Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.10.2011

08:46 Uhr

Frankfurter Flughafen

Den Wettlauf gegen die Zeit gewinnen

VonJens Koenen

Am Frankfurter Flughafen treffen tausende zeitsensible Prozesse aufeinander. Diese zu koordinieren ist Aufgabe von Andreas Döpper. Jeden Tag versucht er, schneller zu sein als die Zeit.

Maschinen am Flughafen Frankfurt. dapd

Maschinen am Flughafen Frankfurt.

FrankfurtAndreas Döppers Kampf für die Umsetzung des Unmöglichen beginnt jeden Tag mit einer Kleinigkeit. Dann schaut der Mann, dessen Aufgabe es tagtäglich ist, der Zeit ein Schnippchen zu schlagen, mit einem flüchtigen Blick auf einen Flachbildschirm an der Wand.

"Wir haben heute an vielen Orten in Europa Gewitter", stellt Döpper fest. Für ihn heißt das, dass sein Job heute noch ein wenig kniffliger wird als sonst. Denn Andreas Döpper ist verantwortlich dafür, dass am größten deutschen Flughafen in Frankfurt jeder der täglich 70 000 Prozesse genau auf die Sekunde pünktlich ausgeführt wird. Denn im Prinzip arbeitet Döpper in einem Räderwerk: Fällt ein Rädchen aus, kommt der ganze Apparat zum Erliegen.Döppers Aufgabe ist es, die Rädchen laufen zu lassen. Und deswegen stellt er sich jeden Tag dem Wettlauf mit der Zeit.

Überall in seiner Abteilung hat Döpper Bildschirme aufhängen lassen. Simple Balkendiagramme zeigen, wie viele Flüge zu spät sind, unterteilt nach Interkontinental- und Kontinental-Verkehr, ob und wo es im Flugbetrieb gerade hakt. "Meine Mitarbeiter sollen nicht nur die Details der Maschinen kennen, die sie betreuen, sie sollen auch insgesamt erkennen können, wie sich ihr Einsatz lohnt", sagt Döpper.

Der gebürtige Hamburger ist Leiter Station & Infrastruktur Frankfurt, so steht es auf seiner Visitenkarte. Von seinem geräumigen Büro aus hat er einen eindrucksvollen Blick auf das Vorfeld des Frankfurter Flughafens.
Döpper und sein Team aus 3500 Frauen und Männern kümmern sich am Drehkreuz Frankfurt um täglich 750 Flüge. Bis zu 70000 Prozesse seien das, die man im Blick haben müsse, erzählt Döpper. Fast alle auf die Minute genau geplant.

Zeit ist Geld - in der Luft verdient ein Flugzeug, am Boden kostet es Geld.

Es gibt auf der Welt nur wenige Orte, an denen Zeit so wertvoll ist wie auf einem Flughafen. "Zeit ist Geld", zitiert Döpper Benjamin Franklin. Nur in der Luft verdient ein Flugzeug Geld, am Boden kostet es Geld. Also muss es auf dem Flughafen möglichst schnell gehen, muss alles bis ins Detail effizient sein.

Döpper rollt ein mit Papier umwickeltes Lineal ab. Kollegen haben die sieben Din-A-3-Seiten aneinandergeklebt. Dicht sind sie mit Zahlen vollgeschrieben. "Wegezeitenmatrix" nennt Döpper die Tapete. Sie dokumentiert auf die Sekunde genau, wie lange ein Umsteige-Passagier von einem Gate zum anderen braucht.

Von A11 bis A15 sind es zum Beispiel exakt 2 Minuten und 19 Sekunden - ohne Toilettengang und Kaffeepause, vor allem aber ohne Sicherheits-Kontrollpunkte, weil dort nur innereuropäisch umgestiegen wird. 14 000 solcher Wegezeiten sind auf der Tapete vermerkt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×