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08.01.2017

15:18 Uhr

Foodora und Deliveroo

Essenslieferdienste als Restaurantschreck

Klicken und essen – Online-Lieferdienste wie Foodora und Deliveroo bringen Essen von immer mehr Restaurants zu Hungrigen nach Hause. Doch der Appetit aufs bestellte Essen könnte Gastronomen in die Bredouille bringen.

Ein Fahrradkurier des Lieferdienstes „Deliveroo“ mit einer Bestellung an der Haustür. dpa

Lieferdienste

Ein Fahrradkurier des Lieferdienstes „Deliveroo“ mit einer Bestellung an der Haustür.

BerlinAn der Ampel sieht man sie, an der Haustür und am Restaurant-Tresen - die Fahrradkuriere der neuen Essenslieferdienste. Ihre würfelförmigen Rucksäcke und ihre Outfits in Knallfarben prägen mehr und mehr das Straßenbild in Deutschlands Großstädten. Sie bringen per App bestelltes Essen von Restaurants zu Kunden, im Auftrag der beiden großen Anbieter in Deutschland: Foodora - pinke Kleidung - und Deliveroo - hellblaue Kleidung.

Das Geschäftsmodell der beiden Bringdienste: die gesamte Bestell-Logistik für Restaurants übernehmen. Das geht von der digitalen Speisekarte über den Auftragseingang per App bis zur Auslieferung innerhalb von 30 Minuten, so das Versprechen. Dafür berechnen die Dienste pro ausgeliefertem Gericht eine Provision. Nach Angaben aus verschiedenen Restaurants liegt sie bei rund 30 Prozent.

Bislang scheint das Konzept aufzugehen: Foodora verdoppelte nach eigenen Angaben das Auftragsvolumen zwischen April 2015 und April 2016 alle zwei Monate. Der Service startete vor gut zwei Jahren und hat rund 2200 Restaurants in 19 deutschen Städten im Portfolio. Der in Großbritannien gegründete Konkurrent Deliveroo ging im April 2015 an den Start und arbeitet in Deutschland mit mehr als 2000 Restaurants in sechs Städten zusammen. Nach Unternehmensangaben steigt die Zahl der Bestellungen um rund 20 Prozent pro Monat.

Und die Rechnung geht auch für viele Gastronomen auf: Rund 1000 Euro Extra-Umsatz pro Monat verbucht zum Beispiel Sebastian Hunold, Inhaber einer kleinen Pizzeria in Berlin-Kreuzberg. Felix Chrobog, Deliveroo-Geschäftsführer in Deutschland sagt: „Viele Restaurants erhöhen ihren Umsatz durch uns um 20 bis 30 Prozent.“

Eine Situation, von der alle profitieren, könnte man meinen: faule Hungrige, die ihr Lieblingsessen an die Haustür gebracht bekommen, Restaurants, die neue Zielgruppen erschließen, ohne sich den Stress mit der eigenen Lieferflotte anzutun, und die jungen Start-ups selbst.

Lieferdienste – Duell auf dem Fahrradweg

Die Farbe

Die Foodora-Fahrer tragen pinkfarbene T-Shirts und Rucksäcke, bei Deliveroo ist alles in Türkis gehalten.

Die Verbreitung

Deliveroo arbeitet nach eigenen Angaben mit mehr als 16 000 Restaurants zusammen. Das Unternehmen mit Sitz in London ist in zwölf Ländern aktiv. Foodora stammt aus Berlin und hat seinen Service auf zehn Länder und mehr als 9000 Restaurants ausgeweitet.

Die Werbung

Beide Start-ups werben zum Teil mit fast identischen Plakaten für ihre Dienste: „Berlin isst anders“, titelte Foodora einmal, „Berlin isst besser“, konterte Deliveroo.

Doch das rasante Wachstum der Lieferdienste lässt auch Sorgen aufkommen. „Was nicht passieren darf, ist, dass die Gastronomen in eine Abhängigkeit von Lieferdiensten geraten“, mahnt Christopher Lück, Sprecher des Gaststättenverbands Dehoga. „Es muss für beide Seiten eine Win-win-Situation sein.“

Dass das Online-offline-Machtverhältnis kippen kann, wissen zum Beispiel Hoteliers. Deren Buchungen laufen mittlerweile zu einem großen Teil über Portale wie booking.com, hotel.de oder hrs.de. Und diese versuchen Medienberichten zufolge, den Hotels vorzuschreiben, besonders günstige Zimmerpreise auf ihren Websites anzubieten.

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