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29.06.2012

12:26 Uhr

Franchise-System

Burger King hat Ärger mit den Vasallen

VonPetra Schäfer

Die Wirte der Burger King-Kette sind verärgert. Sie beklagen sich über harte Sparmaßnahmen und steigende Kosten. Obwohl das Unternehmen den Willen zur Zusammenarbeit betont, hat die Zentrale Schulungen gestrichen.

Die Fastfood-Kette Burger King: Mitarbeiter klagen über Sparmaßnahmen der deutschen Zentrale. dapd

Die Fastfood-Kette Burger King: Mitarbeiter klagen über Sparmaßnahmen der deutschen Zentrale.

DüsseldorfBei Burger King könnte es paradiesisch sein: Die Nummer zwei auf dem weltweiten Hamburger-Markt verfügt über frisches Kapital, große Expansionspläne und neue Fast-Food-Produkte. Erst vergangene Woche ist die Kette nach zweijähriger Abstinenz an die Börse zurückgekehrt.

Doch das Glück wird von einigen streitbaren deutschen Burger King-Wirten getrübt, die sich über harte Sparmaßnahmen und steigende Kosten für die Restaurants ärgern. Seit 1976 hat die Kette in Deutschland, ihrem zweitwichtigsten Markt weltweit, rund 700 Restaurants eröffnet. 86 Prozent werden von unabhängigen Franchisenehmern gegen Lizenzgebühr betrieben. In deren Reihen aber rumort es. Michael K. und Hubert D. (Namen geändert) gehören zu denen, die sich Sorgen machen - "um die hohe Servicequalität, die wir brauchen, um weiter erfolgreich zu sein".

Die größten Franchise-Nehmer

463.000 Menschen verdienten ihr Geld Ende 2010 in der Franchise-Wirtschaft, 33,6 Prozent als zehn Jahre zuvor. Knapp die Hälfte arbeitet im Bereich Dienstleistung, mit 32 folgt der Handel, danach Gastronomie und das Handwerk.

Platz 1

Tui/First

Die meisten Reisebüros von Tui und First werden von Franchise-Nehmern geführt. In Deutschland waren es 2009 wie schon in den Vorjahren 1.405 Betriebe.

Platz 2

Der wohl bekannteste Franchise-Geber der Welt liegt in Deutschland nur auf Rang zwei: McDonalds betreibt 1.334 Betriebe in diesem System.

Platz 3

In Deutschland brauchen immer mehr Kinder Nachhilfe. Davon profitiert auch die Schülerhilfe: Mit 1.023 Betrieben Platz liegt das Unternehmen auf Rang drei .

Platz 4

Es folgt der Studienkreis mit 1.006 Betrieben auf Rang vier.

Platz 5

Man findet sie praktisch in jeder Stadt - die Bäckerei-Filialen von Kamps. 930 davon werden im Franchise-System betrieben.

Platz 6

Subway rangiert in Deutschland in Deutschland auf Platz sechs mit 755 Betrieben.

Platz 7

Alles für den Hund - und andere Haustiere: Fressnapf setzte von Beginn an auf Franchising - heute sind es in Deutschland 723 Läden.

Platz 8

Apollo Optik hat in den vergangenen Jahren kräftig zugekauft und setzt auch auf das Franchise-System: 670 Filialen hat die Optikerkette.

Platz 9

Auch die Fastfood-Kette Burger King schafft es in die Top Ten. 650 Betriebe werden von Franchisern geführt.

Platz 10

Eine bekannte Marke, die es trotz der Insolvenz der Mutter noch gibt: Foto Quelle führt 560 Betriebe in Franchise-System.

Platz 11

Dicht dahinter folgt der Ad-Auto Dienst mit 550 Betrieben.

Platz 12

Besonders spannend ist das Genre von Datac nicht: Buchhaltung, Lohnabrechnung und solche Dienstleistungen übernimmt das Unternehmen in 524 Betrieben.

Platz 13

Die Schuhverkäufer von Reno folgen auf Rang 13 mit 498 Läden in Deutschland.

Platz 14

Musikalisch geht es weiter. 475 Betriebe unterhält die Musikschule Fröhlich im Franchise-System.

Platz 15

Zwei Plätze hinter Reno folgt Konkurrent Quick Schuh mit 400 Filialen.

Platz 16

Früher waren Rastplatztoiletten oft ein Graus - Sanifair hat da einiges zum Besseren gewandelt. Auf 368 Betriebe kommt das Unternehmen.

Platz 17

Auf Rang 17 folgt Wohnkultur - das schreibt sich Topa Team zumindest auf die Fahne in 340 Betrieben.

Platz 18

Die Autovermieter von Avis haben es mit 338 Betrieben noch in die Top 20 geschafft.

Platz 19

Mit Holiday Land steht ein zweiter Reiseanbieter in den Top 20. Immerhin kommt das Unternehmen auf 335 Büros in Deutschland.

Platz 20

Obi übersteht den Preiskampf unter den Baumärkten derzeit recht gut. 333 Läden betreibt Obi in Deutschland im Franchise-System.

Denn bislang standen den selbstständigen Burger King-Vertragspartnern zur Ausbildung ihrer Restaurantmanager zwei Schulungszentren in München und Dortmund zur Verfügung. Mit ausgebildeten Trainern, die die Burger King-Philosophie im Blut hatten: das Hamburger-Grillen, den Umgang mit Gästen und das professionelle Wirtschaften in einem Burger-Restaurant. Doch persönliche Schulungen sind passé: In zwei Wellen im Jahr 2011 und in diesem Jahr baut die deutsche Burger King-Zentrale rund 90 von knapp 130 Mitarbeitern ab. Mit der Radikalkur mussten auch die Schulungen weichen, die den Franchisenehmern und ihren Mitarbeitern zur Verfügung standen. Was nicht gestrichen wurde: Die selbstständigen Burger King-Wirte sind per Vertrag verpflichtet, die Restaurantmanager zu trainieren und testen zu lassen.

McDonald’s: Cheeseburger per Smartphone

McDonald’s

Cheeseburger per Smartphone

Warteschlangen vor McDonald’s-Kassen könnten bald Geschichte sein. In Deutschland tüftelt die Fast-Food-Kette an neuen Bestellkonzepten. Kunden sollen ihre Burger künftig per Handy oder Tablet-PC bestellen und bezahlen.

Die Trainings und Tests finden jetzt per Internetkurs am Computerbildschirm statt, jeder Prüfling soll vorher ein Burger King-Handbuch durcharbeiten. "Das eignet sich für meine Mitarbeiter nicht", klagt Michael K., "von einem Computer kann man nicht lernen, wie man den Gästen besten Service anbietet." Einige Franchisenehmer erwägen, eigene Trainer für ihre Restaurants einzustellen - für ein hohes fünfstelliges Jahresgehalt. "Die Gastronomie hat eine sehr hohe Mitarbeiterfluktuation", mahnt Hubert D., "wo stehen wir denn in zwei Jahren, wenn die Mitarbeiter schlecht geschult sind?"

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