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07.02.2012

14:48 Uhr

Fusion besiegelt

Glencore und Xstrata schaffen den neuen Rohstoffriesen

Der Rohstoffhändler Glencore übernimmt den Bergbaukonzern Xstrata. Die Megafusion ist knapp 90 Milliarden Dollar schwer. Doch unter den Aktionären wächst der Widerstand gegen den neuen Konzern der Rohstoffbranche.

Die Glencore-Zentrale in Baar im Kanton Zug. dpa

Die Glencore-Zentrale in Baar im Kanton Zug.

London/ZugMega-Fusion in der Bergbaubranche: Der weltgrößte Rohstoffhändler Glencore schließt sich mit dem Bergbaukonzern Xstrata in einer 90 Milliarden Dollar schweren Fusion zu einem neuen Branchenriesen zusammen. Glencore und Xstrata kamen 2011 zusammen auf einen Umsatz von 209 Milliarden Dollar und einen bereinigten Betriebsgewinn von 16,2 Milliarden Dollar. Damit kann es der neue Konzern mit dem Namen Glencore Xstrata International mit den ganz großen wie BHP Billiton, Vale und Rio Tinto aufnehmen. Glencore hatte zuletzt bereits eine Kontrollmehrheit bei Xstrata. Die Xstrata-Aktionäre erhalten im Rahmen des Zusammenschlusses, der mit Aktien bezahlt werden soll, einen Aufschlag von gut 15 Prozent - für die Branche vergleichsweise gering. Ein Großinvestor meldete deswegen bereits Bedenken an.

Xstrata-Aktionäre würden im Rahmen der Fusion unter Gleichen, wie die Firmen betonten, für jedes ihrer Papiere 2,8 neue Glencore-Titel erhalten, teilte Xstrata am Dienstag mit. Ausgenommen sind Xstrata-Aktien, die bereits im Besitz von Glencore sind. Den Firmenangaben zufolge enthalten die Bedingungen einen Aufschlag von 15,2 Prozent auf die Xstrata-Titel basierend auf dem Schlusskurs vom 1. Februar. Es war kurz bevor bekannt geworden, dass die beiden Firmen über einen Zusammenschluss verhandeln. Glencore ist mit einer Beteiligung von 34 Prozent bereits der größte Einzelaktionär von Xstrata.

Die Geschichte von Glencore

Gründung

Marc Rich wurde 1934 als Marcell David Reich in Antwerpen geboren. 1974 gründete Rich im schweizerischen Zug seine Firma „Rich & Co.“, aus der später der Rohstoffriese Glencore hervorgeht. Das Rohstoffunternehmen konzentriert sich zunächst auf den Handel mit Eisen, Nicht-Eisen-Metallen und Erdöl.

Anklage in den USA

Im Jahr 1983 wurde Marc Rich in den USA wegen Steuerhinterziehung, Falschaussage und Handel mit dem Iran angeklagt. Zu einem Prozess kam es allerdings nicht, weil Rich bereits vor der Anklageerhebung auf seine amerikanische Staatsbürgerschaft verzichtete und sich in Spanien einbürgern ließ.

Umstrittene Öllieferungen an Südafrika

Indem Rich - trotz eines internationalen Embargos - das südafrikanische Apartheid-Regime zwischen 1979 und 1993 mit mehr als 400 Milliarden Barrel Öl belieferte, hielt er es an der Macht. Der Profit für Richs Firmen wird auf zwei Milliarden Dollar geschätzt.

Ausscheiden des Firmengründers

Mit der Zeit war Rich als Firmenchef untragbar geworden. Er stand unter anderem jahrelang auf der Liste der „Most Wanted“ des FBI. 1993 verkaufte Rich den Großteil der Firma an seine Manager und wurde damit indirekt aus dem Unternehmen gedrängt.

Umbenennung

1994 wurde die Firma vom neuen Management umbenannt. Seit dem firmiert der Rohstoffhändler unter dem Namen Glencore (Global Energy Commodity and Resources).

Neue Geschäftsfelder

Bereits 1982 war das Unternehmen in die Agrarwirtschaft eingestiegen. Nach und nach wurden die Geschäftsfelder durch Akquisitionen in Produktion, Verarbeitung und Handel mit Aluminium, Aluminiomoxid, Bauxit, Eisenlegierungen, Nickel, Zink, Kupfer, Blei, Kohle, Öl und Agrarprodukten ausgeweitet.

Besitzverhältnisse 1993 - 2011

Seit dem Ausscheiden von Marc Rich befand sich das Unternehmen im Besitz des Managements. Die zwölf Personen der obersten Führungsetage waren zugleich die größten Anteilseigner.

Börsengang

Im Mai 2011 fand der IPO von Glencore statt. Der Börsengang in London und Hongkong brachte dem Unternehmen bis zu zwölf Milliarden Dollar ein. Damit war der IPO der größte Börsengang des Jahres 2011 sowie der größte Börsengang der London Stock Exchange aller Zeiten.

Beteiligungen

Glencore hält unter anderem Anteile an dem australischen Bergbaukonzern Minara Resources (Nickel) und Century Aluminium aus den USA. Auch an Xstrata hielt Glencore jahrelang 34,5 Prozent. Seit 2007 ist Glencore auch mit dem russischen Aluminium-Konzern Rusal verwoben.

Die britischen Vermögensverwalter Standard Life Investments und Schroders, die zu den zehn größten Xstrata-Investoren zählen, lehnten den von Glencore gebotenen Preis als zu gering ab. „Wir werden gegen die Fusion stimmen, wenn die Bedingungen für die Xstrata-Anteilseigner nicht erheblich nachgebessert werden“, kündigte David Cumming, Chef der Aktienabteilung von Standard Life, in einer Pressemitteilung an. Das Unternehmen mit Sitz in Edinburgh ist der viertgrößte Anteilseigner des britisch-schweizerischen Bergbaukonzerns.

Richard Buxton vom Finanzhaus Schroders sagte Journalisten, der vorgeschlagene Deal sei „nicht überzeugend oder attraktiv“ für die Anteilseigener von Xstrata. „Warum sollen sie nicht wenigstens 50 Prozent bekommen?“, zitierte ihn der Londoner „Guardian“. Allein können die beiden Investmentfirmen, die laut britischen Medienberichten zusammen weniger als 4 Prozent an Xstrata halten, den Deal nicht verhindern. Sollte es ihnen jedoch gelingen, weitere Aktionäre auf ihren Gegenkurs einzuschwören, könnten sie Glencores Pläne zur Schaffung eines Megakonzerns zu Fall bringen.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

07.02.2012, 11:04 Uhr

Schön. Freut mich. Aber Weltunternehmen sollten auch eine Weltsteuer bezahlen. Diese könnte für Entwicklungshilfe, Ausbildung und Soziales verwendet werden. Bitte nicht für Militärausgaben.

Warum? Weltweite Unternehmen entziehen sich zunehmend einer nationalen Verantwortung. Nutzen billige Produktionen und teure Absatzmärkte für maximale Gewinne. Aufwendungen für Infrastrukturen von Staaten, Soziale Absicherungen sind nicht ihr Ding. Sollen sich doch die Staaten verschulden, um das zu tragen.

Große Unternehmen müssen mehr Steuern zahlen. Je größer desto mehr. Grundlage der Versteuerung darf nicht länger Gewinn sein sondern volkswirtschaftlicher Nutzen.

denker

07.02.2012, 11:36 Uhr

... und mich freut das die Fusion Deutsche Börse - NYSE abgesagt wurde,... gut gemacht Wettbewerbshüter so bleiben wir politisch korrekt und sichern langfristig Arbeitsplätze ... nur leider im Ausland.

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