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15.03.2013

13:28 Uhr

Flugzeughersteller

Boeings „Dreamliner“ soll in einigen Wochen wieder fliegen

Bald soll der „Dreamliner“ wieder fliegen: Boeing will die Batterien des Jets in den nächsten Wochen austauschen. Bevor das Flugzeug wieder abheben darf, muss es aber noch einige Tests bestehen.

Boeing hofft darauf, dass seine Dreamliner-Jets bald wieder fliegen dürfen. Reuters

Boeing hofft darauf, dass seine Dreamliner-Jets bald wieder fliegen dürfen.

EverettDer Flugzeugbauer Boeing hofft, seine „Dreamliner“-Jets in einigen Wochen wieder in die Luft zu bekommen. Die Verbesserungen an den brandgefährdeten Batterien sollten in den nächsten Wochen eingebaut werden, teilte der Airbus-Konkurrent in der Nacht zum Freitag mit. Wegen zweier Zwischenfälle an den Lithium-Ionen-Batterien darf der Flugzeugtyp seit Mitte Januar weltweit nicht mehr abheben. Die Flotte aus 50 ausgelieferten Maschinen wieder in die Luft zu bringen, habe höchste Priorität, sagte Boeing-Verkehrsflugzeugchef Ray Conner. Außerdem will Boeing endlich wieder neue „Dreamliner“-Jets ausliefern dürfen.

Die Verbesserungen, die Boeing zusammen mit dem japanischen Batteriehersteller GS Yuasa und dem französischen Technologiekonzern Thales entwickelt hat, umfasst mehrere Sicherheitsebenen. Diese sollen verhindern, dass eine Batterie schmort wie bei einem „Dreamliner“-Flug von All Nippon Airways (ANA) oder gar ein Feuer ausbricht wie an Bord einer Maschine von Japan Airlines am Bostoner Flughafen.

Pannenserie des Boeing Dreamliner

Produktionsprobleme

Vor allem die anspruchsvolle Konstruktion der 787, die aus vielen Karbonteilen besteht, hatte zu langen Verzögerungen bis zur ersten Auslieferung geführt. Ein Jungfernflug war ursprünglich für August 2007 vorgesehen, er fand schließlich am 15. Dezember 2009 statt.

Ermahnungen wegen Triebwerken

Im September 2012 hatte die amerikanische Transportsicherheitsbehörde vor Problemen mit bestimmten Dreamliner-Triebwerken des Lieferanten General Electric (GE) gewarnt. Die Flugaufsichtsbehörde wurde zu Kontrollen ermahnt. Der Konzern änderte die Beschichtung von Triebwerkteilen, um dem Problem Herr zu werden.

Explosion eines Triebwerks

Noch vor der Inbetriebnahme einer neuen Boeing 787 hatte im Juli 2012 ein Triebwerk einer für Air India vorgesehenen Maschine bei einem Rolltest in den USA Probleme bereitet. Ein Bauteil brach und führte zu einer Explosion des Antriebsaggregats.

Bauchschmerzen bei Air India

In den ersten Monaten nach der Inbetriebnahme von drei Dreamlinern für Air India im Jahr 2012 gab es immer wieder Probleme – etwa mit dem Kühlungssystem der Maschinen. Indische Medien berichteten, dass eigentlich immer ein Flugzeug aus dem Trio wegen Problemen am Boden bleiben musste.

Probleme mit der Elektronik

Im Dezember 2012 war eine 787 von United Airlines zu einer Notlandung gezwungen, nachdem einer von sechs Stromgeneratoren an Bord den Dienst versagte, eine zweite Maschine hatte ähnliche Probleme.

Explodierte Batterie

Anfang Januar 2013 löste eine Explosion an Bord eines Boeing Dreamliner einen Brand an Bord einer Japan-Airlines-Maschine am Flughafen von Boston aus. Die Probleme erweisen sich als folgenschwer: Mehrere Wochen werden sämtliche 787 weltweit von den Aufsichtsbehörden am Boden gehalten.

Treibstoffleck

Ebenfalls ein Japan-Airlines-Jet war im Januar 2013 von einem Treibstoffverlust betroffen, der zu einem Abbruch eines Starts – ebenfalls in Boston – führte. Bereits im Dezember hatten alle Boeing-Flugzeuge des Typs 787 am Boden bleiben müssen. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte eine Überprüfung der Maschinen angeordnet, nachdem bei zwei der Flugzeuge Treibstoff ausgelaufen war.

Bremsprobleme

Wegen Problemen mit den Bremsen einer Maschine strich die japanische Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA) einen Inlandsflug nach Tokio. Als Grund nannte eine ANA-Sprecherin eine Störung des Computers, der das Bremssystem steuert. Der Computer sollte ausgetauscht werden.

Notlandung

Nach einem im Cockpit angezeigten Batteriedefekt und einem ungewöhnlichen Geruch an Bord, macht ein ANA-Dreamliner in Japan Mitte Januar 2013 einen Notlandung. Zunächst wird die gesamte Flotte von 17 Maschinen des Typs außer Dienst genommen – der Konkurrent Japan Airlines folgt dem Beispiel.

Peilsender fängt Feuer

Im Juli 2013 fängt ein Notfall-Peilsender einer abgestellten Boeing 787 auf einem Londoner Flughafen Feuer – auch hier soll ein Akku Grund für den Brand gewesen sein.

Toilette defekt

Wegen einer Störung in der Toilettenanlage ist ein Boeing 787 Dreamliner der Japan Airlines (JAL) umgekehrt, nachdem er bereits fünf Stunden auf dem Weg von Moskau nach Tokio unterwegs war. An Bord seien 141 Passagiere gewesen, sagte ein JAL-Sprecher. Als Ursache werde ein technischer Defekt vermutet.

Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte im Februar bereits Testflüge genehmigt. Allerdings muss Boeing für die verbesserte Batterietechnik nach entsprechenden Tests noch die Zulassung erhalten.

Den Angaben zufolge wollen Boeing und seine Partner die Zellen der Batterie künftig stärker voneinander abschotten. Das Batteriegehäuse soll zudem von einem Edelstahl-Mantel umfasst werden. Außerdem sollen die Lithium-Ionen-Akkus nicht mehr so stark aufgeladen und entleert werden dürfen wie bislang. Vertiefungen im Boden des Batteriegehäuses sollen entstehende Feuchtigkeit auffangen, die vermutlich zuvor zu Kurzschlüssen geführt hatte.

Von

dpa

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