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16.09.2013

14:55 Uhr

Franz wechselt in die Schweiz

Schneller Abflug, viele offene Baustellen

VonTobias Döring

Nach nur drei Jahren im Cockpit von Deutschlands größter Airline geht Christoph Franz 2014 von Bord. Der Manager hat bei der Lufthansa einen ambitionierten Umbau angestoßen, doch für seinen Nachfolger bleibt viel zu tun.

Führungswechsel

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DüsseldorfEs ist ein überraschender wie abrupter Wechsel: Christoph Franz verlässt die Lufthansa nach Ablauf seines Vertrages Ende Mai 2014 und soll zum Verwaltungsratschef des Schweizer Arzneimittelherstellers Roche gewählt werden. „Das Zukunftsprogramm Score und wichtige Investitionsentscheidungen haben bis dahin die Grundlagen für eine erfolgreiche Weiterentwicklung der Lufthansa Group gelegt“, ließ Franz am Montagmorgen mitteilen. Und weiter: „Dies ist ein passender Zeitpunkt für einen Führungswechsel.“ Das dürften die Lufthansa-Beschäftigten und die Aktionäre ganz anders sehen.

Denn der 53-Jährige verlässt Deutschlands größte Fluggesellschaft mitten im Umbruch. „Diese Entscheidung ist mir nach insgesamt knapp 15 Jahren in der Lufthansa Group alles andere als leicht gefallen“, erklärte Franz laut Mitteilung. Egal wie die Zahlen im Sommer nächsten Jahres aussehen werden – der von ihm eingeschlagene Sanierungskurs wird dann noch lange nicht abgeschlossen sein. Franz dürfte bei der ehemaligen Staats-Airline viele offene Baustellen hinterlassen.

Die Karriere des Christoph Franz

Studium

Christoph Franz promoviert als Wirtschaftsingenieur an der Technischen Hochschule Darmstadt. Während seines Studiums absolviert Franz Auslandssemester im französischen Lyon und in Berkeley, USA. Franz war außerdem Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes.

Quelle: Munzinger Online

Lufthansa bis 1994

Franz startet seine Karriere in seinem Geburtsort Frankfurt am Main. Bei der Deutschen Lufthansa beginnt er in der strategischen Konzernplanung und arbeitet unter anderem am Aufbau des Ferienfliegers Sun Express. Zudem steigt er auf Wunsch des damaligen Lufthansa-Chefs Jürgen Weber in das „Turnaround-Team“ ein. Das Team soll neue Strategien für die kriselnde Lufthansa entwerfen.

Deutsche Bahn bis 2003

Christoph Franz wechselt im April 1994 in die Geschäftsbereichsleitung Fernverkehr der Deutschen Bahn. Dort ist er für die Abteilungen Finanzen und Controlling tätig, ehe er drei Jahre später die Leitung der Konzernentwicklung übernimmt. Unter dem damaligen Vorstandschef Hartmut Mehdorn steigt Franz im Herbst 1999 in den Konzernvorstand auf. Franz übernimmt das Ressort DB Reise & Touristik. Wenige Monate später teilt ihm Mehdorn noch die Verantwortung für den Nahverkehr zu, sodass Franz die Leitung des kompletten Personenverkehrs der Bahn ausführt. Im Mai 2003 tritt Franz bei der Bahn von seinen Ämtern zurück. Grund ist ein Streit über die Einführung eines neuen Preissystems.

Unternehmensberater

Für ein Jahr lang tritt Franz als Berater für Unternehmen auf.

Swiss bis 2009

Nach zwei Monaten als Vorstandsmitglied bei der Fluggesellschaft Swiss wird Christoph Franz im Juni 2004 zum Chef des Unternehmens ernannt. In seiner neuen Rolle forciert Franz Schritt für Schritt die Aufnahme der kriselnden Swiss in eine Airline-Allianz. Gleichzeitig führte Franz Kürzungen durch – unter anderem bei der Flotte und im Personalwesen. Zu Beginn des Jahres 2005 nimmt er Gespräche mit der Lufthansa auf. Die deutsche Fluggesellschaft erklärt im März desselben Jahres eine schrittweise Übernahme der Swiss. Die Schweizer Airline wird als eigenständige Lufthansa-Tochter in deren Star Alliance aufgenommen. Die Lufthansa investiert 310 Millionen Euro bis zur vollständigen Konsolidierung in die Swiss und übernimmt 380 Millionen Euro Schulden.

Lufthansa bis 2013 – Teil 1

Christoph Franz wechselt im Juni 2009 als stellvertretender Chef in den Vorstand der Deutschen Lufthansa. Bereits nach einem Monat kündigt Franz in einem Brief an die Mitarbeiter Einsparungen von einer Milliarde Euro an. Ende September 2010 ernennt der Lufthansa-Aufsichtsrat Franz als Nachfolger des Vorstandschefs Wolfgang Mayrhuber, der den Konzern verlässt.

Lufthansa bis 2013 – Teil 2

Zum Jahreswechsel 2011/12 macht Franz Pläne über ein neues Sparprogramm öffentlich. Bis 2014 will die Fluggesellschaft 1,5 Milliarden Euro einsparen. Im April 2012 wird bekannt, dass die Summe besonders durch die Kürzung von Personalkosten wieder eingespielt werden soll. Im Mai beschließt Lufthansa unter anderem den Abbau von 3500 Stellen, im September die Einführung einer neuen Billigmarke. Die Pläne konkretisieren sich im Dezember, als Franz bekannt gibt, dass es ein neues Produkt- und Marketingkonzept für die Tochter Germanwings geben wird. Im Januar 2013 geht Germanwings erstmals mit neuem Aussehen an den Start: ein neues Logo sowie eine mehrstufige Economy-Klasse. Lufthansa sieht vor, dass künftig ein Drittel der Flotte für Germanwings fliegen soll.

Roche

Der Pharmakonzern Roche bestätigt Christoph Franz am 5. März 2013 in seinem Amt als Verwaltungsratsmitglied, das er bereits seit 2011 ausübt. Im September 2013 wird bekannt, dass Franz Ende April 2014 bei der Lufthansa ausscheidet. Im März 2014 wird der Manager bei Roche zum Verwaltungsratspräsidenten gewählt.

Zum einen ist da das Sparprogramm „Score“, das Franz im vergangenen Jahr eingeleitet hat. Mit dem Programm will die Lufthansa das Betriebsergebnis bis zum Jahr 2015 um 1,5 Milliarden Euro jährlich steigern. Dazu setzte Franz einen Umbau im Passagiergeschäft durch: Bis Herbst 2014 sollen alle Linien innerhalb Deutschlands und Europas von der Billigtochter Germanwings übernommen werden. Nur Flüge der Drehkreuze Frankfurt und München bleiben davon ausgenommen. Teile der Lufthansa-Flotte gehen im Rahmen der Umstrukturierung auf Germanwings über. Mit der Umstellung zog Franz nicht nur Kritik der Belegschaft, sondern auch der Vielflieger auf sich.

Sie wird im Mai 2014 noch nicht abgeschlossen sein – wie auch der Stellenabbau. Denn die Lufthansa spart im Rahmen von „Score“ auch kräftig beim Personal. Von 117.000 Arbeitsplätzen sollen mindestens 3500 wegfallen. 2500 Mitarbeiter in Deutschland sind betroffen. Das führte zu Konfrontationen mit der Belegschaft. Zähe Tarifverhandlungen sind ein Beleg dafür. Aktuell befinden sich die Gespräche mit den Piloten in einer schwierigen Phase.

Und es drohen weitere Streiks: Die Lufthansa hat Anfang des Monats die Tarifverträge für Pensionen und die Übergangsversorgung mit Wirkung zu Ende des Jahres gekündigt. Die 60.000 Angestellten der Fluggesellschaft in Deutschland müssen sich auf niedrigere Betriebsrenten einstellen, wollen dies aber nicht hinnehmen. Das derzeitige Niveau der betrieblichen Altersversorgung sei so nicht mehr finanzierbar, sagte der Personalvorstand des Passagiergeschäfts, Peter Gerber.

Kommentare (1)

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LawrenceWolf

16.09.2013, 14:54 Uhr

Was für eine Erleichterung, dass der Technokrat FRANZ die Lufthansa verläßt! Er hinterläßt mehr verbrannte Erde, als derzeit sichtbar ist, vor allem, wenn man vertraulich mit Mitarbeitern spricht. Seit seine Programme greifen, fliege ich ausschließlich mit anderen Gesellschaften. Als ehemaliger Kunde wünsche ich der Lufthansa und vor allem ihrer Belegschaft einen künftigen Chef, der alle Ressourcen des Unternehmens für eine strategische Ausrchtung (er-) kennt und nicht nur ausschlißlich jedem auch noch so kurzfristigen- Shareholder Value dient.

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