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09.01.2015

13:47 Uhr

Fusion von MeinFernbus und Flixbus

Kampfansage an die Konkurrenz

Die neue Nummer eins am deutschen Fernbusmarkt bekommt einen Doppelnamen: Gemeinsam will Flixbus MeinFernbus die deutschen Straßen befahren. Die Konkurrenz reagiert verhalten, Verbraucherschützer besorgt.

Geschäft wächst weiter

Doppeldecker: MeinFernbus und Flixbus schließen sich zusammen

Geschäft wächst weiter: Doppeldecker: MeinFernbus und Flixbus schließen sich zusammen

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Düsseldorf/Berlin/MünchenDer Marktführer darf die Farbe bestimmen. Nach der Fusion von Flixbus und MeinFernbus werden die beiden Unternehmen künftig mit grünen Bussen durch Deutschland fahren, dem Markenzeichen von MeinFernbus. Gemeinsam wollen sie die unangefochtene Nummer eins auf dem deutschen Markt formen. Und mehr als das: Die Start-up-Unternehmen aus Berlin und München nehmen gemeinsam Kurs auf Europa und wollen mehr Fahrten in die Nachbarländer anbieten. Denn in Deutschland zeigen sich nach einem zweijährigen Boom die Grenzen des Wachstums. Die Zeit sinkender Preise könnte für die Kunden vorbei sein.

Die neu geschmiedete Fernbus-Allianz startet auch gleich mit einer Kampfansage an die Konkurrenz: Das Unternehmen will dieses Jahr Busse und Passagier-Zahl fast verdoppeln und der Bahn mit schnellen Express-Verbindungen Kunden abjagen. „Wir wollen bis Ende des Jahres 1000 Busse auf der Straße haben“, sagte Torben Greve, Miteigentümer des aus MeinFernbus und Flixbus fusionierten Unternehmens am Freitag in Berlin.

Dann würden etwa 18 bis 20 Millionen Passagiere mit der neuen Firma unterwegs sein, die derzeit für etwa die Hälfte des deutschen Fernbus-Marktes steht und zusammen 560 Busse im Einsatz haben. Gemessen an den angebotenen Fahrten in Kilometern, wie sie das Berliner Iges-Institut ermittelt hat, stehen MeinFernbus und Flixbus sogar für drei Viertel des Angebots. Wichtige Verbindungen wie Berlin-Hamburg würden künftig alle 30 Minuten angeboten. Die Zahl der Non-Stop-Strecken werde wachsen und damit der Geschwindigkeits-Nachteil gegenüber der Schiene reduziert. Zudem würden Nachtbusse auf allen Hauptstrecken angeboten nachdem die Deutsche Bahn diese Verbindungen weitgehend einstellt.

Die wichtigsten Fragen zum Fernbus

Welche Linien fahren welche Städte an?

In Deutschland gibt es Busgesellschaften, die zum Teil nur einzelne Fernbuslinien bedienen, während andere Anbieter fast alle großen Städte des Landes und auch Ziele im europäischen Ausland ansteuern. Alle Routen und ihre Preise zu vergleichen, ist für den Reisenden fast unmöglich.

Wo kann man Fahrkarten kaufen?

Fahrkarten für den Fernbus können bei den jeweiligen Busgesellschaften erworben werden. Am einfachsten geht das über deren Internetseiten. Einige Anbieter verkaufen ihre Tickets auch über Reisebüros oder andere Verkaufsstellen in größeren Städten.

Was kosten Fernbus-Karten?

In der Regel ist die Fahrt mit dem Fernbus günstiger als mit allen anderen Verkehrsmitteln – selbst mit der Bahn. Wer direkt beim Anbieter bucht, geht meist sicher, dass er den günstigsten Fahrpreis zahlt. Reist man mit mehreren Personen, ist mitunter auch eine Gruppenermäßigung drin.

Wo findet man Sparangebote und Aktionen?

Der zunehmende Wettbewerb zwischen den Anbietern von Fernbusfahrten kommt dem Kunden zugute. Sie profitieren von Spar- und Aktionspreisen sowie Rabatten, beispielsweise für Frühbucher. So sind Fahrpreise von wenigen Euro selbst für lange Strecken keine Seltenheit. Zu finden sind die Angebote auf den Internetseiten der Busgesellschaften.

Sind Fahrkarten übertragbar?

Je nach Anbieter können bereits gekaufte Fahrkarten auf einen anderen Namen ausgestellt werden. Dabei kann eine Gebühr anfallen, insbesondere wenn die Änderung des Namens kurzfristig erfolgt.

Lassen sich Karten umbuchen oder stornieren?

Häufig ist eine Umbuchung auf eine andere Zeit – zum Teil auch kostenlos – möglich, allerdings unterscheiden sich die Bedingungen der Anbieter in Bezug auf die Gebühren und auch den Zeitraum, indem eine Umbuchung möglich ist. Eine Stornierung ist wie die Buchung meist problemlos über das Internet möglich, jedoch fällt hier meist eine Stornogebühr an.

Wie viel Gepäck ist erlaubt?

Üblich im Fernbus sind Gewichte und Mengen wie beim Fliegen, dennoch gibt es Unterschiede zwischen den Anbietern. Reist man mit mehr als nur Handgepäck, empfiehlt es sich daher, vor Fahrtantritt genauerer Informationen bei der jeweiligen Busgesellschaft einzuholen. Schwere und sperrige Gegenstände wie Sportgeräte, Musikinstrumente oder große Koffer können meist gegen eine zusätzliche Gebühr mitgenommen werden. Rollstühle und Kinderwagen fahren kostenlos mit. Wichtig: Sperrgepäck rechtzeitig anmelden!

Darf ein Fahrrad mit?

Manche Busgesellschaften erlauben die Mitnahme eines Fahrrades. Dafür fallen in der Regel Extra-Kosten von einigen Euro an.

Darf ein Haustier mit?

Das Mitnehmen von Haustieren ist meist nicht erlaubt. Davon ausgenommen ist das Mitführen eines Blindenhundes.

Sind Fernbusse barrierefrei?

Im Zuge der Novellierung des Personenbeförderungsgesetzes wurde auch die Barrierefreiheit von Fernbussen beschlossen. Demnach muss jeder Fernbus mit zwei Plätzen für Rollstuhlfahrer ausgestattet sein. Allerdings wurde den Busgesellschaften eine Übergangsfrist bis 2016 eingeräumt. Bereits angeschaffte Busse müssen gar erst 2019 barrierefrei sein.

Bekommen Schwerbehinderte Ermäßigungen?

Gegen Vorlage eines Schwerbehindertenausweises gewähren die Busgesellschaften Ermäßigungen. Rollstühle, orthopädische Hilfsmittel wie Krücken und ggf. eine Begleitperson dürfen kostenlos mit an Bord. Voraussetzung ist natürlich ein entsprechender Nachweis sowie eine rechtzeitige Anmeldung.

Quelle

Man wolle nicht nur in Deutschland sondern europaweit Marktführer werden, sagte MeinFernbus-Gründer Greve. Ziele wie Brüssel, Verona und Venedig würden demnächst angefahren. „Das Ziel ist in einigen Jahren ein europaweites Netz zu haben.“ Konkurrenten wie National Express, die in Großbritannien und Spanien über viele Verbindungen verfügen, fürchte man nicht. „Wir sind Impulsgeber der Branche, wir sind immer drei Schritte voraus.“ Aus dem deutschen Markt habe sich National Express wegen der großen Konkurrenz bereits wieder zurückgezogen.

Auf wichtigen Strecken werden Fahrgäste an dem neuen Fernbus-Riesen kaum noch vorbei kommen – wenn sie nicht auf die meist teureren Alternativen Bahn, Auto oder Flugzeug umsteigen.

Die Konkurrenz reagierte auf die neue Marktdominanz verhalten. Der Anbieter Megabus hofft auf Politik, Regulierungsbehörden und die Passagiere. Man nehme stark an, dass diese sich fragen würden, „was die neue Situation in Zukunft für das gebotene Service-Niveau bedeutet und ob Preise steigen werden und natürlich auch ob diese Entwicklung im Sinne der Kunden ist“.

Jedenfalls verspricht MeinFernbus nicht, dass die Fahrkarten noch billiger werden. „Genauso günstig wie bisher“, so die Parole des Unternehmens am Mittwoch, als der geplante Zusammenschluss zunächst den Beschäftigten bekanntgemacht wurde. Verbraucherschützer rechnen aber auch mit steigenden Tarifen und warnen vor einem Monopol.

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