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05.08.2014

16:58 Uhr

Frachtsparte lahmt, Express boomt

Schnelle Geschäfte lassen Post-Gewinn steigen

Die Gewinne steigen, trotzdem will die Deutsche Post sparen: Der Logistikkonzern trimmt sein Geschäft rund um Fracht und Warenlogistik auf mehr Rendite. Dafür nimmt er in Kauf, dass die Profitabilität leidet.

Ein Briefträger bei der Arbeit: Die Deutsche Post macht vor allem dank des Expressgeschäfts mehr Umsatz und Gewinn. dpa

Ein Briefträger bei der Arbeit: Die Deutsche Post macht vor allem dank des Expressgeschäfts mehr Umsatz und Gewinn.

DüsseldorfDie Deutsche Post will ihre Sparten abseits des boomenden Paket- und Expressgeschäfts auf mehr Gewinn trimmen. Dazu nimmt der Konzern das Geschäft rund um die Fracht und die Warenlogistik in den Fokus. Der Konzern wolle etwa aus wenig lukrativen Verträgen aussteigen und in einen Ausbau seiner Datenverarbeitung investieren, sagte Finanzchef Larry Rosen am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters.

Wegen der damit verbundenen Kosten hält die Post ihre Gewinnprognose für das kommende Jahr nicht länger aufrecht. Im zweiten Quartal hatte der Konzern einen Gewinnsprung verbucht, die Aktie setzte sich mit einem Plus von 2,8 Prozent an die Spitze des Dax.

Der Konzern wolle seine führende Stellung bei Fracht und Warenlogistik verteidigen und ausbauen – dafür nehme er „kurzfristige Auswirkungen auf unsere Profitabilität bewusst in Kauf“. So will Rosen in der Warenlogistik aus unattraktiven Verträgen aussteigen, wodurch Umstrukturierungskosten anfallen.

„Wir glauben, dass wir in beiden Bereichen eine deutliche Steigerung der Performance erreichen können“, sagte Rosen Reuters weiter: „Beide Geschäfte sind nicht in Not, wir agieren aus einer Position der Stärke.“

Im zweiten Quartal hatte der Konzern dank des florierenden Expressgeschäfts Umsatz und Gewinn gesteigert und sogar mehr verdient als vom Markt erwartet. Als Bremsklotz erwies sich im Quartal allerdings das weltweite Frachtgeschäft, dessen operativer Gewinn einbrach. Insgesamt verzeichnete der Bonner Konzern im zweiten Quartal bei einem Umsatz von 13,695 (Vorjahr: 13,605) Milliarden Euro einen operativen Gewinn (Ebit) von 654 (619) Millionen Euro.

Im Frachtbereich sieht Rosen „noch viel Luft nach oben“. Der Finanzchef will hier zu Wettbewerbern aufschließen und die Rendite (Ebit-Marge) auf fünf bis sechs Prozent von derzeit über drei Prozent treiben.

Auch im boomenden Paket-Bereich will der Konzern auf die Kosten achten. Das könnte der Post in Deutschland eine Tarifrunde mit harten Auseinandersetzungen bescheren. „Unsere operativen Kosten wachsen zu schnell“, sagte Rosen. „Wir müssen einen Weg finden, zurück zu einer gesunden Balance zwischen Umsatz- und Gewinnwachstum zu kommen.“

Im kommenden Jahr kann der Konzern mit weltweit über 436.000 Mitarbeitern wichtige Weichenstellungen im Personalbereich vornehmen. Tarifverhandlungen stehen ins Haus, in Deutschland läuft unter anderem der zuletzt 2011 bis Ende 2015 verlängerte Beschäftigungspakt aus, der betriebsbedingte Kündigungen verhindert. Verdi-Vertreterin Andrea Kocsis hatte den Vorstand bereits mehrfach vor Versuchen gewarnt, befristete Arbeitsverhältnisse auszuweiten und das Lohnniveau abzusenken.

Die Quartalszahlen der Post-Konkurrenten waren zuletzt uneinheitlich ausgefallen. Dem Branchenprimus UPS machten hohe Pensionsverpflichtungen und Investitionen ins Zustellnetz zu schaffen, der Gewinn brach ein, die Prognose wurde gekürzt. Wettbewerber FedEx konnte den Gewinn mehr als verdoppeln – auch er profitiert wie die Post vom boomenden Internet-Handel. Rosen setzt darauf, dass dies auch so bleibt: Er erwarte nicht, dass der Online-Händler Amazon versuchen wird, in Deutschland selbst Pakete auszuliefern.

Von

rtr

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