Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.02.2013

09:58 Uhr

Führungswechsel

Niki Lauda als Alitalia-Chef im Gespräch

VonLukas Bay

Die defizitäre italienische Airline Alitalia sucht einen neuen Chef mit "internationalem Profil". Im Gespräch ist auch der dreimalige Formel-1-Weltmeister Niki Lauda. Der Österreicher ist ein Veteran der Luftfahrt.

Niki Lauda hat schon zwei Fluggesellschaften gegründet. Reuters

Niki Lauda hat schon zwei Fluggesellschaften gegründet.

WienAls Formel-1-Fahrer ist er eine Legende, als Airline-Gründer ein Veteran - nun könnte er eine der großen Fluggesellschaften Europas übernehmen. Niki Lauda ist einem Bericht zufolge als neuer Chef der italienischen Fluggesellschaft Alitalia im Gespräch. Neben Lauda habe auch der Chef der italienischen Staatsbahn, Mauro Moretti, gute Chancen auf den Posten, berichtete die österreichische Zeitung "Der Standard" vom Donnerstag. Das Blatt berief sich auf das Umfeld von Alitalia. Die Fluggesellschaft sucht nach dem Rückzug von Andrea Ragnetti am Montag einen neuen Chef. Aufsichtsrat-Chef Roberto Colaninno hatte erklärt, Ragnettis Nachfolger müsse "internationales Profil" haben.

Trotz Gewinn im vierten Quartal hatte die Airline den Verlust im vergangenen Jahr vervierfacht. Unter dem Strich war ein Minus von 280 Millionen Euro angefallen. 2011 hatte der Verlust noch bei 69 Millionen Euro gelegen. Der Umsatz stieg 2012 derweil um 3,3 Prozent auf 3,59 Milliarden Euro.

Die größten Fluggesellschaften der Welt

Platz 10

US Airways (USA) - 66 Millionen Passagiere

Durch die Fusion mit American Airlines steigt die Fluggesellschaft ab Herbst 2013 zur größten der Welt auf. Im vergangenen Jahr schaffte die Airline nur knapp den Sprung in die Top Ten.

Platz 9

China Eastern Airlines (China) - 73 Millionen Passagiere

Mitte 2011 wurde die chinesische Airline ins SkyTeam aufgenommen. Die 285 Flugzeuge steuern im wesentlichen Ziele im Inland an, aber auch Flughäfen in Nordamerika, Europa und Australien. Größter Anteilseigner der Fluggesellschaft ist die chinesische Regierung.

Platz 8

Air France-KLM (Frankreich) - 77 Millionen Passagiere

Die Franzosen leiden unter dem schwachen Geschäft in Europa. Billig-Airlines und Kerosinpreise verhageln das Geschäft. Darum wurde zuletzt sogar eine Kooperation mit dem aufstrebenden arabischen Konkurrenten Etihad eingegangen, um der Lufthansa ihren Spitzenplatz abzujagen.

Platz 7

Ryanair (Irland) - 79 Millionen Passagiere

Ryanair-Chef Michael O'Leary ist berühmt für seine ausgeflippten Auftritte. Durch seine Billigstrategie sind die Iren mittlerweile die größte Fluggesellschaft Europas. Zuletzt wollten die Iren erneut den heimischen Konkurrenten Aer Lingus übernehmen.

Platz 6

China Southern Airlines (China) - 87 Millionen Passagiere

Asiens größte Fluggesellschaft verfügt über eine Flotte von 360 Maschinen - darunter auch ein Airbus A380. Damit soll die Expansion noch lange nicht abgeschlossen sein, die Flotte soll in den kommenden Jahren um 121 Flugzeuge ausgebaut werden.

Platz 5

Lufthansa (Deutschland) - 103 Millionen Passagiere

Die größte deutsche Fluggesellschaft macht rund 75 Prozent ihrer Umsätze im Passagiergeschäft. Besonders das Geschäft in Europa sorgte zuletzt aber für Millionenverluste. Viele europäische Strecken wurden darum auf die Billigtochter Germanwings umgestellt.

Platz 4

American Airlines (USA) - 108 Millionen Passagiere

Ende 2011 musste die Fluggesellschaft noch Insolvenz anmelden - bald könnte sie durch die Fusion mit US Airways zur größten der Welt aufsteigen.

Platz 3

Southwest Airlines (USA) - 109 Millionen Passagiere

Die bunten Texaner sind die größte Inlandsfluggesellschaft der Welt. Nachdem die Passagierzahl in der Finanzkrise zuletzt heftig gesunken war, erreichte sie 2012 wieder ein Rekordniveau weit über der 100-Millionen-Marke.

Platz 2

United Continental (USA) - 140 Millionen Passagiere

Die Airline aus Chicago verpasst den Spitzenplatz nur knapp. Als Mitglied der Star Alliance ist United auch ein wichtiger Partner der Lufthansa.

Platz 1

Delta Airlines (USA) - 165 Millionen Passagiere

Die Amerikaner sind noch die größte Fluggesellschaft der Welt - müssen ihren Titel aber bald abgeben. Durch die Fusion von American Airlines und US Airways dürfte Delta als größte Fluggesellschaft abgelöst werden. 752 Flugzeuge gehören zur Flotte, weitere 125 sind bestellt.

Mit dem dreifachen Formel-1-Weltmeister Lauda würde ein erfahrener Luftfahrtveteran das Steuer übernehmen, der aber seine großen Schlachten in der Luftfahrt meist verloren hat. 1979 hatte Lauda mit der Gründung von Lauda Air für einen Paukenschlag in der europäischen Luftfahrt gesorgt. Die kleine Regional-Airline wuchs trotz Problemen zum Start sehr rasch und konnte neben Charter- auch Linienflüge anbieten. Nach dem Einstieg von Austrian Airlines und Lufthansa im Jahr 1997 begann der Kampf um die Macht im Unternehmen. Lauda kapitulierte schließlich und zog sich aus dem eigenen Unternehmen zurück. Ende August 2012 startete die letzte Maschine von Lauda Air.

Lauda gründete dagegen die neue Billigfluglinie Niki, saß zur Überraschung der Passagiere hin und wieder selbst als Pilot im Cockpit. Seit 2011 gehört Niki zu Air Berlin. Mit seinem Ausstieg hatte Lauda betont. „Ich habe zwei Airlines gegründet, ein drittes Mal mach ich das nicht.“ Als neuer Chef von Alitalia bliebe ihm wohl nicht anderes übrig. Die Italiener erwägen die Gründung einer eigenen Billigfluggesellschaft, um mit Anbietern wie Easyjet und Ryanair zu konkurrieren.

Sollte die Fluggesellschaft allerdings tatsächlich mit der Staatsbahn Ferrovie dello Stato fusionieren, wie zuletzt mehrere italienische Medien berichtet hatten, dürfte Lauda keine Option sein. Nach Informationen der Zeitung "Corriere della Sera" arbeiten derzeit die Wirtschaftsberater der Boston Consulting Group an einem "Integrationsplan" für beide Unternehmen. Die Bahngesellschaft Ferrovie dello Stato erklärte dazu, sie habe keinen Berater mit der Erstellung eines Fusionsplans beauftragt. Alitalia gehört zu 25 Prozent Air France-KLM. Der italienischen Zeitung "Il Messaggero" zufolge wird Alitalia Ende März das Geld für die Gehälter der Beschäftigten ausgehen. Anfang Januar hatte Air France-KLM einen Bericht desselben Blattes dementiert, wonach sie über eine Alitalia-Übernahme verhandelt.

Mit Informationen von afp

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×