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16.11.2011

09:47 Uhr

Frachtraten sinken

Reeder rasen in die Verluste

VonChristoph Schlautmann

Mit Steuergeschenken und Zuschüssen wollte die Politik deutsche Containerflotten-Betreiber auf den Weltmärkten stärken. Doch nun sinken die Frachtraten rapide. Wer den Hafen verlässt, wirft Geld über Bord.

Die wirtschaftlichen Aussichten sind trübe für die Frachter-Flotten der Meere. dpa

Die wirtschaftlichen Aussichten sind trübe für die Frachter-Flotten der Meere.

DüsseldorfDer deutsche Traum von einer Seefahrernation platzte an einem Dienstag. Auf der Hauptrennstrecke Asien–Nordeuropa seien die Frachtraten derart zusammengebrochen, dass mit ihnen erstmals nicht mehr der Schiffsdiesel zu bezahlen sei, meldete der Branchendienst Alphaliner am 18. Oktober 2011 – und verkündete damit den Schiffbruch des globalen Seecontainergeschäfts.

Wer den Hafen verlässt, wirft seither automatisch Geld über Bord. Nicht einmal die Spritaufschläge, die den Frachtkunden üblicherweise zusätzlich in Rechnung gestellt werden, können das ändern. Das hatte es nicht einmal in der Finanzkrise 2008/09 gegeben.

Dumm nur: Den Seetransport von Schiffscontainern hatte die Bundesregierung vor acht Jahren zu einer deutschen Domäne erklärt. Um heimische Anleger von der Globalisierung und vom jährlich sechs Prozent wachsenden Welthandel profitieren zu lassen, erließ der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder den Reedereien einen Großteil der Steuern. Gleichzeitig lockte er Schiffsbetreiber mit lukrativen Zuschüssen. „Maritimes Bündnis für Beschäftigung, Ausbildung und Wettbewerb“ nannte er das.

Die größten deutschen Reeder

C-P Offen

Gemessen an der Tragfähigkeit ist die Flotte der Reederei Claus-Peter Offen die größte Deutschlands. Zusammen verfügen die Containerschiffe, Tanker und Bulker über eine Tragfähigkeit von rund 8,4 Millionen Tonnen.

Dr. Peters

Die Flotte der Dr. Peters Gruppe fassen zusammen 7,1 Millionen Tonnen an Gewicht, und ist damit die zweitgrößte Deutschlands.

E.R. Schiffahrt

Container- und Offshore-Schiffe sowie Massengutfrachter machen die Flotte der E.R. Schiffahrt aus. Insgesamt liegt die Tragfähigkeit bei 6,3 Millionen Tonnen.

Conti Holding

Zu den größten Reedereien zählt auch die Conti Holding. Der Großteil der Flotte besteht aus Containerschiffen, insgesamt haben sie eine Tragfähigkeit von 6,2 Millionen Tonnen.

Peter Döhle Schiffahrts-KG

Die Schiffe der 1956 ebenfalls in Hamburg gegründeten Peter Söhle Schiffahrts-KG fassen ein Gewicht von 6,0 Millionen Tonnen. Damit ist die Reederei die fünftgrößte des Landes.

Neu Seeschiffahrt

Die Flotte der Hamburger Neu Seeschiffahrt GmbH verfügt über Kapazitäten von 5,4 Millionen Tonnen.

Hartmann Group

Die Hartmann Reederei zählt zu ihrer Flotte neben den üblichen Schiffen vor allem Gastanker für Petroleum-Gase. Insgesamt hat die Flotte eine Tragfähigkeit von 4,6 Millionen Tonnen.

Hapag-Lloyd

Mehr als 135 Containerschiffe fahren für die Hapag-Lloyd AG. Insgesamt geht es hier um 4,4 Millionen Tonnen an Kapazitäten.

Rickmers Reederei

Die Schiffe der Hamburger Rickmers Reederei fassen insgesamt 4,3 Millionen Tonnen.

Bernhard Schulte Group

Die Bernhard Schulte Reederei mit Sitz in Hamburg zählt über 90 Container-, Tank- und Massengutschiffe, die zusammen über eine Tragfähigkeit von rund 4,1 Millionen Tonnen verfügen.

Mit zunächst durchschlagendem Erfolg. Zwar fahren die meisten Schiffe immer noch unter den Flaggen von Panama, Liberia oder Antigua – wo Steuerbehörden großzügig und Sozialversicherungen unbekannt sind. Müssten die weltweit 4718 Containerschiffe allerdings die Flagge ihrer Eigentümer hissen, trügen 35,5 Prozent von ihnen Schwarz-Rot-Gold. Keinem Staat der Erde gehören mehr Containerschiffe als Deutschland.

Das aber könnte vielen von ihnen nun zum Verhängnis werden. „Wenn die Frachtraten sich in den nächsten zwei bis drei Quartalen nicht erholen, kann einigen deutschen Schiffsfonds eine Schieflage drohen“, warnt Jens Riedl, Logistikexperte der Unternehmensberatung Boston Consulting (BCG).

Doch an eine Besserung glaubt niemand mehr. „Die Überkapazitäten bei den Schiffen werden sogar noch steigen“, erwartet ein Schiffsinvestor in der Schweiz. Eine Studie des chilenischen Reederei-Riesen CSAV belegt: Die laufenden Aufträge für Schiffsbauten umfassen ein Volumen, das 30 Prozent der aktuell operierenden Flotte entspricht. Schon im Juni 2011 lag die weltweite Containerkapazität 8,5 Prozent über dem Vorjahr.

Kommentare (7)

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Geisteskranke

16.11.2011, 11:33 Uhr

Kein Problem, die Verluste trägt der Anleger, die Gewinne werden vom Fondsinitiator zum Großteil vereinnahmt. Die Anleger werden quasi enteignet u. erleiden Totalverlust(Dr.Peters Fonds).

Account gelöscht!

16.11.2011, 12:00 Uhr

Dazu fallen mir die Nebenwirkungen ein: Landschaftsverbrauch z.B.

die von Verrückten regierte Stadt Köln z.B. ließ ein Landschaftsschutzgebiet von uralten Bäumen bereinigen um den Ausbau des Godorfer Hafens einzuleiten. Eine Maßnahme, die von vielen An-und Bewohnern instinktiv bekämpft wurde, weil ..... ist ja egal... mit Hilfe der Polizei jedenfalls wurde der Widerstand gebrochen und im Namen der Wirtschafts-Interessen vollzogen, was sich nunmehr als Irrweg erweisen wird. Aber so sind sie ja alle: Rendite-geil bis zum Irrwitz. Die Strafe folgt auf dem Fuß: die Stadt Köln ist demnächst völlig pleite, und weil das hier ja sowieso keiner liest bzw. wirklich hinterfragt: schöne Grüße von Deutschlands unberühmtesten Quantenphysiker! Der wird nämlich be-wußt zu der Pleite Köln beitragen. Damit endlich was absolut Neues kommen kann: ein Umdenken gewaltigen Ausmaßes, ein neues Weltbild, eine neue Staatsform. Banken, Geld, Versicherungen: alles nichts mehr wert. Aber bis dahin ist Krise angesagt: als Chance zum Wachstum, zum inneren allerdings. Nicht bis zur Blödheit herbeigebetetem Wirtschafts-Wachstum. Wer hat bloß diesen Begriff erfunden?

Vor einigen Wochen habe ich Herrn Joe Ackermann hier ähnliches angekündigt, weder er noch andere haben es WIRKLICH gelesen. WO steht er jetzt? Nein, wo fältt er gerade hin? Ins Bodenlose! Recht, nein GERECHT so! Ist alles so ähnlich wie die Geschichte mit den Containern, die braucht keiner mehr in den Mengen, weil anders und anderes produziert werden wird. SO einfach ist das.

Account gelöscht!

16.11.2011, 13:14 Uhr

Schade, ich hab mir ganz gerne die Schiffe angesehn..
wenn Sie auf große Fahrt gingen b.z.w. eingelaufen sind.

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