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17.02.2012

04:01 Uhr

Frankfurter Flughafen

Rollfeld-Streik entzweit Gewerkschafter

VonTobias Döring

Es ist der Alptraum der Geschäftsreisenden: Heute wird der Flughafen Frankfurt von 8 bis 22 Uhr bestreikt. Allein Lufthansa und Air Berlin streichen Hunderte Flüge. Ein Zwist unter Gewerkschaften kocht daher hoch.

Streik am Flughafen Frankfurt Main

Video: Streik am Flughafen Frankfurt Main

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FrankfurtDer Streik des Rollfeld-Personals auf dem Frankfurter Flughafen entzweit die Arbeitnehmervertreter. Mit kräftigen Worten giftet Edgar Stejskal, Konzernbetriebsratschef des Flughafenbetreibers Fraport, gegen die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF), deren Aufruf zum Streik von 15 bis 22 Uhr am Donnerstag etwa 200 Fraport-Beschäftigte gefolgt sind. Stejskal wirft den Mitarbeitern vom Vorfeld „reinen Egoismus“ vor. „Die Kollegen wären gut beraten, wenn sie sich besinnen“, sagt der Konzernbetriebsrat. „So bricht uns der Flächentarifvertrag auseinander.“

Die geforderten 70.000 bis 100.000 Euro brutto Jahresgehalt für einen Lotsen auf dem Vorfeld seien viel zu viel. Ein Fahrer dort könne nicht mehr verdienen als ein Ingenieur, der ein Studium hinter sich gebracht habe. „Fragen Sie die Kollegen mal direkt, wie sie die Forderung rechtfertigen.“

Von den Kollegen, die zum Großteil in der GdF organisiert sind, ist auch nach Streikbeginn am Flughafen niemand zu sehen. Sie haben sich in einer Gaststätte gleich um die Ecke in Kelsterbach versammelt. Von Markus Siebers, GdF-Bundesvorstand Tarif und Recht, kommt am Abend gegenüber Handelsblatt Online eine Replik auf die scharfen Töne Stejskals. Vor Leuten, „die auf diese Art und Weise ihre Kollegen verunglimpfen und gemeinsame Sache mit dem Unternehmen machen, habe ich als Gewerkschafter jede Achtung verloren“, so Siebers.

Hintergrund ist ein Zwist zwischen den Gewerkschaften GdF und Verdi. Die jetzt streikenden Mitarbeiter des Vorfelds waren früher bei Verdi organisiert, bevor sie zur kleinen Spartengewerkschaft wechselten. Und Stejskal ist bei Verdi als Mitglied gelistet. Andere Verdi-Verbände würden die GdF hingegen bei ihrem Streik unterstützen, sagt Siebers. Mit Stejskal hingegen spreche er nicht mehr.

Darauf sollten Passagiere achten

Auskunft

Der wichtigste Ansprechpartner für die Passagiere ist die Fluggesellschaft. Da schwer abzuschätzen ist, welche Flüge genau von einem Ausstand der Vorfeldmitarbeiter betroffen sein werden, sollte man sich vorab bei der Gesellschaft nach Ausfällen erkundigen. Das ist etwa auf den Internetseiten der Airlines und Reiseveranstalter möglich. 

Umbuchung

Grundsätzlich können Flüge, die ausfallen, vom Passagier storniert werden. In den Fällen gibt es Geld zurück. Oder aber man versucht, einen Platz für einen anderen Flug zu bekommen. Ein Anrecht auf den nächsten Flug gibt es allerdings nicht. Eine gewisse Wartezeit sollte also eingeplant werden.

Entschädigung

Ein Streik ist kein Grund, von der Fluggesellschaft eine Entschädigung einzufordern. Allerdings sind die Airlines verpflichtet, sich ab einer gewissen Verspätung um die Versorgung der Passagiere zu kümmern. Damit sind Mahlzeiten, Getränke, Telefonate und falls notwendig auch ein Nachtquartier gemeint.

Kleingedrucktes

Allerdings sollte man auf das Kleingedruckte solcher Regeln achten. Diese Form der Betreuung ist bei Flügen bis zu 1 500 Kilometern erst ab einer Verspätung von zwei Stunden vorgeschrieben. Ist ein Flug von bis zu 3 500 Kilometern betroffen, darf die Wartezeit drei Stunden betragen, bevor die Airlines einen solchen Sonderservice bieten müssen. Bei noch längeren Strecken sind es sogar bis zu vier Stunden.

Auch der Kontakt mit Fraport ruht. 24 Stunden vor dem Beginn des Streiks habe man ein Schreiben bekommen. Das sei alles gewesen, so Fraport-Vorstandsmitglied Peter Schmitz. Für den Flughafenbetreiber ist der Streik der Vorfeldmitarbeiter Neuland. „Wir müssen Erfahrung sammeln mit der Situation. So was hatten wir noch nicht“, sagt Schmitz. Im Vorfeld, dort, wo die Maschinen vor Starts und nach Landungen begleitet werden, seien trotz des Streiks aber alle Positionen besetzt.

Ersatzweise haben Mitarbeiter aus anderen Bereichen die Spätschicht übernommen, die zuvor geschult wurden. 16 Beschäftigte des Vorfelds hätten sich zudem dem Streik verweigert. „Wir haben qualifiziertes Personal, aber das ist nicht das Tagesgeschäft des Personals. Von daher wird das etwas langsamer gehen“, sagt Schmitz, während GdF-Vorstand Siebers hofft, dass diese „mit viel Glück und Spucke hoffentlich keinen Unfall produzieren“.

Kommentare (13)

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klasse

16.02.2012, 18:04 Uhr

der "sogenannte versuch" ist sehr erfolgreich.
dazu meinen glückwunsch. mehr von diesen "sogenannten".

leser

16.02.2012, 18:16 Uhr

Die Arbeit "sogenannter", ohne die kein Flieger abheben würde, wird unterschätzt!

Wie hierzulande der Faktor Arbeit ganz offenkundig lediglich etwas für "sogenannte" zu sein scheint.

So etwas wird gerne vergessen, während man sich in der Businessclass verwöhnen läßt.
So wichtig man sich auch empfinden mag beim Jet-setten, ohne die Arbeit anderer wäre nichteinmal Fliegen möglich.

Gast

16.02.2012, 19:01 Uhr

70.000 - 100.000 Euro für bessere Parkplatzanweiser ... da rege sich noch mal einer über Politiker-, Banker- oder Managergehälter auf...

Merken die eigentlich noch was???

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