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20.11.2014

08:36 Uhr

Flugticket-Preise

Warum der Kerosinzuschlag trotz Billig-Öl nicht sinkt

Die Ölpreise sinken, Treibstoff für Flugzeuge wird immer billiger. Doch die Kerosinzuschläge der Airlines bleiben unverändert. Billigflieger Ryanair wirft Lufthansa, Air Berlin und Co. „Abzocke“ vor, die wehren sich.

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Ehrgeizige Ziele: Kann Ryanair vom Billigflieger-Image loskommen?

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FrankfurtFür Ryanair-Chef Michael O'Leary sind Kerosinzuschläge ein anderes Wort für „Spritabzockgebühren“. Der stets angriffslustige Ire wirft Lufthansa, Air France und Co. offen Missbrauch in Zeiten sinkender Spritpreise vor. „Wenn die Ölpreise steigen, sind die immer ganz schnell im Erhöhen dieser Kerosinzuschläge, aber wenn der Ölpreis fällt, extrem langsam. Das ist nur eine Abzocke“, gab O'Leary in einem Interview zu Protokoll.

Tatsächlich halten viele Fluggesellschaften wie British Airways oder die deutschen Branchengrößen Lufthansa und Air Berlin an ihren Zuschlägen fest, obwohl aktuell das Kerosin über 20 Prozent billiger ist als vor einem Jahr. Die Zuschläge sollen mindestens einen Teil der von den Airlines nicht zu beeinflussenden Kosten abdecken.

Doch für den Kunden sei der Zuschlag gar nicht relevant, sagt ein Lufthansa-Sprecher. „Wir werben ja ausschließlich mit dem Endpreis der Tickets und bewegen uns damit in einem äußerst wettbewerbsintensiven Marktumfeld.“ Tatsächlich sind die Netto-Erträge (Yields), also der variable Teil des Ticketpreises, seit Monaten auf Talfahrt. Für die Kunden sind Flugtickets in den letzten Monaten eher billiger geworden.

Das sind die größten Airlines der Welt

Platz 10

Air China ist die zweitgrößte Fluggesellschaft der Volksrepublik – und die einzige zivile Linie, der es erlaubt ist, die chinesische Nationalflagge auf ihren Flugzeugen anzubringen.
Passagiere 2014: 54,58 Millionen

Platz 9

Die Lufthansa ist die größte deutsche Fluggesellschaft und befördert den Großteil ihrer Passagiere auf internationalen Flügen.
Passagiere 2014: 59,85 Millionen

Platz 8

Easyjet aus Großbritannien ist nach Ryanair die zweitgrößte Billigfluggesellschaft der Welt.
Passagiere 2014: 62,31 Millionen

Platz 7

China Eastern Airlines hat seine Basis in Shanghai, fliegt trotz des Namens nicht nur Ziele im Osten des Landes an, sondern ist sowohl in ganz China als auch internationale unterwegs.
Passagiere 2014: 66,17 Millionen

Platz 6

Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair liegt im weltweiten Ranking auf Platz 6, in Europa ist aber keine Airline größer als das Unternehmen aus Dublin. Interessant: Ryanair bietet ausschließlich internationale Flüge an.
Passagiere 2014: 86,37 Millionen

Platz 5

American Airlines mit Sitz in Texas ist eine der ältesten Fluglinien der Welt, sie wurde bereits 1930 gegründet.
Passagiere 2014: 87,83 Millionen

Platz 4

Noch ein wenig älter ist United Airlines, ebenfalls aus den USA. Die Unternehmensgeschichte geht bis ins Jahr 1926 zurück.
Passagiere 2014: 90,44 Millionen

Platz 3

China Southern Airlines ist die größte Fluggesellschaft Asiens. Den Großteil ihrer Passagiere befördert die Airline auf Flügen innerhalb Chinas.
Passagiere 2014: 100,68 Millionen

Platz 2

Southwest Airlines aus den USA ist eine Billigfluggesellschaft mit Sitz in Dallas. 1967 gegründet, ist das Unternehmen Pionier des Billigflugsegments. Sie bietet fast ausschließlich Flüge innerhalb der USA an.
Passagiere 2014: 129,09 Millionen

Platz 1

Delta Air Lines gehört zu den drei verbliebenen traditionsreichen Linienfluggesellschaften in den USA. Ganz knapp verweist das Unternehmen die Southwest Airlines auf Rang zwei.
Passagiere 2014: 129,43 Millionen

Quelle: IATA

Für die klassischen Fluggesellschaften ist der starre Kerosinzuschlag tatsächlich so etwas wie eine interne Rechengröße und ein einstmals nützlicher Marketing-Begriff, der jetzt zum Bumerang wird: Erfunden zu Zeiten stark steigender Spritpreise, um den Kunden vor Augen zu führen, dass man selbst nichts für die erneute Preiserhöhung könne. Intern hatten die Zuschläge zudem den Vorteil, dass nicht gleich das gesamte Tarifsystem neu berechnet werden musste, wenn der Sprit mal wieder teurer geworden war.

Heute muss der Kunde schon ziemlich suchen, um im Buchungsverfahren den Kerosinzuschlag überhaupt zu finden. Seit Jahresbeginn versteckt er sich bei Lufthansa in der Bezeichnung nationaler oder internationaler Zuschlag, der beispielsweise für einen Hin- und Rückflug noch im Dezember nach Kapstadt 360 Euro bei einem Gesamtticketpreis von gut 1000 Euro ausmacht. In einem extra zu öffnenden Fenster sind acht weitere Gebühren und Steuern aufgeführt, die sämtlich im Endpreis enthalten sind.

Einfacher, aber auch nicht unbedingt transparenter geht es bei der Norwegian zu, die bei einem Hin- und Rückflug von Berlin nach Oslo bei einem Gesamtpreis von 174,50 Euro lediglich eine „Flughafengebühr“ von 37,20 Euro verlangt.

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