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27.07.2016

15:40 Uhr

Flugtickets im Internet

Vergleichsportale sind oft teurer als die Airlines

Flugtickets zum vermeintlichen Schnäppchenpreis? Laut Stiftung Warentest sind Flüge auf Vergleichsportalen oft teurer als bei der Airline selbst. Die Tester kritisieren Zusatzgebühren und schlechte Stornobedingungen.

Stiftung Warentest rät bei Buchungen auf Vergleichsportalen zur Vorsicht. dpa

Billig in den Urlaub?

Stiftung Warentest rät bei Buchungen auf Vergleichsportalen zur Vorsicht.

BerlinViele Urlauber buchen ihre Flüge gern über Vergleichsportale im Internet – doch damit fahren sie nicht unbedingt am besten, wie eine Untersuchung der Stiftung Warentest zeigt. Oft seien die Flüge auf den Portalen teurer als bei einer Buchung direkt bei der Fluggesellschaft, heißt es in der August-Ausgabe der Zeitschrift „test“. Die Tester kritisierten auch „aufdringliche“ Werbung für Zusatzleistungen und fragwürdige Stornobedingungen.

Für die Untersuchung nahm die Stiftung Warentest zehn Flugbuchungsportale mit Preisvergleichsfunktion unter die Lupe. Zudem prüfte sie fünf Portale von Fluggesellschaften - von Airberlin, der Lufthansa, Easyjet, Eurowings und Ryanair.

Die Rechte der Fluggäste

Betreuung bei Verspätung oder Annullierung

Bei Flügen bis zu 1500 Kilometern Entfernung haben Fluggäste ab zwei Stunden Verspätung Anspruch auf Betreuungsleistungen - also Telefonate, Getränke, Mahlzeiten und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel. Bei einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden, ab 3500 Kilometern Strecke nach vier Stunden. Ab einer Wartezeit von fünf Stunden können Passagiere eine Erstattung des Flugpreises verlangen.

Betreuung bei Verspätung oder Annullierung 2

Anspruch auf Betreuung haben Reisende aber auch, wenn Flüge wegen "außergewöhnlicher Umstände" wie der Luftraumsperrung nach einem Vulkanausbruch annulliert werden müssen. Die Airlines müssen dann etwa im Ausland gestrandeten Reisenden solange Hotel und Vollpension zahlen, bis sie abfliegen können. Die Betroffenen können in solchen Fällen aber nur eine "notwendige und angemessene" Betreuung verlangen, heißt es in einem neuen EuGH-Urteil.

Stornierung und Umbuchung bei Streiks

Einen wegen Streiks gestrichenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist - und auch länger, da ein Rückstau entstehen kann.

Entschädigung

Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro - aber nur, wenn kein "außergewöhnlicher" Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks ebenso wie miserables Wetter als außergewöhnlichen Umstand. Zu Recht, wie der Bundesgerichtshof (BGH) entschied: Streiks könnten als außergewöhnlicher Umstand von Airlines "nicht beherrscht" werden.

Informationen

Erster Ansprechpartner für Flugreisende ist immer die Fluggesellschaft, bei Pauschalreisen der Reiseveranstalter. Reisende sollten sich am Flughafen schriftlich die Verspätung oder Flugausfall bestätigen lassen. Hilfreich ist auch ein Beweisfoto der Anzeigetafel. Reisende sind allerdings verpflichtet, sich rechtzeitig über aktuelle Änderungen von Abflug- und Ankunftszeiten zu informieren. Bei Informationen aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg zu haben.

Pünktlichkeit

Auch bei einer großen absehbaren Verspätung sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann - und der Reisende ihn dann verpasst.

Sieben der zehn Vergleichsportale fielen den Angaben zufolge „mit einer beschwerlichen und intransparenten Nutzerführung“ negativ auf. Es sei „einfacher, transparenter und oft billiger“, sich ein Flugticket direkt bei der Airline zu besorgen. Lediglich beim Portal von Easyjet machten die Tester Abstriche in der Bewertung.

Da die Fluggesellschaften den fremden Portalen keine Provisionen zahlten, wenn über diese ein Flugticket verkauft wird, versuchten die Betreiber der Vergleichsseiten, auf anderem Wege ihre Marge zu verbessern, erklärte die Stiftung Warentest. Den Angaben zufolge nutzen die Vergleichsportale dazu unter anderem Servicegebühren, die sie zudem „gern trickreich“ versteckten.

Als Beispiel für teure Zusatzgebühren nennt „test“ die Buchung eines einfachen Flugs von Berlin nach Rom. Ein Vergleichsportal weise dafür einen Gesamtpreis von 47,49 Euro aus. Wer aber mit seiner Visa-Kreditkarte bezahlen wolle, müsse dafür 11,05 Euro plus eine Servicegebühr von 31,50 Euro zahlen. Unterm Strich koste der Flug damit 90,04 Euro und damit fast doppelt so viel wie ursprünglich angegeben.

Keins der geprüften Flugportale biete den Nutzern eine „gängige und zumutbare unentgeltliche Zahlungsmöglichkeit“ an, kritisierten die Tester. Teils seien nur Zahlungen „mit einer exotischen Kreditkarte“ ohne weitere Kosten möglich.

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