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27.02.2012

08:23 Uhr

Frankfurter Flughafen

Reisende bekommen Streik zu spüren

Seit Sonntagabend wird am Frankfurter Flughafen wieder gestreikt. Auf Reisende kommen erneut Einschränkungen zu. Der Tarifkonflikt um 200 Mitarbeiter zerrt an den Nerven von Passagieren, Airlines und Betreiber Fraport.

Tarifkonflikt geht in nächste Runde

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FrankfurtAm größten deutschen Flughafen in Frankfurt hat der neue Streik der Vorfeld-Mitarbeiter wieder für Einschränkungen gesorgt. Allerdings hielten sich die Auswirkungen in Grenzen. Am Montag fällt etwa jeder neunte Flug aus. Nach Angaben des Flughafenbetreibers Fraport wurden insgesamt 148 von 1286 Verbindungen wegen des Arbeitskampfes gestrichen.

„Ansonsten erwarten wir einen geregelten Flugablauf“, sagte ein Sprecher am Montagmorgen. Die Vorfeld-Mitarbeiter hatten am Sonntagabend erneut die Arbeit niedergelegt; zehn Flüge waren noch am Abend gestrichen worden.

Nach dem Scheitern der Tarifgespräche für die etwa 200 Mitarbeiter hatte die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) erneut zum Streik aufgerufen. Der Arbeitskampf soll zunächst bis Donnerstag 5 Uhr andauern. Am Sonntagabend gab es kaum Auswirkungen: Wegen des Nachtflugverbots durften zwischen 23 Uhr und 5 Uhr ohnehin keine Maschinen starten oder landen.

Das sieht der Schlichterspruch vor

Geltungsbereich

Der Schlichterspruch des früheren Ersten Bürgermeister von Hamburg, Ole von Beust, wird in den Verhandlungen zwischen Fraport und GdF wieder eine bedeutende Rolle spielen. Der Spruch betrifft die Beschäftigten in den Bereichen Zentrale Vorfeldkontrolle, Verkehrszentrale und Vorfeldaufsicht. Bis spätestens 1. August 2012 sollen sollen diese operativen Funktionen auf ein rechtlich selbstständiges Unternehmen übertragen werden.

Laufzeit

Der Schlichterspruch sieht eine Laufzeit von vier Jahren vor. Der Tarifvertrag sollte am 1. Januar 2012 beginnen und bis zum 31. Dezember 2015 laufen.

Entgelte

Für die Mitarbeiter der Vorfeldkontrolle werden im Schlichterspruch die Forderungen der GdF zugrunde gelegt. Nach Fraport-Angaben sollen die Kontrolleure zwischen knapp 80.000 und knapp 87.000 Euro gefordert haben. Für die Beschäftigten der Verkehrszentrale sind Entgelte zwischen 50.500 Euro (Disponent) und 64.000 Euro (Schichtleitung) vorgesehen. Mitarbeiter der Vorfeldaufsicht sollen zwischen fünf und acht Prozent weniger als ihre Kollegen der Verkehrszentrale erhalten. 50 Prozent der Erhöhungsbeträge sind ab dem 1. Januar 2012 vorgesehen, die weiteren 50 Prozent ab dem 1. Januar 2014.

Nachtzeitraum

Für die ersten beiden Geltungsjahre des Tarifvertrages (2012 und 2013) soll die Zeit von 21 bis 6 Uhr morgens als Nachtzeitraum gelten. Ab 2014 beginnt die Nacht für die Vorfeldmitarbeiter eine Stunde früher und geht dann von 20 bis 6 Uhr.

Überstundenvergütung

Für Überstunden sind im Schlichterspruch Zuschläge von 35 Prozent vorgesehen. Die Zuschläge sollen für alle drei Berufsgruppen gelten.

Rufbereitschaft

Sind Mitarbeiter in Bereitschaft, so sollen sie dafür 40 Prozent einer regulären Arbeitsstunde angerechnet bekommen. Die Hälfte davon sind laut Schlichterspruch in Freizeitausgleich, die andere Hälfte in Entgelt zu vergüten.

Am Montag fallen an Deutschlands größtem Flughafen nur Kurzstreckenflüge aus. Betroffen sind deutsche und europäische Ziele. Wer nicht auf andere Flüge umgebucht werden kann, soll mit der Deutschen Bahn ans Ziel gebracht werden. Die Lufthansa hatte für Montag angekündigt, etwa 70 Verbindungen - jeweils Hin- und Rückflug - zu streichen. Etwa 80 Prozent des Flugplanes sollten aber wie geplant abgewickelt werden, darunter auch die Interkontinentalverbindungen.

Die Vorfeldlotsen, Flugzeugeinweiser und Verkehrsdisponenten hatten zuvor bereits an fünf Tagen die Arbeit niedergelegt, mehr als 1200 Starts und Landungen fielen aus. Am Donnerstag waren Fraport und die GdF dann an den Verhandlungstisch zurückgekehrt, aber die Tarifgespräche waren bereits am Freitagabend geplatzt.

Die GdF fordert erhebliche Einkommenserhöhungen, höhere Zulagen und geringere Arbeitszeiten. Fraport hatte den erneuten Streikaufruf als „völlig überzogen und nicht nachvollziehbar“ bezeichnet. Der Bundesvorstand der GdF will sich am Montag zu einer Sondersitzung treffen. Dabei soll auch beraten werden, ob das Vorgehen möglicherweise härter werden soll.

Kommentare (2)

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Peter

27.02.2012, 06:24 Uhr

Es gibt Millionen Beamte in Deutschland die nicht streiken dürfen. Deshalb sollten in allen Bereichen, die derzeit von einer kleiner Minigewerkschaft erpressbar geworden sind, nur noch Beamte eingesetzt werden. Die dazu notwendig Aus-/Umbildung ist sicherlich in kurzer Zeit zu gewährleisten. Die bisher dort tätigen Arbeiter und Angestellte sind zu entlassen. Dieses egoistische Pack trägt ihre Tarfikonflikte auf dem Rücken Unbeteiligter aus und dafür habe ich keinerlei Verständnis!

hajohans

27.02.2012, 10:33 Uhr

Die Einweisung der Flugzeug ist durchaus mit GPS loesbar
und im Prinzip sicherer und besser ueberwachbar als mit der
derzeitigen Personalloesung. Das damit freiwerdende Personal kann dann zur Verbesserung der Hygiene der Toilettenanlagen eingesetzt werden.

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