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11.01.2013

12:00 Uhr

Gastbeitrag ARD-Markencheck

Lieber mehr halten als versprechen!

Geht es um das verantwortliche Handeln von Konzernen, zeigen Verbraucher wenig Toleranz. Warum dem Einzelhändler Rewe jetzt ein Imageschaden und der Verlust von Kunden droht, erklärt Markenexperte Torben Hansen.

Torben Hansen ist geschäftsführender Gesellschafter der Hamburger Werbeagentur Philipp und Keuntje GmbH, die unter anderem für Audi arbeitet.

Torben Hansen ist geschäftsführender Gesellschafter der Hamburger Werbeagentur Philipp und Keuntje GmbH, die unter anderem für Audi arbeitet.

HamburgWarum steht Rewe für das Nachhaltigkeitsprojekt Pro Planet, das der Edeka/Rewe-Check der ARD unter die Lupe nimmt, so stark in der Kritik? Als Verbraucher sind wir doch eigentlich an Beschönigungen gewöhnt und im Umgang mit ihnen geschult – zumindest bei der Produktwerbung.

Das Marketing hat für diese Art der Übertreibung die Redewendung „20% bigger than life“ geprägt. Und wenn diese Grenze beachtet wird – das ist quasi der unausgesprochene Pakt zwischen Vermarktern und Umworbenen –, dann wird es noch als „angemessene Verführung“ akzeptiert, so ist eben das Spiel. Ein Freischein für übertreibende Werbung und Übertölpelung ist dies nicht. Auch hier gilt, dass langfristig gewinnt, wer glaubwürdig auftritt.

Edeka/Rewe-Check: „Der deutsche Verbraucher wird angelogen“

Edeka/Rewe-Check

„Der Verbraucher wird angelogen“

Die ARD hat die in Deutschland führenden Märkte Edeka und Rewe auf den Prüfstand gestellt.

Wenn es um Corporate Social Responsibility (CSR) geht,  also um das verantwortliche gesellschaftliche Handeln von Unternehmen, legen die Menschen radikal andere Maßstäbe an: Hier herrscht Null-Toleranz!

Das könnte man als Doppelmoral empfinden, was aber keine Rolle spielt, denn die Konsequenzen bleiben. Wer bei diesem Thema mehr verspricht als er halten kann, dem glaubt man auch auf anderen Gebieten nicht und man entzieht ihm das Vertrauen. Die Gefahr eines Imageschadens und des Verlusts von Kunden droht der Marke Rewe.

Daten und Fakten rund um Rewe

Genossenschaft mit Geschichte

Die Rewe ist einer der größten Handelskonzerne Deutschlands. Die Abkürzung Rewe steht für Revisionsverband der Westkauf-Genossenschaften, der 1927 gegründet wurde. Die Rewe-Zentrale kauft für die Genossenschaftsmitglieder – selbstständige Kaufleute – Waren kostengünstig ein. Gleichzeitig betreibt sie eigene Supermarktfilialen, die ebenfalls unter dem rot-weißen Rewe-Logo stehen.

Baustelle Penny

Die Discount-Tochter Penny ist tief in den roten Zahlen – Rewe will sie mit hohem Aufwand sanieren. Die Filialen werden saniert, 70 unrentable Läden geschlossen.

Tourismus und Baumärkte

Die Touristik ist mit den Reiseveranstaltern um ITS und Dertour ebenfalls ein Kerngeschäft. Zu dem Kölner Konzern gehören außerdem auch die Toom-Baumärkte und die Elektronikkette ProMarkt. Diese ist allerdings eine Baustelle – zehn unrentable Märkte werden geschlossen.

Mehr Umsatz, weniger Gewinn

Der Umsatz der gesamten Rewe-Gruppe wurde für 2011 auf mehr als 48 Milliarden Euro beziffert. Der Konzerngewinn ging aber um gut ein Viertel auf knapp 267 Millionen Euro zurück – vor allem durch Verluste von Penny sowie Rückstellungen für die Modernisierung der Discount-Tochter.

Mitarbeiter in 13 Ländern

Die gesamte Rewe-Gruppe inklusive der selbstständigen Kaufleute hat rund 323 000 Mitarbeiter, davon etwa zwei Drittel in Deutschland. 2011 wurden europaweit knapp 10 000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Rewe-Gruppe ist mit insgesamt 15 700 Märkten und Reisebüros in 13 Ländern Europas aktiv.

Denn bei CSR-Projekten genügt es sogar, wenn nur der Anschein von Unredlichkeit entstehen kann: Die Rewe Group wird in der ARD-Sendung Markencheck bzw. in der Nachberichterstattung – für, sagen wir mal Transparenz, die zu wünschen übrig lässt – deutlich heftiger kritisiert als Edeka & Co. Und das obwohl nur sie überhaupt mit Pro Planet entsprechende CSR-Initiativen vorzuweisen haben.

Kommentare (2)

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ANBA

12.01.2013, 17:03 Uhr

besonders der letzte Passus von Torben Hansen ist richtig und trifft bei den ewig nur noch von Armut und Ungerechtigkeit schwadronierenden mitten ins Schwarze. Um gerechte Löhne z.B. im Einzelhandel zahlen zu können und gute Qualität der Lebensmittel zu gewährleisten, sind höhere Preise bie etlichen Produkten unabdingbar. Das will die "Geiz ist geil" und Billigheimerfraktion nicht akzeptieren. Aber man ist ja mit einem großartigen Gerechtigkeitsanspruch zu Lasten der Unternehmen leichter unterwegs.

Account gelöscht!

14.01.2013, 22:19 Uhr

Das Problem in Deutschland ist einfach, dass viele nicht bereit sind, für Dienstleistungen oder Produkte das zu bezahlen, was sie selber als Leistungserbringer oder "Produzenten" für den angemessenen Preis halten und deshalb verlangen würden.

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