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05.02.2016

11:40 Uhr

Foodpanda

Rocket Internet speckt bei Lieferdiensten ab

Rocket Internet trennt sich von einigen Lieferdiensten im Ausland, etwa in Spanien, Italien und Brasilien. Firmenchef Oliver Samwer will die Start-up-Schmiede so schlanker aufstellen.

Der Rocket-Chef räumt bei den Lieferdiensten auf. Reuters

Oliver Samwer

Der Rocket-Chef räumt bei den Lieferdiensten auf.

BerlinDie Start-up-Schmiede Rocket Internet und ihr Essens-Lieferdienst Foodpanda ziehen sich mit ihren Essenslieferdiensten aus hart umkämpften Märkten zurück. Angesichts des scharfen Wettbewerbs verkauft Rocket die Firmen La Nevera Roja in Spanien sowie Pizzabo und Hellofood in Italien, Foodpanda veräußert Hellofood in Brasilien und Mexiko, wie Rocket am Freitag mitteilte. Käufer sei der britische Lieferdienst Just Eat, der 125 Millionen Euro bezahle.

Rocket hat mehrere Essenslieferdienste in seinem Haus gebündelt. Dazu gehören Beteiligungen an Foodpanda und Delivery Hero, das in Deutschland unter den Namen Lieferheld und Pizza.de agiert. „Online-Essenslieferdienste bleiben weiterhin ein Schwerpunkt der strategischen Ausrichtung von Rocket Internet mit den wichtigen Marktführern Delivery Hero und Foodpanda“, betonte Rocket-Chef Oliver Samwer. Die im Entry Standard notierte Aktie legte um fünf Prozent zu.

Jamie Oliver und Hello Fresh: Ein Koch-Star soll Samwers Sorgenkind aufpäppeln

Jamie Oliver und Hello Fresh

Ein Koch-Star soll Samwers Sorgenkind aufpäppeln

Starkoch Jamie Oliver und Hello Fresh machen gemeinsame Sache. Künftig liegen den Kochboxen des Start-ups auch Rezepte des Goldjungen bei. Das Unternehmen aus der Rocket-Schmiede kann gute Nachrichten gebrauchen.

Foodpanda-Chef Ralf Wenzel sagte, die Firma wolle sich auf die Kernmärkte in Asien, dem Mittleren Osten und Osteuropa konzentrieren. Just Eat, bisher vor allem stark in Großbritannien und Dänemark, arbeitet an einem internationalen Ausbau des Geschäfts.

Rocket ist zur Sparsamkeit gezwungen. Die Beteiligungen an den Start-ups zahlen sich nur in barer Münze aus, wenn sie gewinnbringend verkauft oder an die Börse gebracht werden. Beides ist angesichts der derzeitigen Finanzmarktturbulenzen schwierig, was jüngst der verschobene Börsengang vom Kochbox-Anbieter Hello Fresh verdeutlichte.

Firmenchef Samwer setzt nun auf Zeit: „Die heutigen Transaktionen zielen darauf ab, die Komplexität des Unternehmensnetzwerks von Rocket Internet weiter zu reduzieren.“ Zu Rocket gehören mehr als 30 Startups weltweit – darunter die Online-Mobelhändler Home24 und Westwing sowie der Wohnungsvermittler und Airbnb-Konkurrent Wimdu, die allesamt Verluste machen.

Das Samwer-Imperium

Die Brüder

Marc (Jahrgang 1970), Oliver (1973) und Alexander (1975) wuchsen in Köln auf; sie studierten in Köln, Vallendar, Oxford und Harvard Rechtswissenschaft, BWL und VWL. Heute arbeiten sie in München und Berlin.

Die Beteiligungen

Die Brüder agieren über den Fonds Global Founders Capital (GFC) der den European Founders Fund (EFF) 2013 ersetzte und das mittlerweile börsennotierte Unternehmen Rocket Internet. Der 150 Millionen Euro schwere GFC ist ein Wagniskapitalgeber, der weltweit als Investor auch die Gründung kleiner Unternehmen die nicht im Fokus von Rocket Internet stehen unterstützen soll; Rocket ist der sogenannte Inkubator, also die Beteiligungsgesellschaft, über die die Samwers in Neugründungen von Internet-Start-ups investieren. Über den GFC halten die Samwers auch die Mehrheit an Rocket Internet.

Rocket Internet ging am 2. Oktober 2014, einen Tag nach dem mit Mitteln der Beteiligungsgesellschaft aufgebauten Versandhändler Zalando, an die Börse. Ein Misserfolg: Die zu optimistisch eingeschätzte Aktie verlor noch am ersten Handelstag zweistellig.

Die Erfolge

Angefangen hat ihr Erfolg mit Alando, einem Internet-Auktionshaus nach dem Vorbild des US-Unternehmens Ebay. Es folgte der Klingeltonanbieter Jamba, der Youtube-Klon MyVideo oder der deutsche Groupon-Vorgänger CityDeal. Zwischenzeitlich hatten sie auch Anteile an den Kontaktnetzwerken Facebook und StudiVZ. Als Aushängeschild gilt der mittlerweile Börsennotierte und mit Rocket-Internet-Geld aufgebaute Versandhändler Zalando, an dem die Samwers nach wie vor Anteile über ihren Fonds Global Founders Capital (GFC) halten.

Mit der Gründung von GFC begann eine noch internationalere und aggressivere Investitionsstrategie der Brüder, laut eigenen Angaben hält der Fonds Beteiligungen an über 50 Unternehmen weltweit. Die Brüder verfügen mittlerweile über ein geschätztes Privatvermögen von insgesamt 5,1 Milliarden Dollar.

Die Misserfolge

Die Samwers stehen eigentlich für erfolgreiche Start-ups. Doch Misserfolge gibt es auch bei ihnen. Im August 2014 listet der Autor Joel Kaczmarek in seinem Buch „Die Paten des Internets“ rund 40 Unternehmen auf, die Pleite gegangen sind – darunter Klone wie Ecareer, Dreambookers oder MyBrands.

Die Verkaufsmaschen

Wenn die Samwers etwas verkaufen wollen, setzen sie gerne auf aggressive Werbung. Das klappte sowohl bei Jamba (Stichwort: „Crazy Frog“) als auch bei Zalando („Schrei vor Glück“). Auch bei Investoren treten die drei Brüder, allen voran Oliver Samwer, offensiv auf. So schrieb der mittlere Bruder einst eine Mail an Investoren, in denen er sich und seine Brüder als Gründer des weltgrößten Start-up-Inkubators bewarb und mit lauter wichtigen Namen wie denen einiger bisheriger Investoren um sich schlug.

Die Kritikpunkte

Die Samwers gelten als erfolgreich, aber auch skrupellos – gerade, wenn es um ihre Geschäftsmodelle geht. In den USA werden sie nur „Copycats“ genannt, weil sie die Ideen erfolgreicher Unternehmer ungefragt übernehmen. Auch mit der Konkurrenz gehen sie nicht immer zimperlich um. So soll Rocket Internet auch schon das Angebot anderer Firmen gezielt manipuliert und versucht haben, an deren Kundendaten zu gelangen. Oliver Samwer bestreitet die Vorwürfe.

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