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21.10.2011

17:27 Uhr

Fraport

Regierungsflieger eröffnet neue Landebahn

Mit der Landung von Bundeskanzlerin Merkel wurde die neue Landebahn am Frankfurt Flughafen eröffnet. Auf das Nachtflugverbot ging sie nicht direkt ein. Die Fracht brauche die Nacht, kritisierte Lufthansa-Chef Franz.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (2.v.r., CDU) eröffnete die Frankfurter Landebahn. dapd

Bundeskanzlerin Angela Merkel (2.v.r., CDU) eröffnete die Frankfurter Landebahn.

FrankfurtDie neue Landebahn Nordwest des Frankfurter Flughafens ist offiziell eröffnet. Sie nahm mit der Ankunft von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Freitag ihren Betrieb auf. Die Regierungsmaschine „Konrad Adenauer“ landete trotz leichten Nebels fast pünktlich um 14.30 Uhr. Merkel sagte, die Landebahn sei „ein Gewinn für den Flughafen, sie ist ein Gewinn für die Region, und sie ist ein Gewinn für das ganze Land.“ Die Landebahn sei zudem Ausdruck der Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland.

Schon die Zahl der 70.000 Beschäftigten zeige, dass der Frankfurter Flughafen ein starker Wachstums- und Wohlstandsmotor sei, betonte die Kanzlerin. Transport und Logistik würden als wirtschaftliche Erfolgsfaktoren immer wichtiger. Deutschland brauche Kapazitäten im Luftverkehr, um die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.

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Großprojekte gehörten dazu, sagte Merkel, auch wenn sie in der Regel auf Widerstände stießen. Beim Ausbau der Landebahn sei es gelungen, die Betroffenen frühzeitig einzubinden. Die Bundesregierung wolle Planungsverfahren so modernisieren, dass Investoren Planungssicherheit hätten, aber gleichermaßen die Sorgen der Bürger berücksichtigt würden. Die Öffentlichkeit sollte schon vor Beginn des eigentlichen Genehmigungsverfahrens beteiligt werden.

Es sei klar, dass es Anwohnern nicht leicht fällt, eine Entscheidung für ein Projekt zu akzeptieren, wenn sie deshalb mit mehr Fluglärm leben müssten, sagte die Bundeskanzlerin. Sie verwies auf Regeln für den Schallschutz, die in den vergangenen Jahren erlassen worden seien. Aber damit sei es nicht getan: Flugzeuge ließen sich weiterentwickeln, Anflugverfahren verbessern. Flugrouten und Nachtflüge seien immer wieder einer Optimierung zu unterwerfen.

„Und genau das wird hier ja getan“, sagte Merkel. Auf die gerichtliche Auseinandersetzung um das Nachtflugverbot von 23.00 bis 5.00 Uhr am Frankfurter Flughafen ging sie nicht explizit ein. Der Vorstandschef der Flughafengesellschaft Fraport, Stefan Schulte, forderte dagegen pragmatische Regelungen für verspätete Abflüge. Er mahnte zudem nach dem vom Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel vor knapp zwei Wochen verhängten Nachtflugverbot eine rasche Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig an. Die Funktion des Flughafens bestehe darin, „für Deutschland und für die deutsche Wirtschaft das Tor zur Welt zu
sein“, sagte Schulte. Diese Funktion könne kein anderer Flughafen übernehmen. Deshalb sei der Ausbau in Frankfurt für die Wirtschaft so wichtig.

Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sagte, der Flughafen sei der „Herzmuskel“ der wirtschaftlichen Entwicklung der Region. Er schaffe Wohlstand und sichere Arbeitsplätze. Zugleich sei die Landesregierung sensibel gegenüber den Interessen der Bürger. Mit Blick auf die Nachtflüge bekräftigte Bouffier, an der Revisionsklage vor dem Bundesverwaltungsgericht festzuhalten. Eine höchstrichterliche Entscheidung sei im Interesse der Rechtssicherheit.

Der Lufthansa-Vorstandsvorsitzende Christoph Franz kritisierte das Nachtflugverbot. Er nannte den Preis für die neue Landebahn zu hoch, insbesondere für den Frachtverkehr seines Unternehmens. Die anstehenden Ausweichmanöver über Köln/Bonn und die Absage von Transporten, die nun unternommen werden müssten, seien „ökonomisch und ökologisch grotesk“. Die Fracht brauche die Nacht. Bei einem völligen Verbot von Nachtflügen in Frankfurt stelle sich die Frage, wie Deutschland noch vorne mitspielen könne.

Von

dapd

Kommentare (6)

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merkelneindanke

21.10.2011, 19:36 Uhr

Fr. Merkel lobt die "frühe Einbindung der Betroffenen" und vergißt dabei, wie die Bevölkerung über den Tisch gezogen wurde. Erst mantraartig das Nachtflugverbot versprechen, um dann dagegen klagen. Soviel zur "gelungenen Mediation". Koch scheint Merkel's großes Vorbild zu sein, und dann wissen wir auch, mit wem wir es bei Fr. Merkel zu tun haben. Daß Lügen sozusagen eine Arbeitsbeschreibung von Politikern ist, ist ja nichts Neues. Aber die Dreistigkeit verblüfft dann doch immer wieder.

Rainer

21.10.2011, 20:10 Uhr

Ich find´s gut, endlich wieder ein Zeichen für Fortschritt. Große Projekte dürfen nicht wegen ein paar Anwohnern gefährdet werden. Notfalls Umsiedelung!!!

Lexi

21.10.2011, 20:30 Uhr

Genau das ist die Lösung: Umsiedlung!!! Des Flughafens - nicht der Anwohner.
Im Hunsrück würde die Fracht niemanden stören. Aber es musste halt mit Gewalt die Leute verarscht werden. Es wird wohl doch Zeit, dass endlich ein paar Köpfe rollen.

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