge: Die Luftraum-Überwachung ist komplex, teuer und schafft Umwege am Himmel. Die EU-Kommission tut sich unendlich schwer damit, einen Konsens unter den einzelnen Nationen herzustellen.

Der DFS-Chef arbeitet an Alternativen zum Single European Sky. dpa

Klaus-Dieter Scheurle

Der DFS-Chef arbeitet an Alternativen zum Single European Sky.

DFS-Chef Scheurle bastelt deshalb an einer eigenen Lösung des Problems. „Wir brauchen eine industriegetriebene Alternative.“ Sprich: Die einzelnen Flugsicherungen sollen aus eigenem Antrieb kooperieren und etwa auf der Seite der Technologie ein System nutzen. Erste solcher Kooperationsgruppen gibt es bereits. Das sei eine Art Vorstufe der Konsolidierung, sagt Scheurle.

Und die ist in den Augen des DFS-Chefs dringend notwendig. Vor allem, damit die europäische Luftfahrt weiter wachsen und gegen starke und aggressive Anbieter etwa in der Türkei und am Persischen Golf bestehen kann. Deshalb sei es auch so wichtig, dass die Bundesregierung an einem Luftverkehrskonzept arbeite. „Wenn alles so bleibt wie bisher, laufen wir Gefahr, den Anschluss zu verlieren“, mahnt der DFS-Chef.

Außerdem hilft die Konsolidierung den Flugsicherungen, effizienter zu werden. Denn die meisten von ihnen leiden unter hohen Kosten. Auch die deutsche DFS hat damit zu kämpfen – vor allem beim Thema Altersversorgung. Zwar steigerte das privatisierte, aber dem Bund gehörende Unternehmen im vergangenen Jahr den Umsatz um 8,7 Prozent auf 1,242 Milliarden Euro. Der Überschuss stieg sogar auf 122,4 Millionen Euro, nach nur 34,9 Millionen Euro im Vorjahr.

Doch das reiche nicht, um die Deckungslücke bei den Betriebsrenten zu schließen, die durch die Niedrigzinsen entstanden ist, klagt Scheurle. Immerhin 1,7 Milliarden Euro würden fehlen, „das ist der eineinhalbfache Jahresumsatz der DFS“.

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Bei den nächsten Tarifverhandlungen will er deshalb versuchen, einen Teil des Zinsrisikos auf die Schultern der Mitarbeiter zu laden. „Das geht aber nur im tariflichen Miteinander.“ Außerdem müsse der Bund Verständnis dafür zeigen, wenn es keine Dividende gebe.

Gleichzeitig baut die DFS seit einiger Zeit Personal ab. Bis 2019 sollen rund 600 Stellen verlorengehen, dann hätte die DFS noch 5500 Beschäftige. Gut zwei Drittel habe man bewältigt, „ausscheidende Kollegen werden nur zu 43 Prozent wieder ersetzt“.

Weil aber nach einer Dürrezeit 2015 die Zahl der Flugbewegungen wieder gewachsen ist – erstmals seit 2011 wieder auf über drei Millionen – setzt Scheurle verstärkt auf moderne Technologie, um diese Mehrarbeit bewältigen zu können. Ein Ansatz: Die Towerkontrolle kleinerer deutscher Flughäfen wird aus einem Zentrum heraus erledigt. Es wird in Leipzig angesiedelt sein und ab 2018 etwa Saarbrücken, Dresden, Erfurt, Münster-Osnabrück und Bremen übernehmen.

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