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08.03.2006

09:20 Uhr

Fünf Fragen an: Klaus Läpple

„Die klassische Pauschalreise ist nicht tot“

VonDie Fragen stellten Matthias Eberle, Eberhard Krummheuer.

Klaus Läpple ist Präsident des Deutschen Reiseverbandes und Inhaber eines mittelständischen Reisebüros. Dem Handelsblatt beantworte der Branchenexperte fünf Fragen zum laufenden Geschäft, den Erwartungen an die Fußball-WM und dem Boom der Billigflieger.

Herr Laepple, deutsche Touristiker haben große Erwartungen an das WM-Jahr 2006. Zu Recht?

Ja, ich halte die Hochrechnungen der Branche für realistisch. Doch eins ist klar: Der WM-Tourismus ist einmalig. Die Herausforderung besteht darin, Deutschland insgesamt so positiv und gastfreundlich darzustellen, dass möglichst viele Gäste in den nächsten Jahren wiederkommen.

Wie schätzen Sie das laufende Geschäft der Reisebranche ein?

Das Winterhalbjahr wird, allen Unkenrufen zum Trotz, mit einem ordentlichen Plus abschneiden. Fernreisen, aber auch die Kanaren sind in dieser Saison der Renner. Die Buchungen für den Sommer laufen gut – auch für den WM-Monat Juni. Zu einem Renner entwickeln sich die Mittelmeerziele im Oktober. Seit es mehr Bundesländer mit zwei Wochen Herbstferien gibt, ist zu diesem Zeitpunkt vieles bereits ausgebucht.

Mit dem Boom der Billigflieger stellen immer mehr Menschen ihre Reisen individuell zusammen. Sind Pauschalreisen noch zeitgemäß?

Der Tod der Pauschalreise ist zu voreilig prognostiziert worden. Man darf das Reiseverhalten nicht losgelöst vom Bildungsniveau sehen. Es wird immer eine große Klientel geben, die wegen Sprach- und Verständnisbarrieren bei Auslandsreisen das komplette Paket braucht. Der Anteil dieser Reisenden wird eher wachsen.

Wie müssen die Reise-Riesen auf die Low-Cost-Welle reagieren?

Low Cost heißt, in allen Konzernbereichen preisbewusst sein – das beginnt schon bei den Geschäftsführer-Gehältern. Die Zukunft eines Reisekonzerns liegt nicht in Billigpreisen. Kosten optimieren, das Angebot flexibilisieren und dem Kunden die Sicherheit, Zuverlässigkeit und den Komfort professioneller Reiseorganisation bieten, darin liegt die Zukunft. Preisdumping führt ins Aus.

Sie sind Inhaber eines mittelständischen Reisebüros. Wie ändert sich Ihr Geschäft?

Wir müssen uns umorientieren und unseren Kunden jene Zusatzangebote unterbreiten, die sie bei der Internetbuchung nicht finden – vom Transfer zum Hotel bis zur individuellen Stadtführung. Zugleich muss das Reisebüro seine Erreichbarkeit erhöhen, um gegenüber dem IT-Vertrieb zu bestehen. Zusätzlich müssen wir im Internet präsent sein und unsere Dienste etwa über Call-Center rund um die Uhr anbieten.

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