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01.02.2012

14:11 Uhr

Fusion von Deutscher Börse und Nyse gestoppt

EU zerstört den Traum von der Super-Börse

Es ist wie verhext: Die Fusion zwischen der Deutschen Börse und der Nyse Euronext schien schon so gut wie klar - doch es ging wieder schief. Die EU untersagt den Zusammenschluss. Ein Drama für Konzernchef Reto Francioni.

Die New Yorker Stock Exchange (Nyse) und die Deutsche Börse kommen nicht zusammen. dapd

Die New Yorker Stock Exchange (Nyse) und die Deutsche Börse kommen nicht zusammen.

FrankfurtDie milliardenschwere Fusion der Deutschen Börse mit der New Yorker Nyse ist geplatzt. Die EU-Kommission untersagte am Mittwoch den Zusammenschluss zum weltgrößten Börsenbetreiber. Trotz Zugeständnissen der Unternehmen sei die EU zu der Einschätzung gelangt, „der Zusammenschluss behindere in erheblichen Maß effektiven Wettbewerb und hat den Zusammenschluss als mit dem gemeinsamen Markt für nicht vereinbar erklärt“, teilte die Deutsche Börse mit. Die Ablehnung war erwartet worden, nachdem EU-Kommissare zuletzt Bedenken gegen eine Fusion geäußert hatten. Ihnen ist die dominante Stellung der beiden Unternehmen im Derivate-Geschäft an europäischen Börsen ein Dorn im Auge.

Europas oberster Wettbewerbshüter, Joaquín Almunia, begründete das Veto mit der Sorge vor einem Quasi-Monopolisten im Handel mit Derivaten - also Finanzwetten. „Wir konnten nicht erlauben, dass so etwas geschieht“,
sagte der EU-Kommissar.

Deutsche Börse und Nyse Euronext hatten die Megafusion vor knapp einem Jahr angekündigt und bis zuletzt für die weltgrößte Super-Börse geworben. Sie wollten einen neuen „Champion“ schaffen, der es mit Konkurrenten aus Amerika und Asien aufnehmen kann. Mitarbeiter und Politiker fürchteten dagegen, dass es zu einem Ausverkauf des Finanzplatzes Frankfurt kommen könnte. Auch die hessische Landesregierung hatte signalisiert, als Börsenaufsicht der Vereinigung nicht zustimmen zu wollen.

Für Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni ist es bereits die dritte gescheiterte Fusion in den letzten fünf Jahren. Sein Konzern muss sich nun auf absehbare Zeit alleine im weltweiten Wettbewerb behaupten. Andere große Transaktionen und eine grundlegende Konsolidierung der Börsenlandschaft, wie sie von vielen Branchenvertretern Anfang 2011 ausgerufen wurde, wird es nach Ansicht von Experten nun vorerst nicht geben.

Die Deutsche Börse äußerte sich nach der Entscheidung mit ungewöhnlich scharfen Worten: „Dies ist ein schwarzer Tag für Europa und seine zukünftige Wettbewerbsfähigkeit auf den weltweiten Finanzmärkten.“ Die Entscheidung der EU-Kommission basiere auf einer „realitätsfremden verengten Marktdefinition“, die der globalen Natur des Wettbewerbs im Derivatemarkt nicht gerecht werde.

Zudem werde der außerbörsliche (OTC-)Derivatemarkt als der größte Teil des Marktes komplett ausgegrenzt. Die Entscheidung sei „inkonsistent und steht im Widerspruch zu dem gleichzeitig von der Kommission verfolgten Ziel zur Ausweitung der Finanzmarktregulierung auf den OTC-Derivatemarkt“.

Die Entscheidung der EU-Kommission stehe auch im Gegensatz zu der in den USA bereits im Jahr 2007 vorgenommenen Beurteilung des Derivatemarkts. Dort durften sich die beiden Chicagoer Unternehmen CME und CBOT zu der größten global agierenden Derivatebörse zusammenschließen.

Kommentare (6)

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01.02.2012, 11:29 Uhr

Na, das wird die Schar der Attorney-Industrie an der Wall Street wohl aber gar nicht gerne hören.
Dann könnten sie sich ja jetzt auf ihre abgefuckten Rating-Buden zur Abwechslung mal fokussieren .....

Profit

01.02.2012, 11:31 Uhr

Ein guter Tag für Deutschland und für Frankfurt. New York hätte die Deutsche Börse AG ausgesaugt. Bouffier wird sich freuen. Jetzt braucht nicht er den Spielverderber abgeben.

Account gelöscht!

01.02.2012, 11:55 Uhr

Die EU zerstörte keinen Traum. Sie hielt einen am Leben: Den Traum von der Marktwirtschaft, die ja vom Wettbewerb lebt. Wettbewerb wird aber durch immer größere Unternehmen zerstört.

Das hat schon Karl-Marx erkannt und es ist noch heute ein vitales Problem einer sonst sehr erfolgreichen und erhaltenswerten Wirtschaftsform: Marktwirtschaftlicher Kapitalismus.

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