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21.08.2017

15:48 Uhr

Gamescom

Aldi will die Gaming-Branche aufmischen

VonMichael Scheppe

Bei Aldi gibt es jetzt Spiele für PC und Konsole. Pünktlich zur Gamescom vertreibt der Discounter im Internet Tausende Spiele. Gegenüber der Konkurrenz hat Aldi viele Vorteile – und das Potenzial, die Branche zu verändern.

Aldi Nord und Aldi Süd steigen in das Gaming-Geschäft ein. obs

Zum Start der Gamescom

Aldi Nord und Aldi Süd steigen in das Gaming-Geschäft ein.

DüsseldorfDas ist ungewöhnlich: Zum Start der Spielemesse Gamescom stehen nicht die Spielehersteller in den Schlagzeilen. Stattdessen sorgt Aldi für Aufmerksamkeit: Die Unternehmensgruppen Aldi Nord und Aldi Süd steigen in das Gaming-Geschäft ein. Ab Dienstag bietet der Discounter auf seiner Plattform „Aldi Life“ mehrere Tausend Videospiele von mehr als 100 großen und kleinen Entwicklerstudios zum Download an – und zwar für fast alle Plattformen.

„Dieses schlagkräftige Angebot wird den Absatz in der Spielebranche beflügeln und neue Impulse setzen“, sagt Werner Ballhaus, Leiter Technologie, Medien und Telekommunikation bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. Aldi ist kein Pionier in der Gaming-Branche – im Gegenteil: Andere sind schon jahrelang im Markt. Dennoch dürfte das Angebot des Discounters, der mit rund 4.200 Filialen in der gesamten Republik vertreten ist, erfolgreich sein, schätzen Marktkenner.

Denn der Name und die Bekanntheit von Aldi machen den Unterschied. Aldi könnte der Gaming-Branche so einen zusätzlichen Schub verleihen. „Das wird auf jeden Fall große Aufmerksamkeit generieren“, schätzt Linda Breitlauch, stellvertretende Vorsitzende des Game-Bundesverbandes.

Aldi ist dafür bekannt, nicht der erste zu sein, sondern erst dann einzusteigen, wenn der Markt eine große Masse anspricht. Das zeigte sich in der Vergangenheit etwa mit dem Angebot der Medion-Computer oder dem Telefonierangebot „Aldi Talk“. „Und mittlerweile ist auch die Gaming-Branche massentauglich“, sagt Odile Limpach, Spieleexpertin am Cologne Game Lab der Technischen Hochschule Köln.

Über 30 Millionen Menschen spielen hierzulande zumindest gelegentlich Videospiele, zeigt eine Befragung des Digitalverbandes Bitkom. Und schon lange ist Gaming kein Jugendphänomen mehr: Rund ein Viertel der Spieler ist 50 Jahre und älter. „Der Schritt von Aldi ist deshalb sehr logisch“, sagt Limpach.

Was Aldi in allen Branchen vereint: Der Discounter ist dafür berüchtigt, die Konkurrenz mit Kampfpreisen unter Druck zu setzen. Was für Milch und Eier, aber auch für PC-Hardware und Telefon-Flatrates gilt, soll nun auf die Gaming-Branche übertragen werden. „Aldi steht für ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, auch im Internet“, sagt Nastaran Amirhaji, Sprecherin bei Aldi Süd.

Direkt zur Markteinführung setzt Aldi ein Ausrufezeichen: Das PC-Spiel „Anno 2205 (Königsedition)“ etwa wird für 15 statt 50 Euro offeriert. Bei Amazon ist es derzeit immerhin für knapp 40 Euro zu kaufen. Solche Angebote gibt es auch für zwei weitere Spiele – alle drei allerdings keine brandneuen Titel.

In der Branche ist es üblich, dass neue Spiele nicht direkt nach deren Erscheinen zu billigen Preisen verscherbelt werden. Daran will sich auch Aldi halten, schließlich will es sich der Discounter nicht mit den Spieleproduzenten verscherzen. „Wir sind natürlich an einer guten Zusammenarbeit mit den Publishern interessiert“, sagt Sandro Fabris, Manager beim Elektronikhersteller Medion, der den neuen Dienst für den Discounter entwickelt hat. Rabattschlachten sind erst zu erwarten, wenn die Spiele einige Monate im Markt sind.

Branchenkenner sind sich einig: Aldi ist nun ein wichtiger Player in der Gaming-Branche. Der Discounter hat tausende Videospiele im Angebot – egal Sport, Strategie oder Spiele für Kinder. Darunter sind alle neuen Games, die auf der Spielemesse in Köln vorgestellt werden, aber auch Klassiker. Aldi vertreibt Spiele sowohl von den bekannten Entwicklerstudios als auch von kleineren Game-Publishern.

Kommentare (3)

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Herr Peter Spiegel

21.08.2017, 19:27 Uhr

Was für ein Glück, daß es den Avatar für den Steuerzahler nun auch bei Aldi gibt, verbreitet es doch die Basis der Wahrheit.

Frau Annette Bollmohr

22.08.2017, 11:03 Uhr

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Ist wirklich reiner Zufall, dass gerade das Thema „Spiele“ Gegenstand meines Beitrags im Presseclub-Gästebuch war:

„Mir fällt vor allem auf, dass es fast nur um die Befindlichkeiten diverser Machtpolitiker geht. Die Bevölkerung dient dabei, wenn sie denn überhaupt am Rande mal erwähnt wird, offenbar nur als Kulisse bei diesem Trauerspiel. Aber solange die - oder besser: ein viel zu großter Teil davon - die Möglichkeiten, die das Internet heute bietet, privat immer noch ganz überwiegend für idiotische (Baller-)Spiele, Einkaufen, "Promi-News" - und nicht zuletzt zum Über-alles-und-jeden-und-übereinander-Lästern und sonstigen Blödsinn, also fast nur zum Totschlagen von Zeit nutzt, statt sich auf zivilisierte Art und Weise zusammenzuschließen (bzw. zusammenzuraufen), und sich so noch weit deutlicher als heute bemerkbar zu machen, werden wir uns wohl alle noch weiter mehr oder weniger im Kreis drehen. Statt der globalen Gesellschaft endlich den dringend nötigen "Schub" in Richtung einer wirklich lebenswerten Zukunft für alle geben zu können. Immerhin scheinen das langsam immer mehr Menschen zu merken.“

Und die Spielebranche ist, wie es Frau Bialek heute so schön ausgedrückt hat, „erwachsen geworden“ und ist darauf gekommen, dass sie, da langsam systemrelevant, ja auch, sozusagen aus Gründen der Gleichberechtigung, bei der Politik auch Anspruch auf Subventionen anmelden kann.

Langsam steigt’s auf Bäume. Natürlich habe ich nichts gegen Spiele, aber für meine Begriffe ist das gesunde Gleichgewicht zwischen Ernst und Spiel längst gekippt. Und müsste dringend wiederhergestellt werden, damit unsere Gesellschaft nicht vollends „abdriftet“.

Noch eine Anmerkung dazu: Spiel und Spaß sind n i c h t dasselbe.

Denn Spaß darf (im Gegensatz zum Spiel) immer sein.

Frau Annette Bollmohr

22.08.2017, 11:12 Uhr

Korrektur (sorry, Zeitdruck):

"Und die Spielebranche ist, wie es Frau Bialek heute so schön ausgedrückt hat, „erwachsen geworden“ und ist darauf gekommen, dass sie, da langsam systemrelevant, sozusagen aus Gründen der Gleichberechtigung, ja auch Anspruch auf Subventionen bei der Politik anmelden kann."

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