Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.03.2014

15:25 Uhr

Franz‘ letzte Bilanz

Lufthansa muss jetzt durchstarten

VonTobias Döring

Deutschlands größte Fluggesellschaft steckt mitten im Umbau. Die Gewinne gehen weiter zurück. Vorstandschef Franz übergibt bald an Kronprinz Spohr, der vollenden muss: 2014 wird das entscheidende Jahr für die Lufthansa.

Lufthansa an der Börse gefeiert - Große Herausforderungen bleiben

Video: Lufthansa an der Börse gefeiert - Große Herausforderungen bleiben

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

FrankfurtBei einem normalen Konzern würde es für reichlich Unruhe sorgen, wenn das Jahresergebnis um drei Viertel einbricht. Doch in der Luftfahrt ist nichts normal und bei der Lufthansa derzeit schon mal gar nicht. Das zeigt sich bereits daran, dass sich Deutschlands größte Fluggesellschaft in ihrem Geschäftsbericht dazu gezwungen sieht, den operativen Gewinn gleich zweimal auszuweisen: „Normalisiert“ nennt die Lufthansa den zweiten, aus ihrer Sicht um Extrakosten bereinigten, Wert. Und der ist im abgelaufenen Jahr immerhin um mehr als 60 Prozent auf 1,04 Milliarden Euro gestiegen.

Angesichts der Lage der Lufthansa mitten im Umbau gilt es daher trotzdem als Erfolg, dass der Gewinn unterm Strich von 1,23 Milliarden auf 313 Millionen Euro zurückgegangen ist. Denn damit übertraf die Airline sogar die Erwartungen der Analysten.

Die Börse jubelte am Donnerstag über den Einbruch: In Frankfurt schossen die Aktien des Luftfahrt-Unternehmens zwischenzeitlich um mehr als sieben Prozent nach oben. Den Anteilseignern hatte die Lufthansa das Ergebnis mit einer Dividenden-Ankündigung von 0,45 Euro je Aktie schmackhaft gemacht, nachdem die Gewinnbeteiligung im Vorjahr ausgeblieben war.

Das sind die Konfliktfelder der Lufthansa

„Kriegserklärung der Lufthansa“

Die Lufthansa steuert auf den nächsten Streik zu. Seit zwei Jahren kann sich der Luftverkehrskonzern mit seinen Piloten nicht auf einen neuen Gehaltstarif einigen. Das Ergebnis der Urabstimmung wird am 21. März bekanntgegeben. Für zusätzlichen Zündstoff sorgt der Umstand, dass Lufthansa zum Jahresende sowohl die betriebliche Altersversorgung als auch die sogenannte Übergangsversorgung für das fliegende Personal gekündigt hat. Die Pilotengewerkschaft „Vereinigung Cockpit“ (VC) sprach in diesem Zusammenhang von einer „Kriegserklärung“. Die Konfliktfelder im Einzelnen.

Pilotengehälter

Die Piloten gehören mit Spitzengehältern von bis zu 250.000 Euro im Jahr zu den Topverdienern im Konzern, erwarten aber auch regelmäßige Gehaltserhöhungen, die mindestens die Inflation ausgleichen und sie am Produktivitätszuwachs teilhaben lassen. Die Verhandlungspositionen sind weit voneinander entfernt: Aktuell hat die VC die Forderungen für zwei Jahre bis Mitte 2014 auf rund 10 Prozent addiert. Lufthansa will hingegen erst im Jahr 2016 eine Tabellensteigerung um 3 Prozent zahlen und bis dahin mit erfolgsabhängigen Einmalzahlungen arbeiten, die auch ganz wegfallen können, wenn die operative Marge im Passagiergeschäft nicht stimmt. Nach bislang vorliegenden Geschäftszahlen aus dem dritten Quartal hätte es bei der mitten in einem riesigen Sparprogramm steckenden Gesellschaft für 2013 schon mal keine Einmalzahlung gegeben.

Übergangsversorgung

Bis zum Jahreswechsel konnten Piloten mit frühestens 55 Jahren mit bis zu 60 Prozent ihrer Bezüge in den Vorruhestand gehen. Lufthansa sieht keine Rechtsgrundlage mehr für die Übergangsversorgung, weil Lufthansa-Kapitäne im September 2011 vor dem Europäischen Gerichtshof erstritten haben, bis zur internationalen luftfahrtrechtlichen Grenze von 65 fliegen zu dürfen. Aus Sicht der Gewerkschaft macht aber das bisherige Endalter von 60 Jahren nach deutscher Rechtsprechung auch tarifpolitisch Sinn, weil die Alten Platz für Jüngere machten und zudem das Unternehmen Teile der sehr hohen Gehälter der Alt-Kapitäne spare.

Lufthansa argumentiert mit den laufenden hohen Kosten: Im Schnitt müssten jährlich zusätzlich 8 Prozent des Pilotengehalts für die Übergangsrente zurückgelegt werden. Nach geltender Rechtslage könnten Kabinenmitarbeiter bis zum gesetzlichen Rentenalter fliegen, die Piloten bis 65, so dass eine Übergangsversorgung nicht mehr nötig sei. Für zwei Jahre will das Unternehmen die alten Regelungen noch anwenden, ohne sie juristisch anzuerkennen.

Lizenzverlustsicherung

In der Übergangsversorgung ist auch eine von der Lufthansa bezahlte Versicherung enthalten, die bei Verlust der Pilotenlizenz mit Zahlungen eintritt. Diese Regelung bleibt nach Lufthansa-Lesart trotz der Kündigung weiter in Kraft. Die Piloten müssen sich auch privat gegen den Lizenzverlust absichern, indem sie ganz am Anfang ihrer Laufbahn eine entsprechende private Versicherungspolice abschließen.

Betriebsrenten

Wie andere Unternehmen auch hat Lufthansa bislang ein Betriebsrentensystem, das den Beschäftigten im Voraus bestimmte monatliche Zahlungen garantiert. Im Schnitt erhalten die Kranich-Rentner monatlich 700 Euro Betriebsrente. Den Rentenansprüchen liegen allerdings Rendite-Erwartungen zwischen 6 und 7 Prozent zugrunde, die derzeit am von Niedrigzinsen geprägten Kapitalmarkt nicht zu erzielen sind. Das Unternehmen will künftig nur noch die Höhe seines Zuschusses garantieren, nicht aber die auszuzahlende Rente.

Verhandelt werden muss das mit allen Beschäftigtengruppen, die auf ihre bislang erworbenen Ansprüche pochen können. Wird keine Lösung gefunden, gelten für die Stammbeschäftigten die alten, von Lufthansa einseitig gekündigten Bestimmungen weiter. Eine schnelle Einigung mit allen Gewerkschaften scheint daher unwahrscheinlich. Nachteile erleiden zunächst nur Neueingestellte, die keinerlei Zusagen zu Betriebsrenten erhalten.

Der Mann, der den Umbruch bei der Lufthansa eingeleitet hat, zog am Donnerstag am Frankfurter Flughafen ein letztes Mal Bilanz. Vorstandschef Christoph Franz geht Ende April nach gut drei Jahren an der Spitze von Bord und nimmt in einem First-Class-Sitz in der Schweiz Platz: Der Manager wird Verwaltungsratspräsident beim Pharmakonzern Roche. Für die Lufthansa kommt der Wechsel zu früh, so viel ist klar. Denn der angestoßene Umbau im Rahmen des Sparprogramms „Score“ ist noch längst nicht abgeschlossen. Franz hinterlässt seinem Nachfolger und bisherigen Chef des Passagiergeschäfts Carsten Spohr eine Reihe von Baustellen.

Aktuell auffällig ist da zum Beispiel, dass der Lufthansa-Konzern im vierten Quartal zwar operativ mit 36 Millionen Euro in die schwarzen Zahlen geflogen ist, das Passagiergeschäft mit Lufthansa und der Billigtochter Germanwings jedoch ein Minus schrieb. In diesem Kerngeschäft gab es einen operativen Verlust von 35 Millionen Euro zu beklagen. Dafür gebe es keinen speziellen Grund, sagte Franz. „Alle europäischen Airlines machen ihre Gewinne im Sommer“, so der scheidende Chef. Laut Finanzvorstand Simone Menne schlugen bei Germanwings im vierten Quartal allein 70 Millionen Euro an Projektkosten durch.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×